1. FC Nürnberg : Keine Schuld dem Trainer

Absolut Alarm: Besser hätte Hans Meyer, der Trainer des 1. FC Nürnberg, die Situation seines Vereins kaum beschreiben können. Sein Job ist trotz Krise sicher.

Michael Neudecker

MünchenDie Frage war gar nicht böse gemeint, lediglich vorsichtig formuliert, weil man Fragen an Hans Meyer eben immer lieber vorsichtig formuliert. Aber sie war wohl etwas zu vorsichtig, weshalb Meyer am Sonntagabend, über eine halbe Stunde nach der 0:3-Niederlage des 1. FC Nürnberg beim FC Bayern, noch immer den Kopf schüttelte. „Da stellt mir einer die dämlichste Reporterfrage überhaupt“, erzählte er, „wir haben sechs Punkte aus neun Spielen und sind Vorletzter, es ist absolut Alarm, und der fragt, ob ich mir Sorgen mache.“ Dann fuhr er fort: „Unglaublich, unglaublich.“ Und das war dann also zugleich die Antwort auf die Frage: Selbstverständlich macht er sich Sorgen – wann, wenn nicht jetzt?

Absolut Alarm: Besser hätte Hans Meyer, der Trainer des 1. FC Nürnberg, die Situation seines Vereins kaum beschreiben können, nicht wahr? Nürnberg, immerhin Pokalsieger und Uefa- Cup-Teilnehmer, hat bislang gerade einen mühsamen 2:1-Sieg gegen Hansa Rostock geschafft, in der Tabelle stehen derzeit 16 Vereine vor Nürnberg und nur Cottbus dahinter. „Uefa-Cup, und ihr steigt ab“, das haben die Fans des FC Bayern am Sonntag gesungen, und, nun ja, so abwegig ist das nicht. Trotzdem: Alarm ist beim 1. FC Nürnberg 2007 relativ.

Früher wurde in Nürnberg bei solchen Gelegenheiten nicht lange diskutiert, sondern der Trainer gewechselt – Präsident Michael A. Roth hat das in 20 Jahren Amtszeit bereits 14 Mal getan. Doch die Teppichhändlerzeit ist vorbei in Nürnberg, heute gelten Sportdirektor Martin Bader und Trainer Meyer als Synonyme des Erfolgs. Dass auf der Hauptversammlung am Montag verkündet wurde, dass der Verein schuldenfrei ist und allein im Uefa-Cup schon rund drei Millionen Euro Einnahmen hat – auch das wird Meyer und Bader zugeschrieben. Und deshalb ist es in Nürnberg mittlerweile so: Wenn der Klub schlecht spielt, sind alle schuld, nur nicht der Trainer.

Immerhin gibt es tatsächlich einige Gründe für den Misserfolg, die mit Meyer eher wenig zu tun haben: die gesteigerten Erwartungen nach dem Überraschungserfolg vom Vorjahr etwa, oder die Verletzungen von Leistungsträgern. Abwehrspieler Dominik Reinhardt führt noch eine weitere Ursache an: „Wir sind auf dem Platz keine Gruppe.“ Doch so funktionieren Fußballmannschaften nun mal: Läuft es gut, liegen sich alle in den Armen, läuft es schlecht, werden gute Freunde schnell zu Konkurrenten.

Und so bleibt den Nürnbergern nur eins: Hoffen auf den Uefa-Cup. Dort durften sie bislang, was ihnen in der Bundesliga zumeist verwehrt blieb: jubeln.

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