1:2 bei Außenseiter Worms : Hertha BSC blamiert sich auch im Pokal

Hertha BSC verlor am Sonntag gegen den Regionalligisten Wormatia Worms. Damit ist der DFB-Pokal für die Berliner bereits in der ersten Runde Geschichte.

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Da mochte am Ende nicht einmal mehr Herthas Keeper hinschauen.
Da mochte am Ende nicht einmal mehr Herthas Keeper hinschauen.Foto: dpa

Es hätte nett gemeint sein können. In der unerträglichen Hitze von Worms warfen die mitgereisten Fans den durchgeschwitzten Spielern Getränkebehälter zu. Doch mit den leeren Bierbechern wollten sie ihre Wut ausdrücken, denn Hertha BSC war gerade peinlichst aus dem Pokal geflogen. 1:2 (0:1) verlor der Zweitligist beim Viertligisten Wormatia Worms und ist wieder einmal in der ersten Runde des DFB-Pokals gescheitert. „Ihr seid so lächerlich“, riefen die Hertha-Fans im Chor den Spielern zu, die später schweigend im Bus verschwanden.

Die Sieger tanzten und feierten nebenan, der Wormser Kevin Knödler brüllte vor der Tribüne derart laut, dass er kein Megaphon brauchte, um mit den Fans Jubelgesänge anzustimmen. Danach, leiser: „Ich werde nur einen Teil der Feierei mitmachen“, sagte der Torwart im Nebenberuf, der sein Geld mit Mitarbeiterschulungen bei einem Softwareunternehmen verdient. „Morgen früh um acht muss ich auf der Arbeit sein.“

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So schnell wird der Alltag aus Regionalliga und Berufsleben die Wormser Amateure nicht einholen. Anders die Profis aus Berlin. Die haben mit dem sieglosen Ligastart und dem Pokalaus das, was im Fußballwörterbuch wahlweise unter „F“ wie Fehlstart oder „K“ wie Krise zu finden ist. Die Mannschaft hatte trotz des jüngsten Trainertobens wieder enttäuscht.

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Herthas Blamage gegen Worms
Berlins Elias Kachunga bekommt den Kopf gewaschen - allerdings nicht für die miserable Leistung seiner Mannschaft, sondern wegen der Temperaturen von über 30 Grad, die die Spieler an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit brachten.Alle Bilder anzeigen
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19.08.2012 17:14Berlins Elias Kachunga bekommt den Kopf gewaschen - allerdings nicht für die miserable Leistung seiner Mannschaft, sondern wegen...

Doch Jos Luhukay hatte scheinbar ein anderes Spiel gesehen. „Doch, da war ein Klassenunterschied zu erkennen“, widersprach Luhukay Nachfragen. „Wir haben 88 Minuten in deren Hälfte gespielt, nur die Tore nicht gemacht.“ Statt wie zuletzt auf die Spieler zu schimpfen, richtete sich seine Wut gegen die Fragesteller. „Sie wollen wieder eine emotionale Wutrede von mir, aber ich bin einfach nur enttäuscht und werde Ihnen keine kritischen Äußerungen liefern.“ Als er nach der resignierten Körpersprache seiner Spieler gefragt wurde, pustete Luhukay bockig ins Mikrofon. „Das ist meine Antwort.“

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Niederlagen, die richtig weh tun
Vor 40.000 Zuschauern verließen die Spieler von Tennis Borussia Berlin am 28.10.1998 nach einem 4:2-Sieg im Achtelfinale den Rasen des Olympiastadions.Weitere Bilder anzeigen
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Vor dem Spiel hatte er sich noch an der Mannschaft ausgelassen. Sechs neue Spieler wurden in die erste Formation gewechselt. Und die schwitzten schon vor Anpfiff unter der sengenden Sonne bei über 35 Grad. Die Temperaturen in Worms waren wie ein Vorgeschmack auf die Weltmeisterschaft 2022 in Katar. Am Spielfeldrand standen zwei rote Wassereimer, an denen sich die Spieler erfrischen konnten. Über den Spielerbänken waren Sonnenschirme aufgespannt, aber Jos Luhukay saß am Rand in der prallen Sonne und dürfte nicht nur deshalb innerlich gekocht haben. Schon nach zwei Minuten holte der neue Torwart Philip Sprint stellvertretend für seine sonnenträge Abwehr einen Wormser Spieler von den Beinen. Immerhin gab es zum Elfmeter nur die Gelbe Karte als Zugabe. Tim Bauer traf zum 1:0.

„Bei den Berlinern hingen danach die Köpfe“, bemerkte ein Wormser Spieler nach dem Spiel richtig. Nach zwei Minuten. Gegen einen Viertligisten. Der zog sich nach der Führung zurück und ließ die Gäste gewähren. Doch bei den Berlinern mangelte es an Bewegung und Geschwindigkeit, was sich nur bis zu einem gewissen Grad durch Hitze erklären ließ. Ronny versuchte sich als Dirigent im Mittelfeld, aber selten war da ein Mittelfeld, das er hätte dirigieren können. Der Ball flog meist lang zu Sandro Wagner, aber eine solche Spielweise kennt Worms nur zu gut. Aus der Regionalliga.

In der ersten von zwei offiziellen Trinkpausen nutzte Luhukay die Gelegenheit, auf sein Abwehr- und Sturmduo einzureden. Besserung brachte es nicht. Die Berliner hatten in der ersten Halbzeit einige Torschüsse, aber nur eine richtige Chance. Sandro Wagner schoss Torwart Knödler aus wenigen Metern an. Die Wormser schalteten überraschend schnell auf Offensive um, wenn sie den Ball hatten, aber zu Torschüssen kamen sie kaum.

Nach der Pause besserte sich die Lage für die Berliner zunächst: Schatten fiel auf die Spielerbänke. Luhukay stand aber in der Sonne, um seine Mannschaft nach vorne zu treiben. Nach einer Stunde köpfte Adrian Ramos an die Latte und brachte den Ball im Nachschuss aus einem Meter nicht über die Linie. Wagner macht es bei der folgenden Ecke besser: Mit der Brust bugsierte er den Ball ins Tor. Es war mehr Hitze- als Pokalschlacht, aber nun kam Spannung auf.

Hertha drängte auf den Sieg, aber Wormatia konterte weiter. Als der Ball acht Minuten vor Schluss über die rechte Seite in die Mitte geflankt kam, drückte Romas Dressler ihn vor der tranigen Hertha-Abwehr ins Tor. Er lief die Fäuste ballend Richtung Bank und Tribüne; um zu feiern, wollte man meinen, aber er holte sich eine Flasche Wasser. Wormatia Worms wollte nun alles: Ein Einwechselspieler goss sich den ganzen Eimer über den Kopf. Das reichte. Für die Berliner aber gab es nach Abpfiff nur leere Becher.

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