1. FC Nürnberg : Hecking ist Favorit für Oenning-Nachfolge

Bundesliga-Aufsteiger 1. FC Nürnberg hat nach der 0:3-Niederlage beim 1. FC Köln seinen jungen Trainer Michael Oenning entlassen. Als Favorit für Oennings Nachfolge gilt der frühere Hannoveraner Dieter Hecking.

Hans Böller[Nürnberg]
oenning_dpa
Michael Oenning -Foto: dpa

Schulden, Sparkurse, Auf- und Abstiege: ein über Jahrzehnte währendes Ringen um Kontinuität. Unter diesen Voraussetzungen begannen alle Anläufe des 1.FC Nürnberg, sich in der Bundesliga zu behaupten. Der jüngste Versuch war ehrenwert: Eine Verjüngung des Teams sollte einen Entwicklungsprozess einleiten, in dem Erstliga-Reife entwickelt, nicht eingekauft werden sollte.

Der Kurs ist gescheitert: Michael Oenning, der junge Trainer, musste einen Tag nach dem 0:3 in Köln, der vierten Niederlage hintereinander, gehen – Favorit für seine Nachfolge ist der zu Saisonbeginn in Hannover ausgeschiedene Dieter Hecking. Der Club bestätigte die Trennung am Montagnachmittag auf einer Pressekonferenz, stellte aber noch keinen Nachfolger vor.

Der Dank an Oenning und das Bedauern der Vereinsführung war ehrlich gemeint. „Von dieser Seite habe ich immer Unterstützung gespürt“, sagte Oenning, der vor 15 Monaten, nach der Entlassung Thomas von Heesens, vom Assistent zum Chef aufgerückt war. Vertrauen in Oenning, das hatte auch Präsident Franz Schäfer bis zuletzt gefordert, „wir haben den Mut, konsequent zu diesem Kurs zu stehen“, sagte er noch am Samstag.

Am Sonntag war das Makulatur – ein weiteres Mal hatte man eine leblose Elf gesehen, die sich in ihr vermeintliches Schicksal ergab. „Ergebnisse überholen manchmal Aussagen und Pläne“, sagte Präsident Schäfer, der zu Saisonbeginn die Nachfolge des Patriarchen Michael A. Roth angetreten hatte.

Diesmal war man nicht einmal an strukturellen Defiziten gescheitert, einen zähen Abstiegskampf musste man realistisch einkalkulieren, inklusive der Möglichkeit, dass vieles schiefgehen könnte. Gescheitert ist der Versuch in der Teamkabine – dort hat die aktuelle Krise ihren Ursprung. Die Mannschaft ist ihrem Trainer entglitten, zwischen Michael Oenning und den Führungsspielern war eine täglich wachsende Distanz unübersehbar. Es ging um Grundsätzliches: um interne Zweifel daran, ob das Vertrauen in die Entwicklungsfähigkeit dieser Mannschaft noch berechtigt ist.

Oenning gab viel Vertrauen, das ist die Grundlage der Arbeit dieses sehr seriösen Fußball-Lehrers. Er bekam zuletzt zu wenig Vertrauen zurück – auch, weil er in der Anleitung zum Umgang mit Vertrauens eine Spur zu naiv war. Vertrauen sei etwas, das man sich erarbeiten müsse: So hatte es Kapitän Andreas Wolf formuliert. Der Verdacht, dass nicht wenige Spieler Vertrauen indes als Vorschuss betrachteten, lag seit Saisonbeginn nahe, aber Oenning setzte auf die Ernsthaftigkeit im Ausbildungswillen.

Darüber entstand das Klischee vom „zu netten“ Trainer, darüber ist die erfolgreiche Aufstiegs-Mannschaft auseinandergedriftet. Auf der einen Seite standen im (Abstiegs-)Kampf erprobte Profis, auf der anderen Seite die jungen Begabten, die im vorwärtsgewandten, positiven Naturell ihres Trainers einen Appell an spielerische Leichtigkeit in schweren Zeiten sahen – so empfanden es wenigstens manche Wortführer im Team, und zwischen den Fraktionen verloren jene Spieler die Orientierung, für die die Bundesliga eine Schule sein sollte. Schon nach dem 0:4 in Dortmund hatte Wolf erstmals öffentlich die Mentalität des Teams angeprangert und eine ernsthaftere Berufseinstellung gefordert.

Am Ende erfuhr Michael Oenning keinerlei Unterstützung mehr; er konnte sie nicht mehr bekommen von einem Team, das auf dem Platz hilf- und orientierungslos wirkte. Der ehrenwerte Versuch der Führungsetage, am Trainer und seinem Kurs festzuhalten, musste unter diesen Umständen scheitern. Zu spät haben Präsidium und Sportliche Leitung die Signale aus einer Mannschaft erkannt, die nicht willens oder nicht in der Lage war, sich wenigstens auf dem Platz noch zusammenzuraufen. Für die Reife des Teams spricht das nicht – deshalb nun ein „Anti-Oenning“, wie man es formulierte.

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