1:0 gegen Gladbach : Heimvorteil Hoffenheim

Der Dorfklub bleibt nach dem ersten Auftritt im Ausweichstadion in Mannheim und einem 1:0 über Gladbach Tabellenführer.

Oliver Trust[Mannheim]
1899 Hoffenheim - Bor. Mönchengladbach
Feier in Mannheim Die Hoffenheimer nach dem SiegFoto: dpa

Ralf Rangnick goss sich die Apfelschorle in Intervallen ein. Schlückchen für Schlückchen. Es sah aus, als hätte er ewig Zeit, dieses Getränk in sich rein zu schütten. Das war natürlich nicht so, denn er musste am späten Abend ins Sportstudio des ZDF. Dort hat er einmal die Viererkette an der Taktiktafel erklärt und man hat ihn fortan als „Professor“ gestempelt. Er hat das längst vergessen und das berühmte Ding steht längst in seinem Keller. Nach dem zweiten Sieg seiner Hoffenheimer, dem 1:0 vom Sonnabend über Borussia Mönchengladbach, hat sich Rangnick ohnehin auch den Ruf eines erfolgreichen Trainers erarbeitet. Denn sein Team ist angekommen in der Bundesliga. In jeder Hinsicht. Es wird nicht mehr darum gehen, ob sich der Dorfklub in seinem Ausweichquartier Carl-Benz-Stadion Mannheim wohl genug fühlt. „Die Sorgen sind wir schon los“, meinte Sportdirektor Jan Schindelmeiser. Gestern feierten immerhin 26 400 Zuschauer begeistert den Aufsteiger.

26 400 Zuschauer feiern den Aufsteiger

Es hatte doch ein paar Befürchtungen gegeben man könnte den Emporkömmling in der Großstadt Mannheim nicht uneingeschränkt freundlich empfangen. „Aber seit einer ganzen Weile steht im Vordergrund, dass wir einen erfrischen Angriffsfußball mit einer jungen Mannschaft spielen“, sagt Schindelmeiser. Vor dem Spiel gegen Borussia Mönchengladbach waren noch Bilder aufgehängt worden, um das Heimatgefühl zu unterstützen. Die Investition hatte sich gelohnt. Hoffenheim gewann das zweite Bundesligaspiel seiner Klubgeschichte verdient. Nur hätte sich der Tabellenführer die Sache noch leichter machen können. Man hätte nur die vielen Chancen in der zweiten Hälfte nutzen müssen oder im ersten Durchgang eine weitere verwerten müssen.

So wurde ein Mann zum Matchwinner, dem man nicht allzu viel zugetraut hatte vor der Runde. Vedad Ibisevic schoss sein drittes Saisontor und Hoffenheim ist nun allein an der Tabellenspitze. „Das hat nach zwei Spieltagen doch gar nichts zu sagen“, sagte Ralf Rangnick. „Vorletztes Jahr waren wir Vorletzter und letztes Jahr Letzter nach zwei Spieltagen.“ Er habe nun keinerlei Befürchtungen, dass jemand in seinem Team abhebe. „Die Jungs sind schlau genug.“

Wie beim 3:0 in Cottbus wird Ibisevic zum Matchwinner

Es ging am Sonnabend früh los mit Hoffenheimer Chancen und die Gladbacher konnten zunächst allerdings mithalten. Zu schludrig schloss der Gastgeber die Konter anfangs ab. Doch den ungestümen Angriffen folgten bald durchdachte Spielzüge, die Rangnick Lob entlockten. „Wichtig war, dass die Mannschaft verstanden hat, dass die Null hinten die Basis ist.“

So standen die Sieger nach 90 Spielminuten mit strahlenden Gesichtern auf dem Rasen und ließen sich feiern. Nur Ralf Rangnick wollte kein Lob mehr verteilen. Er habe viel Verbesserungspotential entdeckt. Vielleicht hatte er die vielen vergebenen Chancen gemeint. Die Gladbacher hatten Glück, kein Debakel zu erleben. „Wir haben uns besser angestellt als zuletzt, und ich glaube fest an die Wende“, sagte ihr Trainer Jos Luhukay. Zuerst einmal aber befindet man sich am Tabellenende. Es könnte eine schwere Saison für die Borussia werden.

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