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1:2-Niederlage gegen Darmstadt 98 : Sandro Wagner schockt Hertha BSC

Hertha BSC verliert das letzte Heimspiel der Saison mit 1:2. Weil der frühere Berliner Sandro Wagner kurz vor Schluss für Darmstadt 98 trifft.

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Winke, winke Hertha. Sandro Wagner erzielt den Darmstädter Siegtreffer in Berlin und provziert seine ehemaligen Fans. Foto: Imago
Winke, winke Hertha. Sandro Wagner erzielt den Darmstädter Siegtreffer in Berlin und provziert seine ehemaligen Fans.Foto: Imago

Als Sandro Wagner nach seinem Treffer zum 2:1 für Darmstadt zehn Minuten vor dem Ende noch nicht genug hat und auch noch über die Bande springt und in die Ostkurve rennt, dort, wo die innigsten Hertha-Fans stehen, droht deren Stimmung in Wut zu kippen. Der 28-jährige Stürmer, der drei glücklose Jahre bei Hertha erlebte und vom blau-weißen Anhang mit so manchen Schmähgesang bedacht wurde, bringt mit seinem provokanten Jubel die Hertha-Fans auf hundertachtzig.

Es ist Wagners 14. Bundesligator in dieser Spielzeit. Und es ist der emotionalste und auch wertvollste Treffer Wagners überhaupt. Schließlich ist es das Tor, das dem Aufsteiger aus Darmstadt am vorletzten Spieltag den Klassenerhalt beschert. Und ja, es ist eben ein Treffer, der seinen früheren Verein, von dem er im vorigen Sommer nicht ganz im Frieden gegangen wurde, mitten ins Herz trifft. Ausgerechnet Sandro Wagner, der nie was gerissen hat für die Berliner, verdirbt den Blau-weißen den Heimspielabschluss.

Geplant ist es ganz anders. Ein Großteil der Jungs in der Ostkurve entledigt sich beizeiten ihrer Obertrikotagen. Klar, die Sonne über Berlin steht hoch, Hertha hat zusammen mit einem dem Verein verbundenen Getränkeunternehmen zum letzten Saisonheimspiel ins Olympiastadion geladen und ein wenig Freibier in Aussicht gestellt. Je 100 Liter für jedes in dieser Spielzeit erzielte Hertha-Tor lautete die Parole. Entsprechend heiter und lautstark fällt die Unterstützung der Ostkurve aus. Doch sie wird ihre Mannschaft vor 60 280 Zuschauern nicht sehr weit tragen, also nur vom 41. zum 42. Saisontor. Das langt zwar anfangs zur Führung, doch am Ende wird das Spiel 1:2 (1:1) verloren gehen.

Der aufsässige Fußball der Darmstädter zeigte Wirkung

Somit werden die Berliner auch im siebten Pflichtspiel in Serie ohne Sieg bleiben. Nach einer matten und letztlich enttäuschenden Leistung fallen die Berliner in der Tabelle auf Rang sechs zurück, da Mainz 05, der kommende Gegner, an ihnen vorbeizieht. „Ich habe meine Mannschaft immer verteidigt, aber heute kann ich das nicht. Da muss ein bisschen mehr kommen, denn hier hat die Mannschaft gewonnen, die Wettkampftypen hat“, wird Pal Dardai hinterher sagen.

Zunächst beweist Herthas Trainer ein glückliches Händchen. Für den gesperrten Linksverteidiger Marvin Plattenhardt bietet er den jungen Maximilian Mittelstädt auf. Und dieser 19-Jährige leitet mit einer klugen Flanke über die Abwehr hinweg das 1:0 durch Vladimir Darida ein.

Doch die Berliner müssen rasch die Erfahrung machen, dass die Darmstädter sich nicht vorführen lassen wollen. Der abstiegsgefährdete Aufsteiger, der gut 6000 Fans mitgebracht hat, verwickelt Hertha immer wieder in ruppige Zweikämpfe. Vor allem Wagner liefert sich mit dem Berliner Innenverteidiger John Anthony Brooks ein paar kernige Zweikämpfe. Beide sind ja in der gleichen Gewichtsklasse unterwegs.

Hertha kontrolliert das Spiel weitgehend, hat mehr Ballbesitz und kommt zu deutlich mehr Torszenen, doch die Darmstädter können den Gastgeber mit ihrem unkonventionellen Fußball immer wieder zusetzen. Ihr Spiel sieht nicht schön aus, ist aber voller Hingabe. Vor dem 1:1 überläuft Darmstadts Marcel Heller den jungen Mittelstädt. Die Flanke verwertet Jerome Gondorf.

Der aufsässige Fußball, den das Team von Dirk Schuster auch in der zweiten Hälfte bietet, zeigt Wirkung bei den Berlinern. Ihr Spielaufbau wird fahriger, ihre Zuspiele unsauberer – spielerisch verarmt das Duell. Und selbst die offensiven Einwechslungen Dardais (Baumjohann, Schieber, Stocker) werden Hertha nicht mehr ins Rollen bringen. Zu träge und ungenau ist ihr Vortrag.

Tja, und dann hat Sandro Wagner, der von Pal Dardai ausgemusterte Stürmer, seinen Auftritt. Es ist ein Auftritt in zwei Akten. Erst sein Tor zum 2:1 samt seinem Tänzchen in der Ostkurve, was ihm die Gelbe Karte einbringt. Ein paar Minuten später sieht er nach einem Foul die zweite Gelbe – Platzverweis. Seinen Abgang, untermalt von den Pfiffen der Hertha-Fans, genießt er sichtlich.

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