Sport : 1. FC Köln - VfB Stuttgart: Schluss mit den Debatten

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Beim Bundesliga-Aufsteiger 1. FC Köln ist die Schonzeit abgelaufen. Vor dem "Schicksalsspiel" gegen den VfB Stuttgart am Sonntag (17 Uhr 30) riss FC-Trainer Ewald Lienen endgültig der Geduldsfaden. "Wir sind hier kein Debattierklub. Es hat keinen Zweck mehr, über Fehler zu reden, man muss sie abstellen", sagte Lienen im Vorfeld der Partie.

Nach der 0:6-Niederlage beim VfL Wolfsburg sind beim Traditionsklub vom Rhein harte Zeiten angebrochen. Auch Manager Hannes Linßen will sich von seinen Profis nichts mehr vormachen lassen. "Wenn wir der Meinung sind, dass uns einer nicht weiterbringt, werde ich ihn zu mir rufen und ihm sagen, dass er sich einen anderen Verein suchen soll", sagte Linßen dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Die für viel Geld geholten Neuzugänge Darko Pivaljevic und Ivan Vukomanovic stehen beim FC auf der Abschussliste.

Nicht nur der 1. FC Köln, auch der VfB Stuttgart steht vor schweren Wochen. In der Bundesliga droht nach fünf Spielen ohne Sieg der Abstiegskampf, im UEFA-Cup das Aus. Zu allem Überfluss gab nun auch noch Pablo Thiam seinen Wechsel zum FC Bayern München bekannt. Trainer Ralf Rangnick hat erkannt: "Wir stehen vor der wichtigsten Woche der Saison."

Dass das Müngersdorfer Stadion den Abschied des VfB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder erlebt, sorgt angesichts des Abstiegskampfes kaum für Emotionen. Bei der Mitgliederversammlung am Montag tritt der designierte Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nach 25 Jahren an der Spitze der "Roten" ab und übergibt das Ruder an Manfred Haas. "Ich habe meinen Frieden mit allen Personen in den Führungsgremien gemacht, da wird nicht nachgekartet und nachgetreten", erklärte Mayer-Vorfelder gegenüber den "Stuttgarter Nachrichten".

In Köln hatte FC-Präsident Albert Caspers am Mittwoch im "Gespräch zur Lage" Trainer Lienen und Manager Linßen klar gemacht, dass es so nicht weitergehen kann wie bisher. Finanzkräftige Sponsoren machen ihre Millionendeals von der Erstklassigkeit des FC abhängig. Der mit vielen Ambitionen und einem euphorisierten Publikum gestartete Klub kommt bisher nicht auf Touren. In der Bundesliga stehen in neun Spielen nur zwei Siege und zwei Unentschieden auf der Habenseite.

Die Neuzugänge haben bisher nicht überzeugen können. "Wie der nächste Gegner heißt, ist völlig sekundär. Die Beschäftigung mit uns selbst ist viel wichtiger" sagte Lienen in ungewohnter Deutlichkeit. Der Trainer weiß um die Wirkung seiner öffentlichen Äußerungen: "Es geht nicht mehr darum, den Druck von der Mannschaft zu nehmen, es geht nicht darum, entspannt zu sein. Jetzt ist Anspannung gefragt."

Gegen den VfB Stuttgart setzt Lienen im Abwehrzentrum wieder auf Thomas Cichon. Kapitän Dirk Lottner, der zuletzt mit seinem Trainer Kommunikationsprobleme hatte, soll im Mittelfeld die Ideen entwickeln. Im Angriff werden von Markus Kurth und Christian Timm Tore erwartet. Timm ist allerdings noch angeschlagen. Lienen: "Zur Aufstellung äußere ich mich nicht."

Doch ein stiller Trainer will Lienen nicht sein. Deshalb engagiert er sich auch außerhalb des Fußballplatzes - und zwar für die ins Schlingern geratene "taz". Die derzeitige Kampagne für die finanziell angeschlagene Alternativzeitung unterstützte Lienen mit einem Solidaritäts-Abo und der Erklärung, dass die Zeitung den täglichen Sport "erfrischend anders" präsentiert. Wie die besondere Berichterstattung aussieht, musste Lienen 1985 selbst erfahren, als er als Spieler auf der Friedensliste für den NRW-Landtag kandidierte. Die "taz" kommentierte damals in einem Spielbericht aus Solingen: "Lienen, der Kandidat, fiel mit einem verzweifelten Schussversuch auf, der weit am Tor vorbeiflog, Richtung Düsseldorfer Landtag."

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