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0:1-Niederlage gegen Tschechien : EM-Gastgeber Polen scheitert in der Vorrunde

Enttäuschung im Gastgeberland Polen: Die eigene Mannschaft schafft auch im dritten Vorrundenspiel gegen Tschechien keinen Sieg und verpasst damit das Viertelfinale bei der Heim-EM.

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Jakub Blaszykowski zum EM-Aus seiner Polen: "Insgesamt gab es ein paar wundervolle Momente. Am Ende werden sich aber alle mehr an das Negative erinnern“Weitere Bilder anzeigen
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17.06.2012 11:52Jakub Blaszykowski zum EM-Aus seiner Polen: "Insgesamt gab es ein paar wundervolle Momente. Am Ende werden sich aber alle mehr an...

Mitte der zweiten Hälfte hatte sich im städtischen Stadion von Breslau eine seltsame Stimmung breit gemacht. Die meisten Zuschauer schmetterten aufmunternde Gesänge. Auf dem Rasen aber schlichen die Männer in Weiß herum als müssten sie eine viel zu schwere Last mit sich herumtragen. Als der Wolfsburger Petr Jiracek in der 72. Minute den Ball am polnischen Torwart Przemyslaw Tyton vorbei über die Linie schob, verstummten die Gesänge. EM-Gastgeber Polen war in der Vorrunde der EM im eigenen Land gescheitert und ist nach dem 0:1 gegen die Tschechen wie 2008 ohne einen Sieg ausgeschieden. Und dabei hatten sich viele Polen schon auf ein Viertelfinal-Duell gegen Deutschland vorbereitet. Ins Viertelfinale aber ziehen nach ihrem zweiten Sieg die Tschechen ein, denen zumindest an diesem Abend vorher nur eine Nebenrolle zugedacht war.

"Zur Halbzeit wussten wir, dass ein Punkt nicht reicht, und der Druck ist noch mehr gestiegen", sagte Tschechiens Torwart Petr Cech und ergänzte mit Blick auf den Gegner: "Es ist besser, Deutschland zu vermeiden, denn sie sind der Favorit des Turniers. Wir spielen lieber erst später gegen sie." Torschütze Jiracek war überglücklich: "Nach dem ersten Spiel hat uns das keiner zugetraut, aber wir haben aus unseren Fehlern gelernt", sagte der Wolfsburger und erinnerte an den verpatzten Start beim 1:4 gegen Russland. Dagegen waren Polens Spieler untröstlich. "Es ist wirklich schwer, das Spiel jetzt zu bewerten, wir sind alle enttäuscht, ich möchte trotzdem unseren Fans danken, sie haben uns großartig unterstützt", sagte Polens Kapitän Jakub Blaszczykowski. Trainer Franciszek Smuda zeigte sich nach dem Abpfiff ratlos: "Vielleicht waren meine Spieler übermotiviert." Ob der 63-Jährige das Team auch künftig betreut, ließ er zunächst offen.

Den Plan, ein schnelles Tor zu schießen, konnten die Polen nicht umsetzen, was schnell eine gewisse Ratlosigkeit auslöste. Der ersten Viertelstunde, in der allein fünf große Chancen heraus gespielt wurden, folgte eine Phase der langen, hohen Bälle. Die Tschechen überstanden sie alle, dank polnischer Ungenauigkeit. Blaszczykowski, Lewandowski, Boenisch, Polanski - was sich liest wie die Gästeliste einer Abordnung aus der deutschen Bundesliga war die Liste der Gescheiterten des EM-Gastgebers bis zur 15. Minute. Wenig später kam Wasilewski dazu.

Bei strömendem Regen war es vielleicht auch nicht besonders leicht, genau zu spielen. Die Erwartungshaltung vor dem "vielleicht wichtigsten Spiels der polnischen Fußballgeschichte" (Blaszczykowski) jedenfalls war enorm. Auch dem musste die Mannschaft von Nationaltrainer Franciszek Smuda gerecht werden. An diesem Abend war Polen ein Land der leeren Straßen. Im Stadion mischten sich in die Gesänge bald auch einige Pfiffe, weil die polnischen Kicker doch mehr Mühe hatten als es sich manche wünschten.

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