1. FC Köln : Neue alte Verwerfungen

Beim 1. FC Köln hat Christoph Daum noch Probleme. Der 3:1-Sieg über Bayern München kann darüber nicht hinwegtäuschen.

Erik Eggers[Köln]
Christoph Daum
Christoph Daum -Foto: dpa

Um Thomas Broich herum toste noch die Arena in Köln-Müngersdorf, die 50 000 Zuschauer begingen mit fröhlichem Enthusiasmus den 3:1 (1:1)-Sieg des 1. FC Köln gegen Bayern München, zu dem der formstarke Nationalstürmer Patrick Helmes zwei Treffer beigetragen hatte. Gebührend gefeiert wurde auch die kurzzeitige Rückkehr von Lukas Podolski, dessen Transfer den Anlass dieses Testspiels geliefert hatte und der erst gestern, mehr als drei Monate nach einer Knieoperation, wieder ins Lauftraining eingestiegen ist.

In Köln herrschte karnevalesker Trubel. Kein Wunder, dass da die mahnenden Worte des Kölner Mittelfeldspielers Broich untergingen. Es mache „immer Spaß, wenn man die Bayern schlägt“, sagte Broich, „lasst die Leute mal feiern.“ Aber man müsse doch „vorsichtig sein, weil in der Zweiten Liga ein anderer Fußball gespielt wird“. Ob das Team diese warnenden Rufe erhört, wird sich zeigen im DFB-Pokal bei Werder Bremen II und dann beim Zweitliga-Auftaktspiel beim FC St. Pauli – zu dem 26 000 Kölner Fans Karten nachfragten.

Wer die kölsche Hybris kennt, der weiß, dass solche Stimmen meist ungehört verhallen. Dass die Rekordmeister in der zweiten Halbzeit nur einen Stammspieler (van Bommel) auflaufen ließ und namenlose Youngster wie Kroos, Celozzi oder Bopp getestet hatte, wird schon bald vergessen sein. Zumal Kölns Trainer Christoph Daum die hohen Erwartungen, die aus diesem gelungenen Testspiel erwachsen, mit seinen romantischen Schwärmereien weiter schürte. Beispielsweise Mittelfeldspieler Nemanja Vucicevic, der Neuzugang von 1860 München, habe gezeigt, „dass er der Mannschaft großartige Impulse geben kann, allein dafür lohnt sich das Eintrittsgeld“. Auch versprach der 53-jährige Daum: „Wir werden noch viel besser.“ Schon vorher hatte Daum „Großartiges“ für die kommende Zweitliga-Saison versprochen, einen nicht nur erfolgreichen, sondern auch attraktiven Fußball: Das Team werde „in vielen Spielen Freude machen“. Solche kraftvollen Sätze vernimmt die geplagte kölsche Fußballseele gern. Wie auch den dezenten Hinweis des FC-Präsidenten Wolfgang Overath, der Aufstieg sei ja „gleichzeitig ein schönes Geschenk zum 60. Geburtstag unseres Vereins im nächsten Jahr“.

Aber das Verhältnis zwischen Trainer und Präsidium gilt als wenig harmonisch. Die „Schulnote ungenügend“ erteilte Daum dem Scoutingsystem des Klubs, gemeint war der dafür zuständige FC-Vize Wolfgang Glowacz, dem er, wie außer Finanzgeschäftsführer Claus Horstmann eigentlich allen Klubverantwortlichen, ganz offen amateurhaftes Gebaren nachsagt. Die folgenden, wohl kalkulierten Schlagzeilen in den Kölner Zeitungen nahm der Trainer feixend zur Kenntnis. Kein Geheimnis ist zudem, dass Daum, der selbst gut zwei Millionen per annum erhält, die 17 Millionen Euro für den Spielerkader für unzureichend hält. Gern hätte er noch weitere Spieler verpflichtet.

Probleme im Kader gibt es zuhauf. Da einige Neuzugänge wie der kolumbianische Torwart Faryd Mondragan (Galatasaray Istanbul) und der nun kurzfristig verpflichtete Mittelfeldmann Maynor Suazo (vom Antalyaspor ausgeliehen) nicht die deutsche Sprache beherrschen, berichtete eine Kölner Boulevardzeitung bereits vom Sprachengewirr des „FC Babylon“.

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