Sport : 1. FC Kaiserslautern: Rehhagels Vermächtnis

Oliver Trust

Andreas Brehme hat lange versucht, den tapferen Trainer zu spielen. Unten vor dem Mannschaftsbus zum Beispiel, als er die eigenen Anhänger beschwichtigte, die Schmährufe grölten, vor jeder Fernsehkamera und jedem Mikrofon. "Jedes Tor noch einmal anschauen zu müssen, das war sehr schwer", sagte Brehme. An diesem Abend war es zu viel. Brehme stotterte, verhaspelte sich, wiederholte sich ständig und sagte Sätze wie diesen: "Das soll den Erfolg der Freiburger nicht schmeicheln." Er meinte schmälern. Aber die Stunden nach dem 2:5 in Freiburg waren nicht der Zeitpunkt für besonnene Statements und geschliffene Aussagen. "Andreas Brehme", sagte Kaiserslauterns Vorstandsvorsitzender Jürgen Friedrich, "lernt jetzt die harten Seiten des Trainergeschäfts kennen." Und Brehme saß da, die Schultern hingen herunter, die Mundwinkel offenbarten den ganzen Frust, den der Trainerneuling empfindet. "Jetzt ist der Zeitpunkt da, wo Trainer Profil gewinnen. Das ist ein Negativlernprozeß, den alle Trainer mitmachen, ob sie nun Sammer, Kuntz oder Völler heißen", meinte Friedrich.

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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? Das aber gilt für alle in einem Verein, der die Trümmer von 25 Gegentoren in sechs Spielen beiseite räumen muss und als "Schießbude Europas" verspottet wird. Brehme muss die Einkaufssünden der Trainerära Rehhagel ausbaden, die in der Verpflichtung des schwierigen Profis Mario Basler mündete und mit einem zerstrittenen Kader ohne Struktur und Hierarchie den Sprung in den internationalen Wettbewerb schaffen, bevor er seine eigene Mannschaft aufbauen kann. "Ich hoffe, ich bekomme Gelegenheit dazu", sagte er trocken.

Sein Chef Friedrich sagt, er müsse schnell die Zweifel über Brehmes Zukunft klären. Seine Bereitschaft zur Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses klingt durch: "Ich habe schon gesagt, Sie, Herr Brehme, können sich darauf einrichten, dass wir eventuell weiter zusammenarbeiten." Zu lange ließen Friedrich und Kollegen den Klub ohne klares Konzept treiben. Allein der klangvolle Name Brehme genügte zunächst, um alle Zweifel an der Qualität des Spielerkaders zu zerstreuen. Zweifel an Brehme kann sich ernsthaft keiner in Kaiserslautern erlauben, obwohl schon erste Fragen nach dem Trainer auftauchten. "Damit kann ich gut leben", konterte der gelassen. Friedrich stärkte ihm noch im Kabinengang den Rücken: "Wir haben immer die Trainer gewechselt, jetzt ist es Zeit, das Personal zu wechseln". Eine kernige Tonlage, der sich in Freiburg auch der Bauchmensch Brehme anschloss. "Einige Spieler werden sich auf der Tribüne wiederfinden. Die stellen immer nur Forderungen, wollen spielen, auf dem Rasen aber kommt dann nichts."

Vorerst aber wird es bei kleinen Reparaturen bleiben müssen. Das weiß keiner besser als Brehme. Spieler wie der überforderte Jeff Strasser oder Jörgen Pettersson und hölzerne Verteidiger wie Tomas Klos und Michael Schjönberg stehen nun zur Disposition, aber bis Saisonende muss er sie bei Laune halten. Nur einer spricht schon offen von Abschied, Youri Djorkaeff: "Es hat wohl keinen Sinn, dass ich bleibe." Der Franzose fühlt sich von der einflussreichen Fraktion um Mario Basler gemobbt und wird gleichzeitig mit Vorwürfen, ein Einzelgänger ohne Gemeinschaftssinn zu sein, konfrontiert. Genug Brandherde für Andreas Brehme. Der galt bisher nicht als großer Stratege, seine Vorzüge liegen in seiner internationaler Erfahrung und Praxisnähe. Da hat ihn mancher unterschätzt. Anders als Rehhagel überraschte er mit neuen Übungsformen und ließ die Stürmer gegen eine Viererabwehrkette üben. Jetzt kommt eine neue Prüfung auf den Weltmeister von 1990 zu. Und sein Chef Friedrich sagt: "Um unser Ziel internationaler Wettbewerb werden wir kämpfen. Das verlange ich auch von den Trainern."

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