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1:7 bei Borussia Dortmund : Stefan Effenberg: Sieben harte Lektionen

Borussia Dortmund demütigt den SC Paderborn mit 7:1 DFB-Pokal und bringt Trainer Stefan Effenberg die erste Niederlage bei. Der ist nun als Psychologe gefragt.

Foto: dpa

Aufgebracht fuchtelte Stefan Effenberg mit den Händen durch die Luft, nebenbei redete er auf seinen Assistenten Sören Osterland ein. Der nickte nur, aber auch seine Miene war versteinert. Innerhalb von achtzehn Minuten mussten Trainer und Co-Trainer mitansehen, wie ihr SC Paderborn nach einer 1:0-Führung bei Borussia Dortmund mit 1:3 in Rückstand geriet. Der Pausenrückstand brachte Effenberg auf, am Ende hätte er sich aber vermutlich gewünscht, es wäre beim 1:3 geblieben. Der BVB kannte nach dem Seitenwechsel kein Erbarmen mit dem Zweitligisten und siegte in der zweiten Runde des DFB-Pokals 7:1 (3:1). Für Paderborn war es die erste Niederlage unter Effenberg.

Trotz der Lehrstunde hielt sich der Frust bei dem 47-Jährigen aber in Grenzen: „Sieben hört sich nicht gut an. Nach dem fünften Tor hätten wir die Uhr runter spielen müssen“, klagte der ehemalige Nationalspieler, „aber wir haben gegen einen Gegner verloren, der eine außergewöhnliche Stärke hat. Nun müssen wir uns kurz schütteln und dann geht es weiter. Wir werden daraus lernen.“

Fast stoisch ertrug Stefan Effenberg die erste Demütigung seiner noch jungen Trainerkarriere. In den letzten Minuten der Lehrstunde zog er sich von der Seitenlinie auf die Paderborner Trainerbank zurück und sah nahezu reglos dabei zu, wie sein Team mehr und mehr auseinanderfiel. Aus Sorge um den Gemütszustand seiner Profis schlüpfte der ehemalige Nationalspieler nur wenige Minuten später in die Rolle des Psychologen: „Das Ergebnis ist schon krass. Aber ich habe der Mannschaft gesagt: Kopf hoch! Wir werden in dieser Saison ja kein Team mehr auf diesem Niveau bekommen.“

Noch im Vorfeld hatte der Trainer getönt, seine Mannschaft fahre keinesfalls chancenlos zum großen Favoriten. Und die souveränen Siege gegen Braunschweig und Union Berlin gaben zumindest Anlass zu dezentem Optimismus. Der wurde geschürt, als Dortmunds Torhüter Roman Bürki in einer Szene gleich mehrmals patzte. Zuerst setzte er mit einem unüberlegten Abwurf Ilkay Gündogan unter Druck, der den Ball aufgrund nahender Gefahr gleich wieder zu Bürki zurück spielte. Dann wartete der Schweizer mit dem Ball zum Fuß zu lange, sodass der heranstürmende Srdjan Lakic dem Torwart den Ball einfach nur vom Fuß und ins Tor spitzelte. Effenberg explodierte förmlich an der Seitenlinie, das Gesicht vor Freude verzerrt, die Zunge herausgestreckt.

Paderborns Trainer war kaum wieder gelandet, da wurde aus Freude innerhalb von wenigen Minuten Frust.

Vor allem Gonzalo Castro, der noch vor der Pause zwei Tore vorbereitete und später noch selbst zwei Treffer erzielte, zerstörte schnell Effenbergs Hoffnung auf eine Pokalsensation.

Erst schickte der 28 Jahre alte Castro den Ex-Herthaner Ramos, der für den geschonten Pierre-Emerick Aubameyang in der Startelf stand, perfekt in den freien Raum. Dann verwertete er eine Vorarbeit von Ramos technisch hervorragend. Und schließlich fanden sich Ramos und Kagawa zum Doppelpass – der Japaner vollendete mit einem perfekten Schuss. Während Aubameyang wegen der hohen Belastung in den vergangenen Wochen auf der Bank saß, stand der leicht angeschlagene Angreifer Marco Reus erst gar nicht im Kader.

Mit der komfortablen Führung im Rücken ließ sich der überlegene Favorit den Vorteil nicht mehr nehmen. Dortmund rannte und kombinierte und schoss sich in einen Rausch. Das Team von Effenberg wirkte zunehmend überfordert, was auch die 5000 mitgereisten Fans aus Paderborn erkennen mussten. Nach Foul einem von Dominik Wydra an Weltmeister Matthias Ginter verwandelte Gündogan den fälligen Elfmeter. Schließlich setzten Castro mit seinem zweiten Tor, der eingewechselte Lukasz Piszczek und Henrich Mchitarjan den Schlusspunkt für den dreimaligen Pokalsieger. Für Paderborn war es am Ende noch eine Demütigung.

Die Sorge, dass der von Effenberg geschaffene Glaube an die eigene Stärke angesichts der ernüchternden Schlappe schon wieder dahin sein könnte, hielt sich beim SC Paderborn in Grenzen. Kein Profi äußerte Zweifel am mutigen Konzept des neuen Trainers, vor allem im Spiel nach vorn neue Akzente zu setzen. „Wir versuchen mit jedem Training, offensiver zu spielen. Ich denke, dass uns das in der Liga auch guttun wird“, befand Mittelfeldspieler Dominik Wydra. Und es spricht für die gewachsene Reife Effenbergs, dass er sich mit öffentlicher Kritik an seinen Spielern zurückhielt.
Wie effektiver Angriffsfußball funktioniert, konnten die chancenlosen Ostwestfalen beim Gegner studieren. Mit seligem Lächeln kommentierte Dortmunds Trainer Thomas Tuchel die nächste Gala seiner Mannschaft, die in 19 Pflichtspielen bereits 61 Tore erzielte: „Wir haben 7:1 gegen eine Mannschaft gewonnen, die durch den Trainerwechsel euphorisiert war. Es macht uns stolz, über 70 000 Zuschauern so etwas zu bieten.“ (Tsp/dpa)

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