Sport : 08/15 mit 55-11

Wohin die Rad-Übersetzung führt

Rainer Guareschi

Paris. Welche Übersetzung er denn beim Prolog aufgelegt habe, wurde Rolf Aldag unter dem Eiffel-Turm von einem Reporter gefragt, der sich besonders fachkundig fand. „Siebenundvierzigelf“ diktierte Aldag dem Mann mit ernster Miene in den Block. Dann konnte der Tour-Veteran aus Westfalen sich aber das Lachen nicht verkneifen und klärte den Journalisten auf. Nein, fünfundfünfzigelf sei er gefahren, korrigierte Aldag.

Die Zahlen bezeichnen die Anzahl der Zähne auf dem großen Kettenblatt vorn am Rennrad und am kleinsten Zahnkranz hinten am Rad. Wenn die Kette vorn über 55 Zähne und hinten um nur elf läuft, dann kommt der Fahrer mit einer Pedalumdrehung etwa 12 Meter voran. Und braucht dazu gewaltig Kraft. Bei einer Prüfung wie dem Prolog wählen die Profis in etwa diese Übersetzung, weil es hier um maximale Geschwindigkeit geht.

Was Aldag jedoch zu seiner Witzelei mit dem Kollegen, der sich da so wissend gab, trieb, war die Tatsache, dass ja auch Profis schalten. Die Größe des größten Kettenblattes und der des kleinsten Zahnkranzes sind demnach Werte von begrenzter Aussagekraft. Der Fahrer hat die Option, diese größte Übersetzung zu wählen, wenn er ein Kettenblatt und einen Kranz dieser Größe wählt.

Gleichzeitig hat er bei zwei Kettenblättern vorn und neun bis zehn Kränzen hinten jedoch noch 17 bis 19 weitere Optionen.

Lance Armstrong beispielsweise bevorzugt bei einem Zeitfahren hohe Pedalumdrehungszahlen. Etwa 120-mal pro Minute dreht er die Pedalkurbel herum, zweimal pro Sekunde. Bei 55-11 würde selbst er das nicht schaffen. Trotzdem gehört er zu den besten Zeitfahrern der Welt. Aldag hingegen ist im Zeitfahren eher 08/15. Auch mit 55-11.

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