Sport : 1:5 – und ganz ohne Ehre

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft blamiert sich vor der EM in Rumänien

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Bukarest (Tsp). Gerhard MayerVorfelder hatte ein Maskengesicht aufgesetzt, als der italienische Schiedsrichter Rosetti zur Pause pfiff. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hatte im Stanescu-Stadion zu Bukarest mitansehen müssen, wie sein bestes Stück, die deutsche Nationalelf, das Flaggschiff des weltgrößten Sportverbandes, ehrlos unterging. Der Vizeweltmeister aus Deutschland hatte in der ersten Halbzeit vier Tore hinnehmen müssen von einer jungen rumänischen Mannschaft, die sich im Umbruch befindet, nachdem sie sich nicht für die EM im Juni in Portugal qualifiziert hatte. Am Ende hieß es vor rund 14 000 Zuschauern 5:1 (4:0) für die Rumänen.

48 Tage vor dem ersten EM-Vorrundenspiel der DFB-Auswahl gegen die Niederlande ist ein neuerlicher, skandalöser Tiefpunkt für den deutschen Fußball erreicht. Es ist die höchste Niederlage unter Teamchef Rudi Völler seit dem 1:5 gegen England im September 2001. Das letzte Mal aber, dass eine deutsche Nationalelf bei Halbzeit 0:4 hinten lag, war 1913 in Belgien. Damals endete das Spiel 2:6.

Der Tag hatte schon turbulent begonnen. Gleich viermal musste Völler seine Aufstellung für das abendliche Länderspiel modifizieren. Torwart Jens Lehmann (FC Arsenal), der neben Oliver Kahn eine Halbzeit spielen sollte, musste wegen einer Rückenverletzung passen. Für ihn wurde Timo Hildebrand aus Stuttgart eingeflogen. Dann fielen auch noch Michael Ballack (FC Bayern), Jens Nowotny (Bayer Leverkusen) und Frank Baumann (Werder Bremen) verletzt aus. Für sie liefen Fabian Ernst (Bremen), Carsten Ramelow (Leverkusen) und Jens Jeremies (FC Bayern) auf. Die beiden Letzteren bildeten die Innenverteidigung, die sich als sehr anfällig präsentierte. Plesan, Rat und zweimal Danciulescu schossen fast mühelos eine 4:0-Führung heraus. Oliver Kahn, der nach der Pause von Hildebrand abgelöst wurde, war an den zum Teil wunderschönen Gegentoren macht- und schuldlos.

In der Offensive gelang der deutschen Elf so gut wie nichts. Drei Halbchancen im ersten Abschnitt konnte der Stuttgarter Kevin Kuranyi nicht verwerten. Herthas Stürmer Fredi Bobic blieb ganz blass und wurde nach einer Stunde gegen Oliver Neuville (Leverkusen) ausgetauscht. Der Bochumer Paul Freier war schon bei Halbzeit für den Dortmunder Torsten Frings gekommen.

Zu diesem Zeitpunkt ging es nur noch um Schadensbegrenzung für die deutsche Elf, die nicht mit der nötigen Einstellung und dem notwendigen Willen ins Spiel gegangen war. Es fehlte an Abstimmung und Kommunikation untereinander auf dem rumänischen Rasen. In der Halbzeitpause sprach Franz Beckenbauer von einer katastrophalen Leistung der deutschen Spieler. „Die Situation hier wurde wohl ein bisschen unterschätzt“, sagte der Präsident des FC Bayern.

Noch ehe Philipp Lahm aus Stuttgart kurz vor dem Abpfiff ein Tor für die Deutschen erzielte, hatte Caramarin auf 5:0 erhöht. Für die Deutschen war es ein herber Rückschlag auf dem Weg zur EM. „Das war eine Katastrophe. Rudi Völler tut mir leid, aber ich tue mir selbst auch leid“, sagte DFB-Boss Mayer-Vorfelder und schlich von der Ehrentribüne.

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