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1. FC Nürnberg - Hertha BSC 2:2 : Hertha zwischen Glück und Pech

Bundesligaaufsteiger Hertha BSC dreht beim 1. FC Nürnberg nach der Pause einen 0:1-Rückstand in eine 2:1-Führung und greift nach der erneuten Tabellenführung. Doch kurz vor Schluss kassieren die Berliner ein unnötiges Gegentor zum 2:2.

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Wirklich glücklich sieht anders aus: Herthatrainer Jos Luhukay und Ronny, der Torschütze zum 2:1, beim Handschlag nach dem Spiel.Weitere Bilder anzeigen
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18.08.2013 18:13Wirklich glücklich sieht anders aus: Herthatrainer Jos Luhukay und Ronny, der Torschütze zum 2:1, beim Handschlag nach dem Spiel.

Die Ereignisse auf dem Platz machten Jos Luhukay einen Strich durch die Rechnung, aber  das dürfte den Trainer von Hertha BSC in diesem Fall kaum gestört haben. Luhukay hatte Ronny und Sandro Wagner, zwei Offensivkräfte, an die Seitenlinie beordert. Seine Mannschaft lag beim 1. FC Nürnberg 0:1 zurück, doch als die beiden Neuen schon zur Einwechslung bereitstanden, erzielte Sami Allagui den Ausgleich für den Berliner Fußball-Bundesligisten. Luhukay ließ sich davon nicht beirren. Wenig später brachte er Ronny und Wagner trotzdem – „weil wir hoch überlegen waren und noch den einen oder anderen Treffer mehr erzielen wollten“. Der Plan des Holländers wäre beinahe aufgegangen. Bis in die letzte Minute führte der Aufsteiger in Nürnberg, dann traf Hiroshi Kiyotake mit einem direkt verwandelten Freistoß zum 2:2 (1:0)-Endstand.

 

Es war der aufregende Schlusspunkt einer am Ende hitzigen Partie mit sieben Gelben Karten und vielen strittigen Schiedsrichterentscheidungen – wobei die Benachteiligungen durch Guido Winkmann wohl einigermaßen gerecht verteilt worden waren. Alexander Baumjohann hätte sich nicht beschweren dürfen, wenn er kurz nach der Pause für eine Ohrfeige gegen Javier Pinola des Feldes verwiesen worden wäre. „Er hat einen kleinen Fehler gemacht und wurde zum Glück nicht bestraft“, sagte Herthas Kapitän Fabian Lustenberger über die Tätlichkeit seines Kollegen. Über den Elfmeter, den Baumjohann dann nach einer Attacke von Pinola zugesprochen bekam, konnte man streiten; genauso über das angebliche Foul des eingewechselten John Anthony Brooks vor dem Freistoß zum 2:2.

 

Das unglückliche 2:2 in Bildern
Wirklich glücklich sieht anders aus: Herthatrainer Jos Luhukay und Ronny, der Torschütze zum 2:1, beim Handschlag nach dem Spiel.Weitere Bilder anzeigen
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18.08.2013 18:13Wirklich glücklich sieht anders aus: Herthatrainer Jos Luhukay und Ronny, der Torschütze zum 2:1, beim Handschlag nach dem Spiel.

So viele Emotionen waren nach der ersten Hälfte nicht zu erwarten gewesen. Zunächst begegneten sich zwei Mannschaften, die erst einmal darauf bedacht waren, ihrem Gegner nicht allzu viel Freiraum zu gewähren. Das Spiel ließ sich entsprechend schleppend an. Die Nürnberger waren bemüht, den Gästen keinen Platz für ihre gefährlichen Konter zu geben. Trotzdem boten sich den Berlinern einige Möglichkeiten, wenn sie schnell umschalteten. Auch deshalb fand Luhukay: „Wir haben ein sehr gutes Auswärtsspiel gemacht.“ Allein der tunesische Nationalspieler Änis Ben-Hatira fand sich vor der Pause gleich mehrmals in aussichtsreicher Position wieder: Zunächst erwischte er einen Flankenball von Adrian Ramos am langen Pfosten nicht richtig, dann konnte Markus Feulner ihm gerade noch den Ball vom Fuß spitzeln, und einmal scheiterte der Tunesier an Nürnbergs Torhüter Raphael Schäfer.

 

In der Defensive standen die Berliner weitgehend sicher, was allerdings auch daran lag, dass der Club das letzte Risiko scheute. Hinter Herthas neu zusammengeschraubter Viererkette kam Torhüter Thomas Kraft kaum einmal in Bedrängnis. Dabei war aus der Stammabwehr der Berliner nur Sebastian Langkamp übrig geblieben. Neu ins Team rutschten Peter Pekarik, Fabian Holland und Christoph Janker. Neben den beiden verletzten Außenverteidigern Marcel Ndjeng und Johannes van den Bergh fehlte auch John Anthony Brooks, der am Mittwoch in der A-Nationalmannschaft der USA debütiert hatte. „Er ist noch nicht so weit, drei Topspiele in einer Woche zu bestreiten“, sagte Herthas Trainer.

 Gefahr für Hertha BSC bestand vor allem bei Standardsituationen

Gefährlich wurde es für Hertha zunächst nur nach Standardsituationen. Angesichts der Qualität, die der Club dank Kiyotake bei ruhenden Bällen besitzt, stellten sich die Berliner rund um ihren Strafraum allerdings ein wenig sorglos an. Nach 20 Minuten resultierte aus einem seiner gefährlichen Freistöße die beste Chance für die Gastgeber. Der bullige Daniel Ginczek traf per Kopf jedoch nur den Pfosten. Umso ärgerlicher war es für Hertha, dass die Nürnberger gleich mit der ersten herausgespielten Chance in Führung gingen. Ginzcek behauptete den Ball gegen Janker und Holland und spielte dann einen perfekten Pass in den Laufweg des Schweizers Josip Drmic. Gegen dessen Abschluss ins lange Eck hatte Thomas Kraft keine Abwehrchance.

 

Nach der Pause ergriff Hertha entschlossener die Initiative. Der Gegner hingegen zog sich weit zurück. „Wir hatten Nürnberg voll im Griff“, sagte Luhukay. Schon kurz nach Wiederbeginn vergab Adrian Ramos nach einer Flanke des umtriebigen Ben-Hatira eine gute Kopfballchance. Wenig später rettete Feulner erneut in höchster Not, diesmal vor Lustenberger. Herthas Bemühungen wurden belohnt, wenn auch mit etwas Glück. Ein eigentlich harmloser Schuss von Allagui wurde von Berkay Tolga Dabanli ins eigene Tor abgelenkt.

 

Die Nürnberger wirkten geschockt, verloren Ball um Ball und wären nur eine Minute nach dem Ausgleich fast in Rückstand geraten. Baumjohann scheiterte frei stehend an Schäfer. Immerhin verbuchte Baumjohann noch einen Scorerpunkt – weil Pinola bei seinem Rettungsversuch im Strafraum nicht nur den Ball, sondern auch seinen Fuß traf. Den folgenden Elfmeter verwandelte der eingewechselte Ronny zum 2:1. Zum ersten Sieg für Hertha in Nürnberg seit März 2003 reichte es zwar nicht, immerhin aber endete für die Berliner eine Serie von vier Niederlagen gegen den Club. Und auch im Hinblick auf Herthas Erstligatauglichkeit konnte Trainer Luhukay wichtige Erkenntnisse gewonnen: „Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie in der Bundesliga mitreden kann.“ Und dass sie schon so selbstbewusst ihr Wort erhebt, hätten ihr vor zehn Tagen nur wenige zugetraut.

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