1:6 in Mannheim : Eisbären lästern, Adler siegen

Nach den verbalen Attacken aus Berlin schlagen die Adler Mannheim die Eisbären mit 6:1. Im Halbfinale der Eishockey-Play-offs steht es nun 1:1.

Katrin Schulze[Mannheim]
DEL 08 09 - Play-Off - Adler Mannheim vs. Eisbaeren Berlin
Geschlagen. Torhüter Zepp kann das 4:0 durch Hackert nicht verhindern.Foto: Fishing4

Erst flogen die Fäuste. Dann wurden die Arme der Mannheimer Spieler nur noch zum Jubeln benutzt. Die Botschaft war angekommen. Teal Fowler hatte sie nach der ersten Halbfinalbegegnung um die deutsche Eishockeymeisterschaft an seine Profis gesendet. „Meine Mannschaft hatte womöglich zu viel Respekt vor den Berlinern“, sagte der Trainer der Adler Mannheim. Fowler konnte geholfen werden. Respekt abgelegt, munter aufgespielt, überragend gewonnen. Der Gegner der Mannheimer war am gestrigen Abend nicht zu beneiden. Die Eisbären zeigten sich geradezu geschockt vom scheulosen Auftritt ihres Gegners und verloren 1:6 (0:1, 0:4, 1:1). So müssen sie nach einer schwachen Vorstellung nun mit einem 1:1 ins dritte Spiel der „Best-of-five“-Serie am Freitag gehen.

Offensichtlich fühlten sich die Adler gereizt von den verbalen Attacken ihres Kontrahenten. Nach dem ersten Spiel der Serie am Sonntag lästerten die Berliner Profis Florian Busch und Sven Felski noch über die Unbeweglichkeit und die rüde Gangart der Adler. Eine durchaus gängige taktische Maßnahme in der Endrunde. Und doch haben sie Adler damit womöglich ungewollt beflügelt. Zunächst bauten die Gastgeber ihren Unmut über die Sticheleien der Berliner noch in rein sportlicher Natur ab: Ein Schuss von Michael Hackert rutschte Eisbären-Torhüter Rob Zepp unter lautem Aufschrei der 13.156 Zuschauer durch die Schoner  - und ins Tor.

Doch dabei wollten es die Mannheimer anscheinend nicht belassen, denn der sportlichen Ansage folgte schnell auch ein Meinungsaustausch auf unfairer Ebene: Die Parteien versuchten sich in der neuen Sportart Eisboxen. Mannheims Felix Petermann und sein Gegenüber Alexander Weiß fanden in der achten Spielminute so viel Gefallen daran, dass die Schiedsrichter Schwierigkeiten hatten, sie zu überhaupt trennen. Selbst als Weiß schon am Boden lag, drosch Petermann immer wieder mit den Fäusten auf ihn ein. Auch in diesem Punkt waren die Berliner den Mannheimern also hoffnungslos unterlegen.

Und da waren sie wieder, die bekannten Rivalitäten zwischen den dominierenden Eishockeyteams der letzten Jahre. Den Berlinern, bei denen Kapitän Steve Walker verletzt fehlte, bekam diese Spielkultur überhaupt nicht. Ungehindert ließen sie die Adler gewähren und schauten fast schon interessiert zu, in welcher Manier sie Treffer um Treffer erzielten. So hatte Jason King gleich zu Beginn des Mitteldrittels keine Mühe, den Puck erneut im Berliner Tor unterzubringen. Danach war es Marcus Kink, Michael Hackert und Colin Forbes überlassen, die Führung der Gastgeber auf 5:0 auszubauen.

Die Defensivabteilung der Eisbären hatte augenscheinlich einen kollektiven Ruhezustand ausgerufen – so weit stand sie in weiten Teilen des Spiels von ihren Gegenspielern entfernt. Auch der Berliner Stürmer Stefan Ustorf, der verletzungsbedingt zum Zuschauen gezwungen war, wandte sich in Anbetracht des desolaten Auftritts seiner Kollegen kopfschüttelnd ab. „Der hohe Rückstand geht völlig in Ordnung“, sagte er. „Wir müssen unbedingt zu unserem Eishockey zurückfinden.“ In der Tat blieb von der Dominanz der Berliner, die noch im ersten Spiel ausgezeichnet hatte, nicht viel übrig. Ganz im Gegenteil: Obwohl sie sich im letzten Abschnitt bemühten, den Gegner unter Druck zu setzen, war es den Adlern in Person von Dan McGillis überlassen, das Tor zu schießen. Und auch Mark Beaufait durfte noch ein Tor erzielen:  Für die Berliner wohlgemerkt.

Trotzdem. So schnell werden die Eisbären wohl nicht mehr über die Leistung eines Gegners lästern.

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