Sport : 1. FC Union Berlin: Ein Montag bei der Mannschaft

Claus Vetter

Man stelle sich vor, Oliver Kahn und Samuel Kuffour waschen sich nach dem Training vor dem Finale der Champions-League die Füße und plötzlich taucht neben ihnen eine nackte Blondine unter der Brause auf. Was unmöglich bei den Bayern aus München erscheint, das ist in Berlin-Köpenick allemal möglich.

Bevor geduscht wird, ist Aufregung angesagt beim 1. FC Union. Am Montagmorgen ist es nämlich ungewohnt eng auf dem Trainingsgelände in der Wuhlheide. Rund 50 Journalisten warten darauf, dass endlich etwas passiert. Da ergreift Unions Präsident die Initiative. Heiner Bertram pfeift. Mit knapper Gestik, aber bestimmter Miene werden die anwesenden Journalisten gebeten, sich in einer Reihe aufzustellen. "Irgendwie haben das die Leute von der Werbeagentur nicht so richtig in den Griff gekriegt", sagt Bertram, "aber die sind ja noch jung." Ein kleines Missverständnis. Bertram hatte einer Zeitung dieser Stadt exklusiv ein Bild versprochen und zwar ein ganz spezielles. Auf dem Mannschaftsfoto des 1. FC Union sollte jemand posieren, der gar nicht zur Mannschaft gehört. Sonya Kraus, hauptberuflich Fernsehmoderatorin und nebenbei Model für ein Herrenmagazin.

Zum Thema Online Spezial: Der Weg in die Zweite Liga Eingefädelt hat den Deal die Agentur "Punktkommunikation", Bertrams "junge Leute" eben. Doch die Exklusivität hält sich in Grenzen - Unions Geschäftsführer Bernd Hofmann hat über die Agentur alle möglichen Medien einladen lassen. Die wollen fünf Tage vor dem DFB-Pokalfinale am Sonnabend im Berliner Olympiastadion natürlich nicht nur Bildchen von irgendeiner Blondine, sondern harte Informationen.

Irgendwie kriegt Union den Vormittag doch noch halbwegs über die Bühne. Auch weil die Blondine schließlich den Weg in die Alte Försterei findet. Als Entschädigung für die Verspätung krabbelt die Dame mit in die Umkleidekabine des 1. FC Union. Und da passiert es dann. "Die ist unter der Dusche mit ein paar Spielern", versichert Karsten Lutz, Chef der Agentur: "Sie ist nackt - mit viel Seife und noch mehr Fotografen."

Wie passt das zu dem, was Bertram noch kurz zuvor als Ziel für das DFB-Pokalfinale postuliert hat? "Wir wollen uns", so der Präsident, "darstellen als der kleine, tapfere Verein aus dem Osten der Stadt, der Freude macht und den Leuten ihr Selbstbewusstsein zurückgibt."

Union wird vorerst weiter neben dem Spielfeld für Aufmerksamkeit sorgen. Am Mittwoch schaut Bundeskanzler Gerhard Schröder beim Training vorbei. Hilft das bei der Vorbereitung auf ein nicht ganz so unwichtiges Pokalspiel?

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