1:1 beim HSV : Hertha bleibt dran

Hertha BSC spielte 1:1 beim heimstarken Hamburger SV. Das Tor der Berliner schoss Gojko Kacar. „Ich bleibe dabei, ich will Meister werden“, sagte Josip Simunic nach dem Spiel.

Sven Goldmann[Hamburg]
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Herthas Dardai im verbissenen Zweikampf mit Hamburgs Guerrero. -Foto: dpa

Das große Spiel geht in seine finale Phase, und Hertha BSC mischt immer noch mit. Ein spektakuläres Tor von Gojko Kacar hat den Berlinern am 30. Spieltag der Fußball-Bundesliga ein 1:1 (0:1) beim heimstarken Hamburger SV beschert. Mit diesem Prestigeerfolg schob Hertha sich auf Platz drei, vier Punkte hinter Spitzenreiter Wolfsburg, aber der FC Bayern als Zweiter ist nur einen Punkt weit weg. „Ich bleibe dabei, ich will Meister werden“, sagte Verteidiger Josip Simunic. Das große Spiel geht weiter, zunächst am kommenden Samstag daheim gegen den VfL Bochum. Es wird dann Torschütze Kacar fehlen, der nach seiner fünften Gelben Karte gesperrt ist. Dafür ist  Andrej Woronin nach seiner Rotsperre wieder dabei.

Vor 57 000 Zuschauern im Hamburger Nieselregen spielten die Berliner unaufgeregt und souverän ihr Spiel, auch wenn dieses denkbar schlecht für sie begonnen hatte. Mit einem Gegentor nach gerade acht Minuten, das alle taktischen Überlegungen zunichte machte, den Hamburgern erst einmal Gelegenheit zum Austoben zu geben. Es war ein Tor im Stil von Hertha BSC. Schnell, stringent, quasi aus dem Nichts. Noch in der eigenen Hälfte zog Ivica Olic auf dem linken Flügel seinen Spurt an. In Höhe des Strafraums stellte Steve von Bergen den Kroaten zum Duell. Olic täuschte links, rechts, links, dann strauchelte von Bergen und sah hilflos mit an, wie die Flanke in den Strafraum segelte, direkt auf Marcell Jansen, der volley mit dem linken Fuß ins rechte Eck traf. Ausgerechnet Jansen, dessen Einsatz wegen einer Rippenprellung lange infrage gestanden hatte.

Es war dies ein Auftakt, der dem vom Uefa-Cup-Spiel am Donnerstag in Bremen geschwächten HSV die nötige Luft und die nötige Lust zum munteren Stürmen verschaffte. „Wir haben schlecht angefangen und erst nach dem Hamburger Tor ins Spiel gefunden“, sagte Simunic. Früh schon stand Herthas Trainer Lucien Favre wild gestikulierend an der Seitenlinie. Vergebens, der HSV prägte die Anfangsphase und hätte mit ein wenig Glück auf 2:0 erhöhen können. Wieder ging es über die linke Seite, Piotr Trochowski wollte wohl flanken und gab dem Ball so viel Effet, dass er sich über den überraschten Jaroslav Drobny senkte und von der Torlatte zurück ins Spielfeld klatschte.

Nach diesem Signal rappelte sich Hertha auf zu der Art von Fußball, für den die Mannschaft in dieser Saison steht. Das sah zuweilen ganz gut aus, mit wenigen Ballkontakten und intelligenter Raumaufteilung. „Da hat die Mannschaft sehr gut reagiert“, lobte Favre. Der HSV zog sich zurück, und die Berliner kamen zu ersten Chancen. Einmal war Marko Pantelic bei einem Konter zu eigensinnig, ein anderes Mal Raffael, als ihm Michael Gravgaard den Ball unfreiwillig auf den Fuß gelegt hatte. Raffael lief allein auf das Tor zu und schoss aus spitzem Winkel vorbei, Pantelic in der Mitte ignorierend. Die größte Chance vergab Cicero, dessen Kopfball von Frank Rost zur Ecke gelenkt wurde.

Der HSV wirkte müde, fing sich aber zu Beginn der zweiten Hälfte wieder und bestimmte abermals das Geschehen. Die Berliner hatten im eigenen Strafraum ein paar heikle Situationen zu überstehen, ehe sie wieder Tempo und Rhythmus fanden. Nach Rosts Attacke gegen Kacar hätte mancher Schiedsrichter auf Elfmeter entschieden, aber Thorsten Kinhöfer ließ weiterspielen, wie auch ein paar Minuten später im Berliner Strafraum, als Pal Dardai den Ball mit der Schulter – oder dem Oberarm? – abwehrte.
Dann kam, exakt 25 Minuten vor Schluss, der große Augenblick des Gojko Kacar. Drobnys Abschlag flog bis an den Hamburger Strafraum, Pantelic ließ ihn von der Brust abtropfen, direkt zu seinem serbischen Landsmann. Kacar stoppte den Ball mit dem rechten Oberschenkel und jagte ihn mit dem nächsten Kontakt aus 25 Metern ins Netz. Ein Traumtor zum keineswegs unverdienten Ausgleich, wie auch Martin Jol zugab. „Hertha spielt sehr sachlich und macht die Tore im richtigen Augenblick“, sagte Hamburgs Trainer. „Das ist eine sehr gute Mannschaft.“

Der HSV versuchte noch einmal zuzulegen, aber es fehlte die Kraft. Kurz vor Schluss hatte Joris Mathijsen trotzdem das 2:1 auf dem Kopf, doch Drobny klärte mit spektakulärem Reflex. Hertha hütete sich, allzu offensiv auf Sieg zu spielen. Ein Punkt in Hamburg war den Berlinern genug. Was er wert ist, werden die kommenden Wochen zeigen. Noch 19 Tage bis zum Saisonfinale in Karlsruhe. Das große Spiel geht weiter.

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