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0:2 gegen SC Freiburg : Hertha BSC: Offensiv, aber ohne Plan

Hertha BSC geht beim Heimdebüt von Pal Dardai mit einer sehr offensiven Startaufstellung ins Spiel gegen den Tabellenvorletzten aus Freiburg - und kommt kaum in den gegnerischen Strafraum.

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Zweiter Sieger: Salomon Kalou konnte nach seiner Rückkehr vom Afrika-Cup keine Akzente setzen.
Zweiter Sieger: Salomon Kalou konnte nach seiner Rückkehr vom Afrika-Cup keine Akzente setzen.Foto: dpa

Schon zwanzig Minuten vor Spielbeginn spielte Pal Dardai mit dem Heimpublikum. Herthas neuer Trainer winkte vom Rasen aus hoch in den Rang und schickte ein breites Lächeln hinterher. War es die Freude darüber, ein paar Jährchen nach seinem Abschied als aktiver Herthaspieler zurückgekehrt zu sein ins Olympiastadion, oder war es Siegesgewissheit? Knapp zwei Stunden später ging es nur noch darum, was den Gastgebern an diesem Nachmittag eigentlich dazwischen gekommen war? Denn nur noch die Gäste aus Freiburg lächelten.

Die Mannschaft von Christian Streich landete mit dem 2:0 (1:0) vor 37 617 Zuschauern einen wichtigen Sieg im Abstiegskampf. Für Hertha BSC und seinen neuen Trainer ist es ein herber Rückschlag - gleichbedeutend mit einem Abrutschen in die Abstiegszone, hinter die Freiburger. Dardai rief die Spieler danach zu einer Ansprache in die Kabine. "Es gab Szenen, die ich nicht akzeptieren kann, die Körpersprache, da war Angst dabei", sagte der Trainer, der auch Schuld auf sich nahm. "Es kann sein, dass wir im Training zu viel körperlich gearbeitet haben. Da habe ich vielleicht überzogen."

Zu seiner Heimpremiere als Cheftrainer Herthas hatte Dardai gegen arg ersatzgeschwächte Freiburger die vielleicht offensivste aller möglichen Startformationen gewählt. Im Vergleich zum Spiel vor einer Woche in Mainz gab es zwar nur zwei personelle Wechsel, für den gesperrten Kapitän Fabian Lustenberger kam Ronny und Salomon Kalou für Roy Beerens. Aber heraus kam eine mutige Formation mit einem Übergewicht an Offensivspielern. Man konnte sie auch als naiv bezeichnen.

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Vielleicht waren alle im blau-weißen Tross etwas berauscht vom Auftakterfolg in Mainz, wo vieles klappte. Doch die Annahme, Freiburg im eigenen Haus einfach überrennen zu können, erwies sich als fatal. Wie ungeübt Hertha in einer solchen Formation, in einem solchen System ist, zeigte sich bereits in der Anfangsphase. Zwar ergab sich nach fünf Minuten eine erste Torschussgelegenheit für Herthas Stürmer Julian Schieber, den Freiburgs Torwart Roman Bürki parierte, doch die Berliner taten sich fortan schwer im Spielaufbau.

Bei Hertha BSC fehlte eine sinnvolle Staffelung im Mittelfeld

Hertha vermochte es nicht, spielerisch das Mittelfeld zu überbrücken, wo eine zu große Lücke klaffte. Gleich vier Spieler, Kalou, Nico Schulz, Valentin Stocker und Schieber, standen zu oft in vorderster Linie der Berliner, aber kein Ball konnte sie erreichen. Hier fehlte eine kluge Staffelung, Raumaufteilung und Spielgestaltung. Und dann gingen auch noch die Gäste in Führung. Nach einem der seltenen Freiburger Vorstöße kamen nacheinander John Brooks und Marvin Plattenhardt jeweils zu spät, und so spitzelte Felix Klaus dann Ball über den Innenpfosten ins Tor.

Es wirkte vieles unrund und wild, was die Berliner taten. Sie kamen zwar etwas entschlossener ins Spiel und konnten das Geschehen weitgehend in die gegnerische Hälfte verlagern, aber ihre Aktionen blieben oft unvollständig, sodass sie selten zum Abschluss führten. Zu Beginn der zweiten Halbzeit kam Beerens für Schulz, und der setzte gleich Kalou in Szene, der allerdings den Querpass vor dem gegnerischen Tor knapp verpasste. Doch die Unwucht in der Formation bekam Dardai mit diesem Wechsel nicht behoben. Vielleicht wollten die Berliner zu viel an diesem Tag, und das auch noch mit Hurra und Gewalt. Und das rächte sich nach nur fünf Minuten der frischen Halbzeit. Nach der ersten Ecke für Freiburg köpfte Maximilian Philipp zum 2:0 ein. Erneut sah Plattenhardt dabei nicht gut aus, der seinen Gegenspieler ziehen lassen musste.

Weil immer noch nicht viel zusammenlief im Spiel nach vorn, probierte es Stocker irgendwann mit einem Distanzschuss, den Torwart Bürki prallen lassen musste. Der Nachschuss von Kalou brachte nichts ein. Erst danach, eine gute Stunde war gespielt, versuchte Dardai sein Experiment mit Ronny auf der defensiven, zentralen Position zu korrigieren und brachte Hajime Hosogai. Später kam noch Sandro Wagner für den enttäuschenden Kalou. Als Stocker den Ball fünf Minuten vor dem Spielende aus wenigen Metern nicht in das Tor drücken konnte, war das Spiel endgültig gelaufen.

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