Sport : 1:0-Sieg im Tennis

Nach Williams’ Aufgabe ist Petkovic weiter

Petra Philippsen[Melbourne]

Ein Schrei hallte durch die Rod-Laver-Arena, dann war das Match beim Stand von 1:0 zu Ende. Zu diesem Zeitpunkt waren gerade sieben Punkte und vier Minuten gespielt. Andrea Petkovic hatte aufgeschlagen – und beim Return krümmte sich Venus Williams vor Schmerzen. Es war abzusehen gewesen, dass diese Drittrundenpartie bei den Australian Open vielleicht früher beendet werden würde als mit dem Matchball. Denn in der Runde zuvor hatte sich die siebenmalige Grand-Slam-Siegerin den rechten Hüftbeuger gezerrt. Dass sie sich da noch zum Erfolg geschleppt hatte, ließ zweifeln, ob sie überhaupt zur Partie gegen Petkovic antreten würde. „Ich habe noch nie ein Grand-Slam-Match aufgegeben“, sagte Williams. Sie habe es auch diesmal vermeiden wollen – „aber ich konnte mich nicht bewegen, es war zu schmerzhaft“.

Der enorme Wille der Williams-Schwestern ist bekannt. Und es sollte der älteren von beiden zugute gehalten werden, dass sie es zumindest versuchen wollte. Doch die 15 000 Zuschauer, die sich am Freitag auf einen unterhaltsamen Tennisabend gefreut hatten, bekamen doch eher den Eindruck, sie wolle im Grunde nur noch kurz das nächste Kleid ihrer neuen Kollektion präsentieren. Denn schon bei den ersten Schritten auf dem Platz war klar, dass es eigentlich keinen Sinn für sie machte anzutreten. Williams konnte sich in den Ballwechseln nicht richtig bewegen, verlor daher sofort ihr erstes und einziges Aufschlagspiel. Petkovic musste gar nicht mehr tun, als die Bälle konzentriert ins Feld zu spielen. Dass sie durch die Aufgabe ihrer Gegnerin ins Achtelfinale der Australian Open einzog, war Petkovic gar nicht recht. „Es ist sehr schade, ich hatte mich so gut gefühlt und wollte mich unbedingt mit ihr messen“, sagte sie, „ich hatte so viel Vertrauen in mich, dass ich gewinne.“

Petkovic ist nun die letzte von 19 gestarteten Deutschen. Das war sie bereits bei den US Open 2010, wo die 23 Jahre alte Darmstädterin den bisher größten Erfolg mit dem Einzug unter die letzten 16 feierte. Auch dort musste sie zu ihrem dritten Match gegen die Chinesin Peng Shuai nicht antreten. Die Pause hatte sie damals aber aus dem Rhythmus gebracht, sie habe da zu viel Zeit gehabt, um die Gedanken herumwandern zu lassen, sagte sie.

Diesmal muss sie am Sonntag gegen die ehemalige Weltranglistenerste Maria Scharapowa antreten. Julia Görges war der Russin 6:4, 4:6 und 4:6 unterlegen, hatte aber eine mutige Vorstellung geboten. Petkovic sagte augenzwinkernd: „Eigentlich bin ich sauer auf Julia, nach diesem unglaublichen Kampf ist Scharapowa jetzt so richtig im Turnier.“

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