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1:0-Sieg gegen Russland : Griechenland schafft die Sensation

Das hatte kaum jemand für möglich gehalten: Griechenland schlägt Russland und erreicht dank der Schützenhilfe von Tschechien gegen Polen das Viertelfinale.

Der alte Mann trifft das Tor: Griechenland Karagounis (10) erzielte das 1:0 gegen Russland.
Der alte Mann trifft das Tor: Griechenland Karagounis (10) erzielte das 1:0 gegen Russland.Foto: dapd

Griechenlands Siegschütze Giorgos Karagounis riss nach dem Triumph in Warschau die Arme in die Höhe und ließ sich von seinen Mitspielern feiern, die Russen kauerten wie ein Häufchen Elend auf dem Rasen: Durch ein 1:0 (1:0) haben die Griechen den Einzug ins Viertelfinale der Fußball-EM doch noch geschafft und den Gegner aus allen Träumen gerissen. Der Europameister von 2004 trifft als Zweiter der Vorrundengruppe A nun womöglich auf Deutschland.

"Die Freude ist immens", sagte Griechenlands Trainer Fernando Santos: "Wir sind alle stolz. Heute ist die Zeit zu feiern." Nur Trauer bleibt dagegen Russland, das völlig überraschend schon nach den Gruppenspielen die Heimreise antreten muss. Nach zwei Jahren ist die Ära von Trainer Dick Advocaat abrupt beendet. "Ich weiß nicht, warum es nicht richtig funktioniert hat. Wenn jemand sagt, wir hätten nicht gut gespielt, kann ich das nicht verstehen", sagte Advocaat trotzig: "Wir haben gut gespielt, wir haben angegriffen und uns viele Chancen erspielt. Die haben wir leider vergeben."

Der griechische Kapitän Karagounis stellte die Begegnung Sekunden vor dem Pausenpfiff mit seinem Tor in der zweiten Minute der Nachspielzeit auf den Kopf. Für den 35-Jährigen war es ohnehin schon ein besonderes Spiel. Mit seinem 120. Länderspiel zog Karagounis als Rekordnationalspieler mit Theodoros Zagorakis gleich. Beide waren schon beim EM-Triumph 2004 mit dabei. Im Viertelfinale wird Karagounis wegen seiner zweiten Gelben Karte aber gesperrt fehlen.

Dessen ungeachtet war Karagounis voller Freude. "Dies ist eine magische Nacht", rief er, und es kümmerte ihn auch nur wenig, dass die Leistung seiner Mannschaft über weite Strecken abermals nur bescheiden gewesen war: "Wir haben uns unser Glück verdient." Es schien sogar, als gefielen sich die Griechen in der Rolle des ungeliebten Außenseiters. "Wir mögen diese Situation, wenn alle auf uns herumhacken", sagte Griechenlands überglücklicher Torwart Michalis Sifakis: "Daran wachsen wir."

Vor 55.614 Zuschauern im Nationalstadion von Warschau begannen die Griechen forsch und stemmten sich gegen das drohende Aus. Einen Schuss von Kostas Katsouranis nach einer Ecke von Karagounis lenkte Russlands Torhüter Wjatscheslaw Malafejew in der sechsten Minute so eben über die Latte.

Nach zehn Minuten übernahmen die Russen aber die Kontrolle. Für Torgefahr sorgten sie vor allem nach schnellen Kombinationen. Griechenlands Schlussmann Michalis Sifakis, der für den verletzten Kostas Chalkias zwischen die Pfosten gerückt war, rettete gegen Andrej Arschawin (10.). Drei Minuten später verfehlte Alexander Kerschakow mit einem wuchtigen Schuss aus 18 Metern ebenso knapp das Tor wie Juri Schirkow fünf Minuten vor dem Seitenwechsel.

Griechenlands Trainer Fernando Santos gab an der Seitenlinie immer wieder lautstark Anweisungen und beorderte seine Spieler nach vorne. Vor allem Karagounis hatte offenbar auf seinen Chef gehört. Einen Patzer von Sergej Ignaschewitsch nutzte der Haudegen mit einem Flachschuss zur 1:0-Führung aus.

Bei den Russen ersetzte Denis Gluschakow im linken Mittelfeld kurzfristig den erkrankten Konstantin Sirjanow. Bei den Griechen hatte Santos gegenüber dem 1:2 gegen Tschechien vier Änderungen vorgenommen. Neben Sifakis rückten die früheren Frankfurter Theofanis Gekas und Giorgos Tzavellas ebenso in die Startelf wie der Bremer Sokratis, der nach abgelaufener Gelb-Rot-Sperre eine Bundesliga-Innenverteidigung mit dem Schalker Kyriakos Papadopoulos bildete.

Auch nach dem Seitenwechsel hatten die Russen gute Möglichkeiten. Roman Schirokow (51.) und Igor Denisow (57.) vergaben weitere Großchancen. Die beste aber hatte Tzavellas, sein direkt ausgeführter Freistoß klatschte in der 70. Minute gegen die Latte des russischen Tores. (dapd)

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