1:2 bei TSG Hoffenheim : Hertha BSC bleibt trotz Niederlage in der Bundesliga

Die Konkurrenz spielt so, wie Hertha BSC es braucht. Die Berliner verlieren 1:2 bei der TSG Hoffenheim und sind trotzdem auch in der nächsten Saison erstklassig.

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Im Spiel nichts zu jubeln, aber hinterher. Valentin Stocker freut sich über den Klassenerhalt.
Im Spiel nichts zu jubeln, aber hinterher. Valentin Stocker freut sich über den Klassenerhalt.Foto: dpa

Rainer Widmayer spurtete die Seitenlinie entlang, als wollte der Co-Trainer von Hertha BSC seinen alten Arbeitsplatz auf der Hoffenheimer Trainerbank wieder einnehmen. Auch sonst herrschte in der Coaching-Zone des Berliner Fußball-Bundesligisten helle Aufregung. Alles stürzte durcheinander. Es war Punkt fünf, als die Delegation aus Berlin in der Sinsheimer Arena in Feierstimmung verfiel: Der gerade eingewechselte Roy Beerens hatte das 1:1 für Hertha erzielt. Damit waren die Zweifel am Verbleib in der Bundesliga so gut wie ausgeräumt, obwohl noch fast 20 Minuten zu spielen waren. Am Ende verlor Hertha zwar noch 1:2 (0:1), doch die knappe Niederlage gegen die TSG Hoffenheim konnte die Freude der Berliner nicht trüben. Sie dürfen ein weiteres Jahr in der Bundesliga spielen. „Es war nicht schön, aber wir haben es geschafft“, sagte Trainer Pal Dardai. „Es war überhaupt nicht einfach.“

Pal Dardai hat seinen Auftrag erledigt. Der Ungar, Anfang Februar vom Jugend- zum Cheftrainer befördert, hat Hertha von Platz 17 über den Strich geführt – nachdem es zum Ende noch einmal eng geworden war. Richtig ausgelassen wollte von den Spielern niemand vor der Kurve feiern. Letztlich bleibt den Berlinern nur dank der um neun Treffer besseren Tordifferenz im Vergleich zum am Sonnabend gegen Schalke siegreichen Hamburger SV die Relegation erspart. In den letzten sieben Begegnungen verspielten sie sieben Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone und stürzten von Platz 11 noch auf Platz 15. „Wir haben alles gut hingekriegt“, sagte Pal Dardai. „Aber die Endphase hat mir nicht gefallen. Das ist eine Charakterfrage.“

In Sinsheim schöpfte Dardai seinen rechtlichen Rahmen von Beginn an bis zum Äußersten aus. Herthas Trainer stand in der Ecke seiner Coaching-Zone, gerade mal einen Schritt von der Seitenlinie entfernt. Er suchte permanent die Nähe zu seinen Spielern. Offensichtlich hatte er das Gefühl, dass ihnen gegen die TSG Hoffenheim ein bisschen Beistand nicht schaden könnte.

Hertha BSC verschanzte sich nicht nur vor dem eigenen Tor

Die Berliner hatten engagiert begonnen. Nach nicht einmal 50 Sekunden provozierten sie die erste Gelbe Karte für Tobias Strobl. Hoffenheims Innenverteidiger hatte Herthas Valentin Stocker auf dem Weg Richtung Tor zu Fall gebracht; den folgenden Freistoß setzte Marvin Plattenhardt knapp am Tor vorbei. Die Berliner schienen es nicht darauf anzulegen zu wollen, sich nur vor dem eigenen Tor zu verschanzen.

Hertha, mit Innenverteidiger John Heitinga für den Gelbgesperrten John Anthony Brooks in der Anfangsformation, attackierte entschlossen, um die TSG möglichst weit von der gefährlichen Zone weg zu halten. Das funktionierte in der ersten Halbzeit auch recht ordentlich – mit einer Ausnahme. Auf der Anzeigetafel in der Sinsheimer Arena waren gerade die Führungstreffer von Paderborn und Hannover verkündet worden, da verschaffte sich Hoffenheims Firmino mit einem Beinschuss im Mittelfeld den entscheidenden Vorteil; seine Flanke nahm Anthony Modeste formvollendet aus der Luft an, er ließ Peter Pekarik aussteigen, den zur Hilfe herbeigeeilten Sebastian Langkamp ins Leere grätschen und erzielte mit einem Flachschuss das 1:0 für die Hoffenheimer.

Es war der zweite Höhepunkt für die Anhänger der TSG. Den ersten hatte es kurz vor dem Anpfiff gegeben, als der Stadionsprecher die Nachricht verkündet hatte, dass Nationalspieler Kevin Volland seinen Vertrag in Hoffenheim bis 2019 verlängert hat. Erkennbar beflügelt schien Volland davon nicht zu sein. In der ersten Hälfte konnte er sich kaum einmal in Szene setzen. Überhaupt ließ Hertha vor der Pause wenig zu, obwohl die Hoffenheimer den Ball zu zwei Dritteln in Besitz hatten.

Hertha wirkte gefährlicher als Hoffenheim

Die Gäste wirkten im Gegenteil in ihren Aktionen sogar etwas gefährlicher. Salomon Kalou setzte eine Kopfball nach Flanke von Peter Pekarik über die Latte, Genki Haraguchi verfehlte, ebenfalls per Kopf und ebenfalls nach Pekariks Hereingabe, das Ziel, und Nico Schulz machte eine gute Gelegenheit zunichte, weil er den Ball von der linken Seite blind in die Mitte passte.

Zur zweiten Halbzeit kamen Herthas Spieler schon deutlich früher aufs Feld zurück als die Hoffenheimer. "Der Trainer musste nicht viel sagen", berichtete Kapitän Fabian Lustenberger. Wieso noch reden? Eine Dreiviertelstunde würden die Berliner noch überstehen müssen, um den Klassenerhalt sicherzustellen. Eine Niederlage mit nur einem Tor Differenz würde allemal reichen, egal was noch auf den anderen Plätzen passieren würde. Mitte der zweiten Hälfte gab Trainer Dardai gewissermaßen das Signal, den knappen Rückstand über die Zeit zu retten. Er nahm Salomon Kalou, den einzigen Stürmer, vom Feld und brachte dafür mit Roy Beerens einen weiteren Mittelfeldspieler. Dardai verließ eigens seine Coachingzone, um Kalou in Empfang zu nehmen – ein Zeichen, dass seine Auswechslung vor allem taktisch bedingt war.

Ohne Kalou funktionierte die Offensive besser

Komischerweise funktionierte in der Folge Herthas Offensivspiel besser. Die Mannschaft traute sich wieder aus ihrer Verteidigungshaltung heraus und hätte unmittelbar vor dem Ausgleich schon einen Elfmeter bekommen müssen, nachdem Eugen Polanski Pekarik im Strafraum umgetreten hatte. Schiedsrichter Knut Kircher entschied trotz bester Sicht auf Weiterspielen. Der Ärger der Berliner war kaum verflogen, da traf Beerens zum Ausgleich. Roberto Firmino machte es mit seinem Abstaubertor zum 2:1 für die Hoffenheimer kurz vor Schluss zwar noch einmal spannend, aber die knappe Niederlage reichte Hertha.

Die Berliner spielen also auch in der kommenden Saison weiter in der Bundesliga. Fabian Lustenberger sagte: „Wie wir das bewerkstelligt haben, das interessiert morgen niemanden mehr.“ Ist vielleicht auch besser so.

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