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0:3 gegen FC Schalke 04 : Der Hamburger SV nun auf dem Relegationsrang

Der Hamburger SV kassiert zum Auftakt der Rückrunde eine deutliche Heimniederlage und findet sich in der Tabelle nun auf dem Relegationsrang wieder. Die Schalker freuen sich hingegen nicht nur über drei Punkte, sondern auch über das erfolgreiche Comeback eines Torjägers.

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Wenn's nicht läuft, dann aber richtig. HSV-Torhüter Jaroslav Drobny machte beim 0:2 keine glückliche Figur.
Wenn's nicht läuft, dann aber richtig. HSV-Torhüter Jaroslav Drobny machte beim 0:2 keine glückliche Figur.Foto: Imago

Um kurz nach halb sieben hatte das Publikum genug. Gewiss, es setzte gerade ein leichtes Schneetreiben ein, aber das hätten die dem Hamburger SV zugeneigten Zuschauer unter den 49 457 schon noch ertragen, wie auch die vorsibirische Kälte. Nur ein bisschen besserer Fußball hätte es schon sein mögen. Doch nach dem dritten Gegentor bei dieser 0:3 (0:1)-Niederlage gegen Schalke 04, da flüchteten sie in Scharen aus dem Iglu am Hamburger Volkspark, und da war doch noch fast die gesamte zweite Halbzeit zu absolvieren. „Ich glaube, ich wäre auch nach Hause gegangen“, sagte Hamburgs niederländischer Trainer Bert van Marwijk. „Ich finde das Publikum eigentlich noch ganz nett.

Auf Platz 14 hatte sich der HSV in die Winterpause verabschiedet und auch das schon als Min-Katastrophe empfunden. Nach dem ersten Rückrundenspieltag und der sechsten Niederlage im neunten Heimspiel hat er sich auf Platz 16 verschlechtert und die Zukunft verheißt wenig gutes im, aber gewiss doch!, Abstiegskampf. Pierre-Michel Lasogga, der einzige Stürmer, der zuweilen das Tor trifft, schied mit einer Oberschenkelzerrung aus, und so etwas wie eine fußballerische Idee war seinen Kollegen auch mit größtem Wohlwollen nicht zu unterstellen. „Wir haben drei Wochen sehr hart gearbeitet für dieses Spiel“, sagte Bert van Marwijk. „Wenn man dann 0:3 verliert, weiß man, was zu tun ist. Ich weiß es, und ich hoffe, die Spieler wissen es auch.

Auf Schalker Seite war Jefferson Farfan an allen Toren beteiligt und wäre somit auch der Mann des Spiels gewesen, hätte da nicht das bemerkenswerte Comeback des Klaas-Jan Huntelaar stattgefunden. Der Niederländer hatte nach einer Knieverletzung am zweiten Spieltag ein halbes Jahr nicht gespielt. Gegen den HSV aber kann er immer. In sechs Spielen gegen die Hamburger hatte es zuvor zu neun Huntelaar-Toren gereicht, am Sonntag folgte im siebten Spiel das zehnte Tor, ein nicht ganz unwichtiges, nämlich das 1:0.

Und das ging so: Farfan hatte nach gut einer halben Stunde von rechts geflankt in die Mitte, wo Huntelaar einsam und allein in einem Rudel Hamburger lauerte. Die komplette HSV-Innenverteidigung in Gestalt von Jonathan Tah und Heiko Westermann hatte sich um ihn herum gruppiert, aber sie verfügten nicht über das Timing des Schalkers. Huntelaar machte das, was er eigentlich immer macht, nämlich im entscheidenden Augenblick die entscheidende Bewegung. In diesem Fall hielt er die Stirn im richtigen Augenblick in die Flugbahn des Balles. Jaroslav Drobny, der für den verletzten René Adler das Tor hütete, schaute traurig hinterher.

Kurz darauf trat Huntelaar noch einmal in Aktion, allerdings auf der anderen Seite. Nach Milan Badeljs Schuss riss er den Arm hoch und hatte Glück, dass er ein paar Zentimeter jenseits der Strafraumlinie stand. Den fälligen Freistoß zirkelte Rafael van der Vaart Richtung rechtes oberes Dreieck, aber Schalkes Torhüter Ralf Fährmann verhinderte mit einer großartigen Flugeinlage das 1:1. Es war dies das einzige Mal, dass van der Vaarts Klasse aufblitzte. Und das einzige Mal, dass der HSV ein bisschen dran war an einem Erfolgserlebnis.

Von einer Aufholjagd war in der zweiten Halbzeit nämlich nichts zu sehen, im Gegenteil. Die Hamburger wurden auf eine Art und Weise demontiert, wie sie langsam zur Gewohnheit wird in dieser Saison. Dabei war Schalke nicht mal besonders stark. Der Ball, den Felipe Santana zu Beginn der zweiten Halbzeit nach vorn drosch, lässt sich schwerlich als modernes Aufbauspiel werten. Aber Marcell Jansen ging nicht richtig zum Ball, Drobny lief halbherzig heraus und versuchte sich gegen Farfan an einer Slapstick- Kopfballabwehr, so dass Schalkes Peruaner mit dem Ball ins leere Tor laufen durfte. Und kurz darauf wirbelte Farfan wieder über den rechten Flügel, passte auf Max Meyer, der zum 3:0 vollendete.

Damit war es gut aus Sicht der Schalker, sie haben am nächsten Samstag ein schweres Spiel gegen Wolfsburg. Der HSV brachte das 0:3 brav über die Zeit und erwachte nur einmal kurz aus dem Nachwinterpausenschlaf, als Badelj den Ball aus der Distanz an den Pfosten wuchtete. Die Zuschauer ertrugen es mit bewundernswerter Langmut, aber es waren ja kaum noch welche da. Zum Schlusspfiff hatte gut die Hälfte das warme Weite gesucht.“

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