1. FC Union : Alles neu an der Alten Försterei

Ist Berlins Drittligist 1. FC Union schon reif für die Zweite Liga? Ein Aufstiegs-Check.

Karsten Doneck,Matthias Koch

Nun ist es offiziell: Der 1. FC Union will in die Zweite Fußball-Bundesliga aufsteigen. Der Tabellenführer der Dritten Liga tritt am Samstag (14 Uhr) in Unterhaching an. Wir untersuchen, ob der Klub schon fit für den Aufstieg ist.

Die Mannschaft: Der 1. FC Union war in einigen Spielen nicht besser als der Gegner – aber cleverer. Das Team ist eben eingespielt, erfahren und homogen. Gegenüber der Vorsaison wurde die Stammelf nur punktuell durch Patrick Kohlmann (Erfurt) und Hüzeyfe Dogan (Wuppertal) ergänzt. „Da jede Position doppelt gut besetzt ist, gibt es einen großen Konkurrenzkampf“, sagt Sportchef Christian Beeck zufrieden. Bislang konnten so die zahlreichen Sperren und Verletzungen kompensiert werden. Für den Aufstieg reicht das allemal.

Der Trainer: Uwe Neuhaus passt zum bisweilen selbstverliebten Umfeld des Kultklubs, die nötige Distanz zu seiner Aufgabe verliert er dennoch nicht. Der 48-Jährige Chefcoach lässt sein Team variabel mit einer Dreier- oder Viererabwehrkette spielen. Mit ihm sowie Kotrainer André Hofschneider und Torwarttrainer Holger Bahra arbeiten drei frühere Spieler aus Bundesliga und DDR-Oberliga zusammen. Angesichts von zwölf Partien in Serie ohne Niederlage hat Uwe Neuhaus seine verbale Defensivtaktik aufgegeben: Auch er macht sich jetzt mit dem Gedanken an den Aufstieg vertraut.

Das Management
: Die Zeit der Skandale scheint vorbei. Präsident Dirk Zingler hat den Laden im Griff, auch wenn die enge Verflechtung der handelnden Personen in Vorstand, Aufsichtsrat und Stadionbetreibergesellschaft Kontrollmechanismen erschweren dürfte. Im sportlichen Bereich hat sich Manager Christian Beeck etabliert. Manchmal tritt er in Verhandlungen so beinhart auf wie früher als Verteidiger in Cottbus. Die Vertragsverlängerung mit Stürmer Biran (bis 2011) könnte wegweisend für die Verhandlungen mit weiteren Leistungsträgern sein.

Das Stadion
: Als Prenzlauer Berg einst zu Berlins Szenebezirk mutierte, wandelte sich dort manche finstere Eckkneipe zur gediegen illuminierten Bar. So ähnlich ergeht es derzeit dem Stadion an der Alten Försterei. Die Sanierung soll Anfang des neuen Jahres abgeschlossen sein, das stimmungsvolle Stadion wäre dann zweitligatauglich, 19 900 Zuschauer passen nach Abschluss des ersten Bauabschnitts rein, später – wenn auch die Westtribüne steht – werden es 23 000 sein. Schöner Nebeneffekt: Union erhöht sein Anlagevermögen auf einen Schlag um drei Millionen Euro. Das ist gut, wenn man bei der Bank um Kredite betteln geht.

Die Finanzen: Welchem Fußballverein geht es wirtschaftlich schon richtig gut? Der 1. FC Union ist da nicht die rühmliche Ausnahme. Aber unter Dirk Zingler betreibt der Klub eine seriöse Finanzpolitik, die kurzfristigen Verbindlichkeiten von 967 712 Euro sind nicht existenzbedrohend. Auf der Ausgabenseite wird sich Union bei 5,8 Millionen Gesamtschulden freilich weiter defensiv verhalten müssen, großspurige Transfers passen aber ohnehin nicht mehr zum Klubkonzept.

Die Stimmung: Die Stimmung in der Alten Försterei hat Achim Mentzel schon zu DDR-Zeiten mal mit schnarrender Stimme auf Schallplatte besungen. Die Union-Fans sind aufmüpfig und laut, fröhlich und frech, leidenschaftlich und ungeduldig – und sie sind ihrem Verein unendlich treu. Dass ein paar Typen den sonst guten Ruf der Union-Fans durch Krawalle schon manches Mal in Mitleidenschaft gezogen haben, wird in den eigenen Reihen mitunter scharf verurteilt – die Union-Fans sind bereits zweitligareif.

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