1:1 gegen Schalke : HSV verteidigt Tabellenführung

Der Hamburger SV verpasst in der ersten Halbzeit gegen überforderte Schalker eine höhere Führung herauszuschießen - und wird nach der Pause prompt bestraft. Das Spiel endet 1:1. Kevin Kuranyi enttäuscht komplett.

Britta Körber
Schalkes Rafinha und Jonathan Pitroipa
Abgeschirmt. Schalkes Rafinha und Jonathan Pitroipa.Foto: dpa

HamburgDie Norddeutschen versäumten es im Spitzenspiel am Sonntag durch fahrlässige Chancenauswertung, die Verfolger auf Distanz zu halten. Mit 17 Punkten liegt der HSV nur noch einen Zähler vor dem nächsten Gegner 1899 Hoffenheim (16) und zwei vor Bayer Leverkusen. "Es wäre natürlich besser, wenn wir drei Punkte geholt hätten. Mit ein bisschen Glück hätten wir gewinnen können, aber ich kann mit dem Remis leben", bilanzierte HSV-Coach Martin Jol.

Vier Tage nach seinem 1:0-Siegtreffer im WM-Qualifikationsspiel gegen Wales schoss Piotr Trochowski (29. Minute) die in der ersten Halbzeit dominierenden Hanseaten in Führung. Dem eingewechselten U-21-Nationalspieler Benedikt Höwedes gelang der Ausgleich (48.). "Wir hätten früher 2:0 führen müssen und haben in der zweiten Halbzeit zu wenig gemacht und einige dumme Fehler begangen", sagte Trochowski.

Höhnische Sprechchöre der Fans

Völlig neben sich stand der aus der DFB-Elf ausgebootete Kevin Kuranyi. Der Stürmer trabte scheinbar teilnahmslos über den Platz, hatte kaum Ballkontakte und wurde von den HSV-Fans mit "Nie mehr Nationalelf"-Sprechchören verhöhnt. Nach einer guten Stunde hatte Trainer Fred Rutten ein Einsehen und nahm den Angreifer begleitet von einem Pfeifkonzert vom Platz. Einen Torschuss und 23 Prozent gewonnene Zweikämpfe hatten die Statistiker notiert - der erhoffte Befreiungsschlag für das Schalker "Sorgenkind" blieb aus. "Das war heute ein bisschen wenig von ihm", sagte Manager Andreas Müller. "Aber ich denke, dass es bei ihm step by step wieder nach oben geht." Die mitgereisten Anhänger immerhin unterstützten Kuranyi lautstark.

Allerdings machte der HSV den Schalkern zumindest in der ersten Hälfte das Leben recht schwer. Auch ohne Torjäger Mladen Petric, der sich nach der Länderspielreise mit Kroatien einen Magen-Darm-Infekt zugezogen hatte und zunächst nur auf der Bank saß, stürmte sein Team von Beginn an zielstrebig in Richtung Schalker Tor. Die frühe Überlegenheit der Gastgeber spiegelte sich in den Chancen durch Trochowski (Freistoß/4.), Ivica Olic per Kopf (5.), Jonathan Pitroipa (9.) aus der Distanz und Paolo Guerrero (16.) mit einem Volleyschuss wider. Doch entweder verfehlten die HSV-Schützen ihr Ziel oder Schalkes starker Schlussmann Manuel Neuer war zur Stelle.

Trochowski mit Klose-Salto

Nach einer knappen halben Stunde wurden die Hanseaten für ihr Offensiv-Feuerwerk belohnt. Nach einem schweren Patzer von Schalkes Orlando Engelaar bediente David Jarolim den starken Trochowski, der bei seinem Schuss mit rechts Neuer keine Abwehrchance ließ. Dem verdienten Führungstreffer ließ der 24-Jährige einen ebenso sehenswerten Salto à la Miroslav Klose folgen - sicher in den Stand.

Waren die Hamburger in den ersten 45 Minuten das klar dominierende Team, änderte sich das Bild nach der Pause. Die Schalker legten ihre Lethargie ab und einen Gang zu. Drei Minuten nach Wiederanpfiff war Höwedes zur Stelle und köpfte einen Freistoß von Jefferson Farfan unhaltbar für HSV-Torwart Frank Rost ins Netz. Unter der Woche hatte der Schalker bereits den 1:0-Siegtreffer der U-21-Junioren im EM-Qualifikationsspiel gegen Frankreich erzielt. Auf der anderen Seite hatte der eingewechselte Petric die große Chance zum Siegtor, traf aber nach 64 Minuten nur den Pfosten. Die Überlegenheit der ersten Hälfte war dahin, und auch die Partie hatte nicht mehr die Klasse wie in den temporeichen und gutklassigen ersten zwanzig Minuten. Zwei Minuten vor dem Ende scheiterte Trochowski aus der Distanz an Neuer. (dpa)

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