1. FC Nürnberg : Wenn die Psyche mitspielt

Die Situation ist prekär. Normalerweise greifen die "marktüblichen" Mechanismen. Der 1. FC Nürnberg jedoch lehnt eine Trainerdebatte ab.

Richard Leipold
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"Club"-Trainer Hans Meyer unter Druck.Foto: ddp

Bielefeld - In Bielefeld beschäftigten sich nachher viele Menschen mit einer rein hypothetischen Frage. Die lautete: Was wäre wohl gewesen, wenn die Arminia gegen den 1. FC Nürnberg verloren hätte? Hätte es personelle Konsequenzen gegeben für Trainer Ernst Middendorp? Nun hatte aber der 1. FC Nürnberg verloren: 1:0 führten die Franken zwar zur Pause, 1:3 stand es am Ende. Und eigentlich verlagerte sich die Bielefelder Fragestellung damit auf die Gegenseite. Doch die Nürnberger lassen derzeit noch keine Trainerdiskussion an sich heran, obwohl sie sich auf einem Abstiegsplatz eingenistet haben.

„Wir haben jetzt wahnsinnigen Druck, aber wir werden keine Trainerfrage stellen“, sagte Sportdirektor Martin Bader. Hans Meyer ist eine ähnlich starke Persönlichkeit wie Middendorp, wenn auch mit anderen, oft feinsinnigeren Nuancen. Aber auch Meyer ist der Ernst der Lage bewusst. Sein Hang zu Sprüchen und Späßchen wird geringer. Er begrüße die Ruhe im Verein, auch wenn „ruhiges Arbeiten etwas Relatives ist“. Bei fünf Punkten Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz liege die Dramatik in der Natur der Sache, sagte der Trainer der Nürnberger, da brauche er keine Krakeeler als zusätzliche Ruhestörer.

Noch kann es sich Meyer erlauben, die Gefahr (auch) mit Sachargumenten zu begründen. Im Sturm fehle aufgrund diverser Verletzungen die Durchschlagskraft, sagte er. „Wir sind vorne ohne Zähne.“ Aber auch in der Abwehr gelang es den Franken, nominell noch deutscher Pokalsieger, nach der Halbzeit nicht mehr, den Druck des Gegners zu mindern. „Wir haben aufgehört, Fußball zu spielen“, sagte der formschwache Stürmer Iwan Sajenko. Hans Meyer weiß, dass bei Nürnberg längst nicht mehr nur das Fußballerische zählt, „inzwischen kommt auch die Psyche dazu“, sagt er. Richard Leipold

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