Sport : 1. FC Köln - Borussia Mönchengladbach: Historisch korrekt

Bertram Job

Für die Anhänger von Borussia Mönchengladbach sind die Spiele gegen den 1. FC Köln immer etwas Besonderes. In Müngersdorf singen die Borussenfans stets ganz besonders laut. So laut, dass sich FC-Trainer Ewald Lienen schon vor dem Spiel in die eigene Fankurve begeben musste, um die eigene Anhängerschaft zu etwas mehr Enthusiasmus zu bewegen. Die Freude der Gladbacher auf die Gastspiele in Köln ist verständlich. Sie liegt vor allem darin begründet, dass ihre Mannschaft im Müngersdorfer Stadion meistens gewinnt. In den 33 Bundesligaspielen bis zum Sonntag siegten die Borussen 18-mal, und um die Kölner an ihre schwärzesten Stunden noch einmal eindringlich zu erinnern, reckte die Gladbacher Anhängerschaft in ihrer Kurve 18 Banner in die Höhe. Auf jedem war das Ergebnis eines Borussensieges verzeichnet sowie das zugehörige Datum. Oder auf den Punkt gebracht: "Euer Alptraum ist zurück".

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Die Siege der Mönchengladbacher Borussen in Köln haben eine lange Tradition - inzwischen über mehrere Spielergenerationen hinweg. Früher hießen die Torschützen Laumen und Heynckes, später Mill und Criens, dann Wynhoff und Max. "Ich glaube, der FC hatte schon vor dem Spiel Muffensausen", folgerte Borussias Präsidiumsmitglied Siegfried Söllner aus der gemeinsamen Geschichte beider Klubs. Und in der Tat: Der Kölner Alptraum ging auch am Sonntag weiter und trägt jetzt zwei neue Namen: Bernd Korzynietz, der in der 47. Minute mit seinem ersten Bundesligatreffer das 1:0 erzielte und die Gladbacher vorentscheidend in Führung brachte, sowie Arie van Lent. Borussias Mittelstürmer schloss in der Schlussminute einen Konter zum 2:0-Endstand ab und erzielte im vierten Spiel bereits seinen vierten Saisontreffer.

Obwohl der Ausgang des rheinischen Derbys damit altbekannt war, reichte das Spiel nicht zu einem echten Déjà-vu. Zwei entscheidende Komponenten fehlten. Die Borussia trumpfte nicht so grandios auf wie in früheren Jahren. Und zweitens war die Begegnung alles andere als ein großartiges Fußballspiel. Eine ganze Woche lang hatten sämtliche Lokalmedien die große Geschichte der Rivalität zwischen den Klubs im Westen bemüht; hatten Kantersiege Revue passieren und ehemalige Protagonisten wie Rainer Bonhof oder Toni Polster, die hier wie dort aktiv waren, um ihre Einschätzungen gebeten. Da war vorab soviel Glamour herniedergeregnet, dass man beinahe wirklich an ein Spitzenspiel zu glauben versucht war.

Dann aber sahen 42 000 Zuschauer eine eher nüchterne Gegenwart. In der wusste sich mit den Mönchengladbachern die momentan besser eingespielte, die kompaktere von beiden Mannschaften zu behaupten. "Wir haben zwei Tore geschossen", konstatierte Borussias Mittelfeldspieler Igor Demo hinterher angemessen, "und die anderen keins." Stürmer Peter van Houdt wollte gar "das schlechteste von unseren vier Spielen" erlebt haben und gestand: "Ich denke nicht, dass wir stark waren."

Doch solcher Realismus fällt einem leichter, wenn man alle drei Punkte mit nach Hause nehmen darf. Hans Meyer, der nun als Borussias Trainer die angemessene Derbybilanz von zwei Siegen und einem Unentschieden vorweisen kann, wollte dann auch lieber von den 20 schwachen Anfangsminuten seiner Elf ablenken und sich nur mit dem für ihn erfreulichen Ergebnis beschäftigen: "Es ist schön, nach Hause zu fahren und in Köln gewonnen zu haben." Danach sah es zunächst nicht unbedingt aus, denn die Kölner übernahmen mit dem Anpfiff die Initiative. Ewald Lienen sah daher auch große Unterschiede zu früheren Gladbacher Erfolgen in Köln: "Man sollte nicht in der Historie wühlen", sagte der Trainer des FC, der in der Woche vor dem Spiel selbst die Presse mit reichlich alten Derbygeschichten gefüttert hatte. "Wenn Gladbach in Köln gewonnen hat, dann meistens verdient. Das habe ich heute nicht so gesehen."

Egal, ob verdient oder nicht - "eine Niederlage gegen Gladbach tut immer ganz besonders weh", sagte Kölns Neuzugang Marco Reich. "Wenn man verliert, hat man keine Ansprüche zu stellen", musste FC-Trainer Ewald Lienen schließlich zugeben. Entscheidende Bedeutung für den Ausgang des Spiels kam wohl dem Traumtor durch Bernd Korzynietz zu, der mit dem Außenrist aus 18 Meter Entfernung in den Winkel des Kölner Tores traf. "Das steigert nicht gerade das Selbstbewusstsein", sagte Ewald Lienen. Alle Kölner Bemühungen, den Ausgleich zu schaffen, blieben Stückwerk, und bei allem Drang registrierte Lienen "große Schwierigkeiten, klare Chancen herauszuarbeiten". Die Kölner Mannschaft der Saison 2001/02 hat trotz der respektablen Leistungen nach dem Aufstieg nämlich noch wenig gemein mit den Ensembles um Overath, Flohe und Littbarski, und auch die Mönchengladbacher sind noch längst keine neuen Fohlen. Es sind einfach nur zwei Tore gefallen in einem durchwachsenen Spiel zweier Teams des Bundesliga-Mittelfelds. Zwei Tore auf der historisch richtigen Seite.

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