Sport : 1. FC Union: Auch Fußbälle eingepackt

Karsten Doneck

Das silbergraue Audi TT Cabrio, flott anzuschauen, fuhr um 9.11 Uhr in der Wuhlheide vor. Dem Auto entstieg Harun Isa. Ein kurzer Gruß zu allen Anwesenden, dann hastete er Richtung Kabine. Eile tat Not: Isa war beim Trainingsauftakt des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union zur neuen Saison spät dran, und zwar genau elf Minuten zu spät. Fraglich indes, ob das überhaupt auffiel. Schließlich herrschte in der Union-Kabine ziemlicher Andrang. Gleich 31 Spieler streiften sich dort rote Sporthosen und ebenso rote Trikots über, um danach bei einem Waldlauf die Urlaubsmüdigkeit aus den Knochen zu schütteln. Stürmer Isa konnte also gut untertauchen.

Zum Thema Online Spezial: Unions Weg in die Zweite Liga Und längst nicht jeder (er)kannte jeden. Union hatte schließlich acht (noch) wenig berühmte Spieler zu einem Probetraining geladen, "alles Stürmer", wie Vizepräsident Bernd Hofmann versicherte. Der Schmerz, künftig auf Torjäger Daniel Teixeira verzichten zu müssen, scheint bei Union noch allgegenwärtig zu sein. Sechs der acht Gastspieler erschienen gestern, darunter mit Martin Hauswald von Tennis Borussia und Christian Reincke aus Bismark zwei Deutsche sowie mit Janilson Brito da Silva und Forminga Machados zwei Brasilianer. Ein Nigerianer namens Mike Okalje wird "wegen angeblicher Probleme mit dem Visum" (Hofmann) seine Künste bei Union nicht vorführen können, und Ferdinand Chifon aus Kamerun wurde erst am Abend erwartet.

Die sieben Stürmer werden in dem fünftägigen Trainingslager in Trappenkamp, zu dem der Kader gestern Mittag per Bus aufbrach, einem strengen Ausleseverfahren unterzogen. Bernd Hofmann sagt: "Wenn zwei, drei Leute unseren Ansprüchen genügen, werden sie auch noch nach Rotenburg mitgenommen. Und von denen wird dann einer verpflichtet, mehr nicht." In Rotenburg an der Fulda will sich Union vom 9. bis 21. Juli den Feinschliff für die Zweite Liga holen.

Egal, wer am Ende von den Probetrainierenden den Zuschlag erhält: Am Finanziellen wird ein Transfer nicht scheitern. Union hat klug vorgesorgt. "Wir haben bei allen sieben Spielern die Ablösesummen und das Gehalt bereits ausgehandelt", verrät Hofmann. Die Kostenobergrenze für den neuen Stürmer hat Union auch schon festgelegt: Sie liegt bei 150 000 Mark.

Der Trainingsauftakt fand ohne den General statt. Trainer Georgi Wassilew, Spitzname: der General, hielt sich noch in seiner Heimat in Bulgarien auf, landete erst abends in Berlin und fuhr dann im Pkw der Mannschaft hinterher nach Trappenkamp. Dass Wassilew dort nicht nur, wie von manchen Spielern befürchtet, Kraft und Kondition bolzen lassen wird, erkannte zumindest Unions Stadionsprecher André Rolle schon beim Beladen des Busses in der Wuhlheide deutlich. "Was denn, Blüthe?" flachste Rolle, als er sah, wie Physiotherapeut Blüthmann zwei vollgestopfte Netze zum Bus schleppte, "ihr nehmt ja doch Bälle mit."

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