Sport : 1.FC Kaiserslautern: "Auf meinem Schreibtisch liegt Munition"

Aus welchem Gr,treten Sie bei der Generalversam

Detlev Albrecht (45) ist die Stimme der Opposition beim 1.FC Kaiserslautern. Am kommenden Dienstag wird der Rechtsanwalt und vereidigte Buchprüfer auf der Generalversammlung des Bundesligisten gegen den amtierenden Vorstandsvorsitzenden Jürgen Friedrichs antreten.

Aus welchem Grund treten Sie bei der Generalversammlung am Dienstag gegen die Führungscrew des 1. FC Kaiserslautern an?

Weil die von den Herrschaften vom Betzenberg bislang nur als "sogenannte Opposition" betitelte Gruppe nun Zivilcourage zeigen sollte. Weil in der vorgelegten Bilanz 1999/2000 mehrere rätselhafte Positionen aufgetaucht sind. Weil womöglich wegen des Falles Murat Yakin der Ausschluss aus dem Uefa-Cup droht. Und weil ich mir eine Vereinshygiene wünsche, in welcher Vorstände, Mitglieder und Fans wieder korrekt miteinander umgehen.

Kaiserslautern rangiert in der Bundesliga oben und steht in der dritten Runde des Uefa-Cups. Ist das nicht der ungünstigste Zeitpunkt für einen Putsch?

Es kann doch nicht sein, dass in den vergangenen Jahren Vorstand und Aufsichtrat immer wieder vor einer Abwahl gerettet worden sind, nur weil die Mannschaft die letzten drei Spiele vor der Generalversammlung gewonnen hat. Es geht darum, aus dem 1. FC Rehhagel wieder einen Verein mit Volksnähe zu machen. So wie es einmal gewesen ist, bevor Beate und Otto Rehhagel und deren Männerfreunde Friedrich und Wieschemann den Verein übernommen haben.

Was kreiden Sie dem Vorstandsvorsitzenden Jürgen Friedrich und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Robert Wieschemann an?

Im Fall Yakin wurde die Öffentlichkeit desinformiert. Der Vorstand musste wissen, welche Forderungen von Fenerbahce auf den Verein zukommen. Die Rechtslage war eindeutig, nachdem die Fifa den vertragsbrüchigen Yakin mit einer Strafe von 450 000 Schweizer Franken belegt hatte. Jetzt klagt man vor einem Zivilgericht, nur weil der von der Fifa festgelegte Preis für Yakin - 3,9 Millionen US-Dollar oder 8,5 Millionen Mark - unter keinen Umständen in der Jahresbilanz auftauchen dürfen. Sonst würde dort nämlich kein Gewinn von 5,2 Millionen, sondern ein ordentliches Minus stehen.

Warum machen die beiden Vorsitzenden das?

Wieschemann und Friedrich glauben inzwischen, sie brauchen sich nicht mehr an die Regeln und die Gerichtsbarkeit von Fifa oder DFB zu halten - es geht ihnen nur noch darum, dass sie selbst gut aus der Geschichte herauskommen.

Mit diesen sportjuristischen und bilanztechnischen Feinheiten werden Sie kaum das Herz der Fußball-Anhänger erreichen.

Ich bin mir sicher, dass es jeden im Saal interessiert, wenn ich Aufklärung über den Posten "Spielervermittlung und Spielerbeobachtung" verlange: 1 835 000 Mark. Für Spielerbeobachtung zeichnete bislang der gesamte Trainerstab verantwortlich, und die bekommen als Festangestellte ihr Gehalt. Sind das nun alles Provisionen für die Spielervermittler Vöge und Wittmann? Rehhagel hat ja nur mit seinen Freunden Geschäfte gemacht.

Auch beim Fall Basler monieren Sie Ungereimtheiten.

Im Fall Basler sind 500 000 Mark "Ablösung" aktiviert. Wieso wurde hier ganz offensichtlich eine halbe Million Handgeld an einen Spieler gezahlt, den sonst kein anderer Bundesligaklub haben wollte? Und was verbirgt sich hinter dem Posten "Darlehen an Arbeitnehmer" in Höhe von 4 299 650 Mark. Da dieses Darlehen eine Tilgung von weit über 700 000 Mark zum 30. 6. 2000 erfahren hat, muss es ursprünglich weit über fünf Millionen betragen haben. Um welchen Kreditnehmer handelt es sich dabei?

Das sind ziemlich delikate Finanzfragen.

Nicht nur. Auf meinem Schreibtisch liegt noch ganz andere Munition. Emotionale. Zum Beispiel drei eidesstattliche Versicherungen, wonach Vorstandsmitglied Gerhard Herzog die Westtribüne als "90 Prozent Idioten und 95 Prozent Asoziale" beleidigt hat. Dabei schlägt auf diesem Tribünenteil das Herz des Vereins.

Haben Sie schon ein Konzept, denn falls der Aufsichtsrat abgewählt würde, müssten Sie ja auch antreten?

Für den Fall einer Neuwahl hat sich schon ein Kreis gebildet. Personen, die das Einzugsgebiet des 1. FC Kaiserslautern abdecken. Die wollen verständlicherweise noch nicht in die Öffentlichkeit. Sie wissen alle, wie es jenen ergangen ist, die gegen Rehhagel, Friedrich und Wieschemann opponiert haben. Die wurden angepöbelt. Im Zusammenhang mit Herrn Landry, der eine Großbäckerei besitzt, wurden sogar dessen Fahrer aus dem Lkw gezogen und verprügelt.

Haben Sie Angst vor dem 14. November?

Sicherlich wird man versuchen, mich zu diskreditieren oder mundtot zu machen oder einfach gnadenlos auszupfeifen. Aber wenn keiner diese Zivilcourage aufbringt, dann bleibt die Tabelle die Wahrheit auf dem Platz, und die Mauschelwirtschaft und Verdummung der Fans gehen weiter.

Stimmt es, dass Hans-Peter Briegel zu Ihrer Gruppe gehört?

Hans-Peter-Briegel hat erklärt, dass er bereit ist, wieder eine Position in seinem Verein zu übernehmen - aber nur, wenn Friedrich und Wieschemann dort weg sind.

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