1:1 gegen Schalke : Hoffenheim ist halber Meister

Trotz schwacher Leistung beim 1:1 gegen Schalke geht Hoffenheim als Tabellenerster in die Winterpause. Der Aufsteiger verlor kein Heimspiel. Schalke beendete das Spiel zu neunt.

Oliver Trust[Mannheim]
TSG 1899 Hoffenheim - FC Schalke 04
Völlig lösgelöst. Mit dem 1:1 durch Selim Teber (r.) sichert sich Hoffenheim die Herbstmeisterschaft.Foto: ddp

Nun sind sie es doch: Herbstmeister der Fußball-Bundesliga. Dabei belustigte sich Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick noch vor ein paar Tagen fast über diese Bezeichnung. „Herbstmeister im Dezember? Das sagt doch alles.“ Trotz der hartnäckigen Weigerung den inoffiziellen Titel auch nur ein bisschen schön zu finden, darf der TSG Hoffenheim nach dem 1:1 (0:1)- Sieg über den FC Schalke 04 gratuliert werden. Viel mehr als dieser wertlose Titel ist es die Heimbilanz des Aufsteigers, die bemerkenswert ausfällt – wie auch der Rest der ersten Vorrunde der Vereinsgeschichte in der Bundesliga.

Jones sah Rot, Engelaar Gelb-Rot

Kein Heimspiel verloren, nur zwei Unentschieden – das kann sich sehen lassen. Ein Spiel mit dem sonstigen Niveau boten die Hoffenheimer diesmal jedoch nicht. Die 26.900 Zuschauer im Mannheimer Stadion sahen eine eher bedächtige Partie mit viel Krampf. Aufgeschreckt wurden sie erst in der zweiten Hälfte, als es auf dem Spielfeld zu tumultartigen Szenen kam: Der unsichere Schiedsrichter Peter Gagelmann hatte Jermaine Jones, der schon gelb-belastet war, erst Gelb-Rot gezeigte, obwohl der den Ball gespielt hatte und kein Foul beging. Jones schimpfte darüber offenbar zu intensiv, woraufhin Gagelmann nun die Rote Karte zog. Der Schiedsrichter hatte es bei teilweise hitzig geführten Zweikämpfen nicht  einfach. In der 80. Minute musste auch noch Orlando Engelaar mit Gelb-Rot vom Platz. Die Assistenten Yuri Mulder und Mike Büskens  wurden zudem auf die Tribüne geschickt. „Das war ein versöhnlicher Abschluss für uns, obwohl wir hier leicht benachteiligt wurden. Wir waren nicht so clever bei den Roten Karten“, sagte Gerald Asamoah. Und sein Trainer Fred Rutten fügte hinzu: „Leider ist es nur ein Punkt geworden, wir hätten hier auch siegen können.“ Ruttens Gegenüber kam zu einer ähnlichen Einschätzung. „Wir haben uns über die Emotion ins Spiel zurück gebracht. Wir hätten gerne gewonnen, aber wir müssen mit einem Punkt zufrieden sein. Es lief heute nicht so richtig“, sagte Rangnick, während seine Spieler minutenlang vor ihren Fans tanzten und ein Transparent zeigten, auf dem stand: „Danke Mannheim.“

Es fehlte an Mut, Risiko und Leichtigkeit

Am Ende gab es auf beiden Seiten wenig Grund für ausgedehnte Gratulationsbekundungen, denn schöne und unterhaltsame Spiele sehen anders aus. In der ersten Hälfte hatte Hoffenheim sogar Glück. Schalke hielt mit und war oftmals die Mannschaft mit mehr Präsenz auf dem Platz. Das zeigte sich schon in der zweiten Minute, als Gerald Asamoah am Ball vorbei trat – vier Meter vor dem Hoffenheimer Tor.  Ohne Eduardo, der wegen einer Grippeerkrankung fehlte, und Luiz Gustavo, der zunächst draußen saß, fehlte der Spielfluss, den der Aufsteiger sonst zeigt. Hoffenheim agierte teilweise zu schlampig, um Schalke in Bedrängnis zu bringen. Viele Fehlpässe hemmten das Spiel. Es fehlte an Mut, Risiko und Leichtigkeit, auch, weil Schalke – die abwehrstärkste Mannschaft der Liga – viele Zweikämpfe gewann.

Erster Rückstand in einem Heimspiel

Halil Altintop und Asamoah kamen zu weiteren guten Möglichkeiten. Erst in der 18. Minute hatte dann auch Hoffenheim seine erste Chance: Manuel Neuer konnte den raffinierten Freistoß von Sejad Salihovic zur Ecke abwehren. Die zweite hatte Demba Ba zwanzig Minuten später. Die Führung aber erzielten die Schalker, die ohne den verletzten Stürmer Kevin Kuranyi antreten mussten. Altintops feines Zuspiel erreichte Asamoah, der zentral im Strafraum aus zehn Metern flach ins Eck abschloss. Es war der erste Rückstand für den Aufsteiger in einem Heimspiel überhaupt.

Das rang am Ende auch dem Hoffenheimer Mäzen Respekt ab. „Ich bin mehr als glücklich und stolz“, sagte Dietmar Hopp und leistete sich einen kleinen Seitenhieb auf den Zweiten und Verfolger Bayern München. „Ich bin heilfroh, dass wir diesen Punkt gemacht haben. Wir sind zwar punktgleich, aber wir stehen vor Bayern“, sagte Hopp. „Wir sind nicht mehr der Dorfverein, wir sind der Verein der Metropolregion Rhein-Neckar.“

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