Sport : 1. FC Union Berlin: Die Millionarios von der Wuhlheide

Karsten Doneck

Wann immer Tennis Borussia in der vorigen Saison, seinerzeit noch als Fußball-Zweitligist, in der Fremde aufkreuzte, tauchte im Programmheft der Begriff von den "Millionarios" auf. Der Berliner Rivale 1. FC Union, ohnehin nur Drittligist, das waren stets die armen Burschen. Diese Zeiten haben sich grundlegend geändert. Die "Lübecker Nachrichten" räumten in ihrer Sonnabend-Ausgabe in einem Kommentar dem VfB Lübeck gute Chancen ein, "die Millionarios zu besiegen". Gemeint war der 1. FC Union. Das Spitzenspiel der Regionalliga Nord - eine Art Klassenkampf also? Wohl kaum. Union wirtschaftet in dieser Saison mit 11,5 Millionen Mark, der VfB Lübeck muss mit 4,5 Millionen auskommen. Angeblich. Nicht ausgeschlossen, dass die Summe der Lübecker nur jene ist für die Öffentlichkeit.

Das Schöne am Fußball ist indes, dass die Höhe des Etats nicht zwangsläufig Auswirkungen auf das Ergebnis hat. So bezwang am Sonnabend vor 7200 Zuschauern der Ärmere den Reicheren. Der 1:0-Sieg des VfB Lübeck, erzielt durch Kai Achilles in der 88. Minute nach einem Freistoß, versetzte Union in Niedergeschlagenheit. "Wir waren die bessere Mannschaft", stellte Unions Trainer Georgi Wassilew zwar trotzig fest, doch auch er wusste, dass nun mal die Kür in keiner Fußball-Tabelle Berücksichtigung findet. Pflicht war für Union nach dem peinlichen 1:2 gegen den Lüneburger SK zumindest ein Punkt an der Lübecker Lohmühle. Der wurde verpasst.

Millionarios hin, Millionarios her: der 1. FC Union untermauert wieder mal seinen Ruf als "die Unaufsteigbaren". Zwar liegt die Mannschaft nur zwei Punkte hinter einem Aufstiegsplatz, aber Mittelfeldspieler Ronny Nikol lässt sich dadurch nicht blenden: "Wir haben ja schon ein Spiel mehr als die beiden Führenden", sagte er. Unions Spiel krankt besonders in der Offensive. Bei allen optischen Vorteilen, die der Gast in Lübeck hatte, sprangen kaum Torchancen heraus. "Die Fans haben ein sehr gutes, interessantes Spiel gesehen", konstatierte Wassilew. Auf die Kosten kamen freilich nur die, die sich an taktischen Planspielen erfreuen. Wer viele packende Strafraumszenen erwartete, ging eher bitter enttäuscht heim.

Völlig frustriert waren einige der etwa 800 mitgereisten Union-Fans. Sie hatten schon unmittelbar zum Anstoß mit einer Rauchbombe ihren Block eingenebelt und gerieten dann ob der Niederlage außer Fassung. Sie randalierten im Stadion, unternahmen Versuche, schon kurz vor Beendigung der Partie den Platz zu stürmen und wollten, als ihr irres Vorhaben glücklicherweise scheiterte, unbedingt den Zaun umreißen. Polizei und Ordner griffen massiv ein, brauchten nur ein paar Minuten, um einen geordneten Abzug der Union-Fans in die Wege zu leiten. Ein armer Abgang der Fans der Millionarios.

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