Sport : 1. FC Kaiserslautern: Heißer Dienstag

Schon vor der Mitgliederversammlung des 1. FC Kaiserslautern geht es hoch her. "Hier wird von einigen Wichtigtuern versucht, eine Pogrom-Stimmung zu erzeugen", sagte Robert Wieschemann im Fachmagazin "Kicker" vor der mit Spannung erwarteten Sitzung am Dienstagabend.

Der Aufsichtsrat, dessen Vorsitz Wieschemann inne hat, und der hauptamtliche Vorstand um Jürgen Friedrich sehen sich heftigen Vorwürfen konfrontiert. Eine Oppositionsgruppe beabsichtigt die Abwahl des Aufsichtsrats und will anschließend auch den bezahlten Vorstand kippen. Kernpunkte der Kritik sind Ungereimtheiten in der Bilanz und Unzufriedenheit mit der Amtsführung des Vorstandes.

Detlev Albrecht, der Sprecher der in die Öffentlichkeit drängenden Oppositionsgruppe, will Aufklärung über bestimmte Positionen in der Bilanz 99/2000: 4,3 Millionen Mark werden als "Darlehen an Arbeitnehmer" und 1,84 Millionen Mark als Zahlungen für "Spielervermittlung und Spielerbeobachtung" ausgewiesen.

Zudem entzündet sich Kritik am immer noch ungeklärten Transfer des Mittelfeldspielers Murat Yakin. Hier räumte selbst Robert Wieschemann "Besonderheiten" ein, die er in aller Offenheit den Mitgliedern erläutern will. Konkreter wollte der Aufsichtsrats-Vorsitzende im Vorfeld nicht werden. Wieschemann: "Die Mitglieder haben Fragen. Wir werden diese alle ausführlich beantworten."

Zu einer Abwahl kann es nur kommen, wenn keine Entlastung des Aufsichtsrats erfolgt und ein dann folgender Antrag auf Abwahl Zustimmung erhält. Dies scheint fraglich. Derzeit ist völlig unklar, wie viele der 10 500 Vereinsmitglieder hinter der Opposition stehen.

Nach Angaben von Albrecht stünde ein Schattenkabinett mit hochrangigen Vertretern aus ganz Rheinland-Pfalz bereit. Zu Wort gemeldet hatte sich im Vorfeld jedoch nur der Rechtsanwalt aus Kaiserslautern. Auch Hans-Peter Briegel, der wiederholt ins Gespräch gebracht wurde, stellte klar: "Ich gehöre keiner Oppostionsgruppe an. Da mache ich nicht mit! Wenn der FCK mich braucht, stehe ich aber zur Verfügung. Allerdings schließe ich für mich eine Zusammenarbeit mit Herrn Wieschemann und Herrn Friedrich aus." Briegel war im Oktober 1997 als Manager von Friedrich auf Drängen des ehemaligen Trainers Otto Rehhagel geschasst worden.

Friedrich wähnt nach 14 Jahren Arbeit im Klub die schweigende Mehrheit hinter sich und dem Rest der Klubführung. "Ich bin mir sicher, dass sich einige dieses Mal auch zu Wort melden und die Beschuldigungen nicht so im Raum stehen lassen werden", sagte Friedrich, der am 7. Dezember 1998 zum bezahlten Vereinschef bestimmt worden war. Sein Entschluss, Ende 2001 definitiv aufzuhören, ist unabhängig vom Verlauf des Dienstagabends. Eins stand für den 57-Jährigen Friedrich, der auch in der Bundesliga schon für den 1. FCK kickte, ebenfalls schon vorher fest: "Ich werde auch am Mittwoch noch im Amt sein."

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