Sport : 1. FC Union Berlin: Das große Schweigen

André Görke

So ein Abend daheim, kurz vor Weihnachten, könnte eigentlich ganz erträglich sein. Wäre da nicht der leidige Job. Nun ist der von Marko Tredup und Christian Fährmann zwar recht angenehm im Gegensatz zu anderen, zufrieden sind die beiden Fußballer des 1. FC Union aber keineswegs. Da kämpfen die Köpenicker als Dritter der Regionalliga um den Aufstieg in die Zweite Liga und treffen morgen (19 Uhr, Stadion Alte Försterei) im Viertelfinale des DFB-Pokals auf den VfL Bochum. Doch mitspielen werden die beiden vermutlich nicht. Im Gegenteil. Laut Unions Präsident Heiner Bertram dürfen sie "sofort wechseln".

Dafür liebäugelt Union mit der Verpflichtung des Argentiniers Sergio Bustos vom Dresdner SC. Zumindest für die nächste Saison. Union und der Mittelfeldspieler sind sich wohl einig, nur die Ablösesumme ist noch strittig. Die Dresdner verlangen angeblich 250 000 Mark.

Vielleicht hat Bustos in der Wuhlheide ja mehr Glück als Marko Tredup. Der kickt noch nicht einmal ein halbes Jahr in Köpenick. Erst nachdem Tennis Borussia die Zweitliga-Lizenz entzogen wurde, wechselte der 26-Jährige zum Erzrivalen Union. Bei den Charlottenburgern hatte Tredup in der vorigen Zweitliga-Saison 29 Spiele bestritten. Tredup war einer der wenigen Leistungsträger bei TeBe. Doch für Union scheint es nicht zu reichen. In dieser Saison kam Tredup auf schlappe elf Liga-Einsätze, wurde zweimal im DFB-Pokal eingewechselt. Für alle Beteiligten eine unbefriedigende Bilanz. "Ich weiß nicht, warum ich nicht spiele", sagt Tredup enttäuscht.

Selbst als Union kürzlich im Paul-Rusch-Pokal gegen den Bezirksligisten Norden Nordwest 98 kickte, ließ Union-Traier Georgi Wassilew andere ran. Tredup wurde erst nach einer Stunde eingewechselt, kann nicht einmal bei lockeren Pflichtaufgaben sein Können zeigen. "Wassilew wollte mich haben, bis jetzt hat er aber noch nicht ein Wort mit mir gesprochen." Aber mosern bringt nichts, "ich ziehe das hier durch." Tredups Vertrag läuft am Saisonende aus. Steigt Union auf, verlängert er sich um ein Jahr. Und das Spiel gegen Bochum will er sich auch nicht nehmen lassen. "Da kommen hier vielleicht 15 000 Leute. Das gibt eine tolle Stimmung."

Doch das erste große Spiel unter Flutlicht in der Alten Försterei wird vermutlich auch sein letztes sein - zumindest im Union-Trikot. TeBe zeigt Interesse. "Er kann sich vorstellen, wieder bei uns zu spielen", hat TeBe-Geschäftsführer Plassman verkündet. Außerdem soll auch Christian Fährmann ein interessanter Mann für die "Veilchen" sein.

Doch Fährmann winkt ab. Der sagt: "Nein, TeBe wird es mit Sicherheit nicht." Mit dem Kapitel Union hat er aber endgültig abgeschlossen. Vor ein paar Tagen habe ihm Union-Manager Oskar Kosche gesagt, dass der Trainer ohne ihn plane. Von Wassilew selbst hat auch er kein Wort gehört.

Der 24-Jährige war zu Saisonbeginn vom Zweitligisten Karlsruher SC zu Union gewechselt, sammelte bei Hertha BSC sogar Erstliga-Erfahrung. Doch für einen Drittligisten soll es auch bei ihm nicht reichen. Fährmann kam auf zehn Einsätze. Der letzte dauerte ganze 34 Minuten. Dann wurde er gegen den Lüneburger SK ausgewechselt, Union verlor 1:2. "Ich weiß, dass es nicht an meiner Leistung liegen kann", sagt Fährmann. Auch er ist enttäuscht vom Trainer. "Er hätte mir nur einmal einen Grund nennen können, warum ich nicht spiele", sagt Fährmann. "Ich werde vermutlich nach Westdeutschland wechseln."

Gegen Bochum wird er auf der Bank sitzen. Oder auf der Tribüne. Davon geht Fährmann aus. Warum er dort sitzt, weiß er nicht. Nur, dass es bei dem Wetter zu Hause vielleicht angenehmer sein könnte.

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