1:1 beim HSV : Werders 15-Millionen-Tor

Werder Bremen sichert sich durch ein 1:1 im Derby gegen den alten Rivalen Hamburger SV den Platz in der Qualifikation für die Champions League.

von
Richtung Champions League? Erst einmal Richtung WM: Werders Tim Wiese.
Richtung Champions League? Erst einmal Richtung WM: Werders Tim Wiese.Foto: ddp

Dass der Fußballtorwart, Familienvater und Modellhubschrauberliebhaber Tim Wiese über vielerlei Talente verfügt, war bislang bekannt. Neu ist jedoch, dass der kapriziöse Keeper, der seine Karriere als Stürmer des DJK Dürscheid begann, auch als formidabler Kletterer und Zauntänzer durchgeht. Den Beleg erbrachte der 28-Jährige nach dem 1:1 (0:0) im Nordderby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV, als auf der Baustelle Weserstadion zumindest im Bereich der Ostkurve, dem Hort der grün-weißer Gesinnungsgenossen, allerbeste Stimmung herrschte. Werders Anhänger wollten die Mannschaft für Platz drei und das Erreichen der Champions-League-Qualifikation zunächst nur im engen Beisein ihrer Nummer eins feiern. „Wiese auf den Zaun“, verlangte das Fanvolk lautstark und tatsächlich leistete der muskulöse Mann im gelben Sweater der Aufforderung rasch Folge.

Nur anders als am 10. Mai vergangenen Jahres, als Wiese an selber Stelle per Megafon ein später vom Verband bestraftes „Scheiß HSV“ skandiert hatte, beließ es der Nationaltorhüter diesmal bei harmlosen Feierlauten. Dafür schlug der Tormann, der speziell gegen Ruud van Nistelrooy überragende Aktionen hatte und viel Sicherheit ausstrahlte, hinterher in der Mixed Zone forsche Töne an, von denen zweifelhaft ist, ob sie ihm im Kampf um den Platz im deutschen WM-Tor helfen. „Ich gebe jede Woche meine Visitenkarte ab“, sagte Wiese, „aber scheinbar habe ich in diesem Land keine Lobby. Ich werde so lange kämpfen, bis mir das Blut aus den Ohren tropft.“

Allerdings hielt sein Konkurrent Manuel Neuer bei Schalkes 0:0 in Mainz einen Elfmeter und rettete mit einer glänzenden Leistung einen Punkt. Werders Sportchef Klaus Allofs kommentierte den Torwart-Dreikampf unaufgeregt: „Die Fakten sprechen für Tim Wiese. Deutschland müsste keine Angst haben, wenn er beim ersten WM-Spiel unser Tor hütet.“ Im Grunde sprach der Werder-Boss über das Thema der Woche nur ungern: Zu groß war die Genugtuung, das teilweise in weite Ferne gelangte Saisonziel – Leverkusen lag mal 16 Punkte vor Werder – noch erreicht zu haben. „Das ist eine sensationelle Leistung: Die Champions League ist die wirtschaftliche Basis, um diese Mannschaft auch zu finanzieren“, stellte Allofs fest. Gelingt die Qualifikation für die Königsklasse, haben die Bremer mindestens 15 Millionen Euro sicher.

Die von Philipp Bargfrede und Torsten Frings unermüdlich angetriebenen Hausherren brachte erst Claudio Pizarro mit seinem 133. Bundesligator in Führung, die Ruud van Nistelrooy nicht unverdient mit einem strammen Schuss egalisierte. Trainer Thomas Schaaf sprach dem Team hinterher artig „ein großes Kompliment“ aus und richtete sodann bereits den Blick auf Samstag – im DFB-Pokalfinale in Berlin gegen den FC Bayern, „gegen die beste Mannschaft Europas“ (Schaaf), will Werder noch ein Ausrufezeichen setzen, „da wollen wir diese super Saison krönen“.

Und der HSV? Verkaufte sich zwar besser als bei der Derby-Endlosschleife im vergangenen Jahr, als alle drei Titelchancen verlustig gingen, doch unter dem Strich verpassten die Hamburger nach sechs Jahren wieder den internationalen Wettbewerb, und für den Verein blieb nur Ernüchterung. Torwart Frank Rost sagte: „Wir haben viele Baustellen. So kann es hier nicht weitergehen.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar