1. FC Union Berlin : Konkurrenz belebt den Aufstiegskampf

Der 1. FC Union hat seinen Kader im Sommer deutlich verbessert. Für einige Profis bleibt beim Heimdebüt am Freitag gegen Kiel nur ein Platz auf der Tribüne.

Festgespielt. Simon Hedlund (rechts) genießt in Unions Offensive das Vertrauen von Trainer Jens Keller.
Festgespielt. Simon Hedlund (rechts) genießt in Unions Offensive das Vertrauen von Trainer Jens Keller.Foto: Matthias Balk/dpa

Am vergangenen Wochenende hatte Michael Parensen frei. Eine Nachricht, die beim Großteil aller Arbeitnehmer für Begeisterung sorgen würde, ließ den Fußballprofi vom 1. FC Union Berlin enttäuscht zurück. Frei zu haben heißt in seinem Fall immer, nicht gut genug gewesen zu sein. Für Fußballer kommt das Training einem Qualifikationswettbewerb gleich und wer es nicht in die Mannschaft schafft, muss am Spieltag eben zusehen. Parensen, mit 194 Einsätzen Unions Rekordspieler der Zweiten Liga, war beim Auftakt in Ingolstadt nicht der einzige prominente Urlauber auf Berliner Seite. Auch Fabian Schönheim, ehemaliger Kapitän und Dennis Daube, der einst mit großen Erwartungen vom FC St. Pauli kam, durften die Reise nach Bayern nicht mit antreten. Dass die Mannschaftskollegen mit einem 1:0-Sieg und drei Punkten heimkehrten, lässt für das Trio in naher Zukunft kaum Hoffnung auf Besserung der eigenen Situation zu.

Wenn Union am Freitag Holstein Kiel zum ersten Heimspiel in der Alten Försterei empfängt (18.30 Uhr), werden Parensen, Schönheim und Daube vermutlich von der Tribüne aus zusehen müssen. Da hilft es auch keinem der drei, dass Neuzugang Akaki Gogia wegen einer Fersenprellung weiter ausfällt.

Der Konkurrenzkampf bei Union ist gewaltig. Kaum eine Mannschaft in der Zweiten Liga kann auf einen derart ausgeglichenen und breiten Kader zurückgreifen. Alle Positionen sind nahezu doppelt und gleichwertig besetzt. Eine absolute Luxussituation für Trainer Jens Keller, der abgesehen von Gogia keine Ausfälle zu beklagen hat. Über Spieler, wie sie Keller hat, würden viele seiner Kollegen gern verfügen. Parensen, Schönheim oder Daube wären vermutlich mindestens bei der Hälfte aller Zweitligisten Stammspieler. „Unions Mannschaft verfügt über sehr viel Qualität. Es sieht so aus, als ob sie im Vergleich zur letzten Saison noch stärker geworden ist“, sagt Dresdens Trainer Uwe Neuhaus.

Überholt. Michael Parensen war bei Union lange Stammspieler, beim Saisonauftakt stand er nicht einmal im Kader.
Überholt. Michael Parensen war bei Union lange Stammspieler, beim Saisonauftakt stand er nicht einmal im Kader.Foto: Soeren Stache/dpa

Keller muss so früh in der Saison, wo fast alle einsatzfähig sind, aussieben und darauf hoffen, dass kein Unmut entsteht. In der vergangenen Saison setzte er größtenteils auf eine eingespielte Mannschaft, im Vergleich zu einigen Kollegen ließ er nur sehr wenig rotieren. Unions Trainer ist jemand, der den Spielern seiner Wahl viel Vertrauen entgegenbringt und sie nach schwächeren Leistungen nicht gleich aus der Mannschaft nimmt.

Union sucht weiter einen Rechtsverteidiger

Was den betroffenen Spielern im Fall einer Formkrise dann hilft, ist für ihre Konkurrenten umso frustrierender, weil sie auch dann nur wenig Chancen auf Einsatzzeit haben. Aus diesem Grund verlieh Union auch zwei seiner Talente, damit sie andernorts Spielpraxis bekommen. Eroll Zejnullahu wird in dieser Spielzeit das Trikot des SV Sandhausen tragen, Christopher Lenz spielt wie schon vergangenes Jahr für den heutigen Gegner Holstein Kiel. Dass Lenz, der als Linksverteidiger bei Union hinter Kristian Pedersen, Peter Kurzweg und Michael Parensen vermutlich nur vierte Wahl wäre, noch einmal zu den Köpenickern zurückkehrt, gilt als sehr unwahrscheinlich.

Auch Fabian Schönheim hat momentan kaum Chancen auf Einsätze.
Auch Fabian Schönheim hat momentan kaum Chancen auf Einsätze.Foto: Becker / dpa

Keller versucht es mit lobenden Worten für die Reservisten: „Ohne die Mannschaft vom letzten Jahr schlecht zu machen, haben wir jetzt unglaublich viel Qualität dazugeholt. Sowohl personell als auch taktisch sind wir variabler. Viele Spieler, die in Ingolstadt nicht gespielt haben, hätten es auch verdient gehabt.“ Das stimmt insofern, da sich kein Spieler in der Vorbereitung hängen ließ. Die sechs Wochen verliefen aus Sicht des Trainerteams optimal, nicht ein einziges Testspiel verloren die Berliner, Verletzungen blieben nahezu aus. „Im Vergleich zum Vorjahr, als wir uns alle erst noch an die neue Spielweise gewöhnen mussten, konnten wir dieses Jahr mehr ins Detail gehen“, sagt Parensen. Ergebnis dessen war der Auftaktsieg bei Bundesliga-Absteiger Ingolstadt, dem viele Experten neben Union die besten Chancen im Kampf um den Aufstieg geben.

Trotz des hervorragenden Starts und der vielen personellen Möglichkeiten arbeiten die Verantwortlichen im Hintergrund weiter an der Mannschaft. Gesucht wird dringend noch ein Rechtsverteidiger, der als Ersatz für Christopher Trimmel dient. Matthias Stingl, ein 19-Jähriger aus der Jugend des FC Bayern, konnte die hohen Ansprüche in einem mehrtägigen Probetraining nicht erfüllen. Als Nächster versucht sich Felicio Brown Forbes, ein 25 Jahre alter Rechtsverteidiger, der einst bei Hertha BSC ausgebildet wurde und derzeit beim russischen Erstligisten Arsenal Tula unter Vertrag steht. Seine mögliche Verpflichtung würde den Konkurrenzkampf weiter verschärfen. Und die Liste der Wochenendurlauber weiter verlängern.

So könnte Union spielen:

Busk – Trimmel, Leistner, Torrejon, Pedersen – F. Kroos – Kreilach, Hartel – Skrzybski, Polter, Hedlund.

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