• 1. FC Union Berlin gegen RB Leipzig: Emotional aufgeladen gegen den Lieblingsfeind

1. FC Union Berlin gegen RB Leipzig : Emotional aufgeladen gegen den Lieblingsfeind

Dem 1. FC Union kommt das Spiel gegen RB Leipzig gelegen - nicht nur wegen der heißen Atmosphäre im Stadion an der Alten Försterei.

von
Vor einem Jahr gab es für Union einen richtungsweisenden 2:1-Heimsieg gegen Leipzig.
Vor einem Jahr gab es für Union einen richtungsweisenden 2:1-Heimsieg gegen Leipzig.Foto: picture alliance / dpa

Wer Freitag um kurz nach halb sieben die Alte Försterei passiert, soll nicht merken, dass in dem Stadion ein Fußballspiel stattfindet. So jedenfalls wünschen es sich die Anhänger des 1. FC Union. Sie wollen nicht singen, nicht anfeuern, nur andächtig schweigen – zumindest während der ersten 15 Minuten. Weil der Gegner RB Leipzig es aus ihrer Sicht nicht verdient, wie eine ganz normale Mannschaft behandelt zu werden. Der Verein ist eng an einen Getränkehersteller gebunden und dient dem Konzern als Werbeplattform. In dieser Deutlichkeit ist das bei keinem anderen Klub im deutschen Profifußball der Fall.

Unions Fangruppe „Wuhlesyndikat“ hat zu der Protestaktion aufgerufen, die womöglich noch mehr als nur 15 Minuten Schweigen enthält. Das jedenfalls deutete Unions Sprecher Christian Arbeit an. Außerdem sollen die den Gastgebern zugeneigten Besucher in möglichst knallig roter Kleidung erscheinen, um ihre Zugehörigkeit zum 1. FC Union noch stärker herauszustellen. In der vergangenen Saison war die Gewichtung eine andere, damals kamen viele der Berliner Fans in schwarzen Plastiksäcken. Auf diese Weise wollten sie ausdrücken, dass der Fußball ihrer Meinung nach durch Konstrukte wie RB stirbt.

RB Leipzig ist auch im zweiten Jahr seiner Zugehörigkeit zur Zweiten Liga noch immer das Lieblingsfeindbild aller anderen. Der FC St. Pauli löschte kürzlich vor dem Spiel gegen RB das Leipziger Logo von seiner Internetseite.

Im vergangenen Jahr gelang Union gegen RB Leipzig der erste Saisonsieg

Dem 1. FC Union kommt das emotionale Aufladen des Heimspiels am Freitag (18.30 Uhr/live im Ticker bei Tagesspiegel.de) sehr entgegen. „Für die Fans ist es etwas Besonderes, das ist allen Spielern klar. In dieser Hinsicht muss ich niemanden zusätzlich motivieren“, sagt Trainer Norbert Düwel. Er hofft, dass seine Mannschaft in der hitzigen Atmosphäre über sich hinaus wächst und ihr endlich der erste Saisonsieg gelingt. „In solchen Spielen haben wir immer gut ausgesehen“, sagt Düwel. So war es auch im vergangenen Jahr, als Union am sechsten Spieltag zum ersten Mal gewinnen konnte. Der Gegner damals: RB Leipzig.

Protestaktionen gegen RB Leipzig
Stumm und ganz in Schwarz: So zeigten die Fans von Union Berlin in den ersten 15 Minuten ihres Heimspiels gegen RB Leipzig ihre Ablehnung gegen Retortenklub des Getränkeherstellers Red Bull. Doch auch andernorts setzten die Fans bereits Zeichen - hier eine Auswahl:Weitere Bilder anzeigen
1 von 11Foto: dpa
21.09.2014 16:43Stumm und ganz in Schwarz: So zeigten die Fans von Union Berlin in den ersten 15 Minuten ihres Heimspiels gegen RB Leipzig ihre...

„Für uns war das ein entscheidender Schritt nach vorn, auch wenn wir im Anschluss noch nicht gleich eine Siegesserie starten konnten“, sagt Düwel. Die kam erst später im Oktober, Union kämpfte sich vom vorletzten Tabellenplatz langsam ins gesicherte Mittelfeld vor. Das Heimspiel war ein Wendepunkt, nicht nur für den 1. FC Union. Leipzig verlor damals zum ersten Mal seit langer Zeit wieder ein Punktspiel. „Das Ergebnis hat der Liga den Impuls gegeben, dass Leipzig schlagbar ist“, sagt Düwel. RB, für viele Experten schon vor der vergangenen Saison ein Topfavorit um den Aufstieg, geriet ins Straucheln und verpasste am Ende das anvisierte Ziel. „Wenn man sieht, dass RB trotz des gewaltigen Etats am Ende nur drei Punkte vor uns war, können wir nicht so viel falsch gemacht haben“, sagt Düwel, für den der Gegner erster Aufstiegsanwärter ist.

RB Leipzig ist der Topfavorit in der Zweiten Bundesliga

Union will die Begegnung trotzdem mutig angehen. „Es ist unser Bestreben, dass es wieder zu einem offenen Schlagabtausch kommt“, sagt Düwel, der sein Personal für solche Art von Spielen für besonders geeignet hält, ganz egal, wer spielt. Verteidiger Benjamin Kessel kann nicht dabei sein. Er ist gesperrt, für ihn könnten Toni Leistner oder Roberto Puncec von Beginn an auflaufen. Auch Stephan Fürstner, gegen 1860 München noch Bankdrücker, steht womöglich vor einer Rückkehr ins Team. Abgesehen von Kessel kann Unions Trainer auf alle Spieler zurückgreifen.

Ob er nicht von solchen Möglichkeiten träume, wie sie sein Kollege Ralf Rangnick in Leipzig hat, wurde Düwel unter der Woche gefragt. „Klar, jeder Trainer der Welt macht das. Wir haben vielleicht nicht ganz so viel Geld, aber wir machen das mit anderen Dingen wett“, sagt er und meint Hingabe, Einsatzbereitschaft und den Willen seiner Spieler, im sehr wahrscheinlich ausverkauften Stadion über sich hinauszuwachsen. Mentalität, da ist sich Düwel sicher, schlage manchmal auch Qualität.

So könnte Union spielen: Haas – Trimmel, Leistner, Parensen, Schönheim – Fürstner – Brandy, Skrzybski, Kreilach, Thiel – Wood.

Autor

9 Kommentare

Neuester Kommentar