1. FC Union : Aus jung mach alt

Michael Bemben und Marco Gebhardt waren bei Union eigentlich schon aussortiert, doch die Routiniers haben sich mit guten Leistungen zurück in den Kader gespielt.

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Zurück im Spiel. Michael Bemben stand gegen Aachen in der Startelf. Foto: Camera4
Zurück im Spiel. Michael Bemben stand gegen Aachen in der Startelf. Foto: Camera4Foto: camera4

Und plötzlich war alles beim Alten. Plötzlich hatte sich der 1. FC Union einfach zurückversetzt in bessere Zeiten. Es bedurfte nur ein paar personeller Veränderungen und schon stand am Sonntag mit einer Ausnahme die Mannschaft auf dem Platz, die in der vergangenen Saison so furios in die Zweite Liga aufgestiegen war – und die sich zu Beginn dieser Saison so unbekümmert durch eben jene Spielklasse bewegt hatte. Trotzdem vermochte es diese Mannschaft nicht, das positive Flair der Vergangenheit in die fußballerische Gegenwart zu transferieren: Am Ende brachte auch sie es nur zum einem biederen 0:0 gegen Alemannia Aachen.

Damit setzte der neue alte Kader der Köpenicker die Tendenz der zurückliegenden Spiele fort. Seit Wochen kämpfen die Profis um die ominösen 40 Punkte, die gemeinhin als Grenze für den Klassenerhalt gelten – seit Wochen kämpfen sie vergebens. Nur mühsam kommen die auf Tabellenplatz zehn liegenden Berliner ihrem Saisonziel näher. Dass sie deshalb nun aber sogar auf Spieler setzen, die sie eigentlich schon aussortiert hatten, ist erstaunlich. In der Winterpause war den Routiniers Michael Bemben und Marco Gebhardt freigestellt worden, den Klub zu verlassen. Doch statt für einen anderen Verein aufzulaufen oder die Karriere zu beenden, spurten sie nun wieder für die Berliner. „Natürlich bin froh, dass ich spiele“, sagt Bemben. „Und ich versuche es, so gut wie möglich zu machen.“

Bemben noch einer der Aktivposten

Diese Ambition war am Sonntagnachmittag nicht zu übersehen: Michael Bemben gehörte noch zu den aktivsten Spielern eines ansonsten eher uninspiriert auftretenen Teams. Auf seiner rechten Seite wirkte er, als ginge es um seine Existenz; er forderte die Bälle. Und als der Berliner Sturm sich anscheinend längst mit dem torlosen Remis abgefunden hatte, probierte sich der Abwehrspieler in der Schlussphase auch noch im Toreschießen – sein Versuch landete jedoch über dem Aachener Tor. Der 34-Jährige unterstrich mit seinem Auftritt, dass er trotz seiner zeitweiligen Nichtberücksichtigung gar keine Lust hat, für einen anderen Klub zu spielen. „Ich bin gerne hier“, sagt Bemben. „Aber nicht nur, um auf der Bank zu sitzen.“ So geht es auch Marco Gebhardt, 37 Jahre alt, der am Sonntag früh für den verletzten Michael Parensen in die Begegnung kam. Parensen fällt mit einem Teilanriss des Innenbandes im Knie sowie einer Meniskusverletzung wohl für den Rest der Saison aus.

Verletzungssorgen, Sperren und die jüngste Bilanz – nur zwei der zurückliegenden 16 Partien gewann Union – zwangen Uwe Neuhaus zur Wiedereingliederung der verstoßenen Spieler. Der Trainer will zwar nichts davon wissen, dass Teile seiner Mannschaft abgeschrieben worden sind, dennoch hatte er die Routiniers zwischenzeitlich nicht mal für die Ersatzbank vorgesehen. „Sie mussten sich nur hinten anstellen“, sagt Neuhaus. Von dort aus sind sie nun wieder in die erste Reihe gerückt. Fragt sich nur, wie lange der Trend in Richtung Erfahrung in Berlin-Köpenick anhalten wird? Vieles deutet lediglich auf eine Übergangslösung hin.

Oft genug haben die Verantwortlichen des Klubs signalisiert, dass nach dem Ende der Saison für ältere Akteure wie Bemben, Gebhardt und Younga-Mouhani kein Platz mehr ist. Man setzt bei Union künftig auf die Jugend. Dieser Umbruch, den die Köpenicker mit den Neuverpflichtungen vor der laufenden Spielzeit und in der Winterpause angekurbelt hatten, scheint im Kampf um die vier noch fehlenden Zähler bis zum Erreichen der 40 Punkte einfach nur pausieren zu müssen. Vielleicht auch der alten Zeiten wegen.

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