1. FC Union Berlin : Neuzugang Bobby Wood fremdelt noch

Der 1. FC Union bestreitet am Sonntag beim SV Sandhausen sein zweites Saisonspiel in der Zweiten Liga. Neuzugang Bobby Wood wird dabei wohl wieder auflaufen - trotz Trainingsrückstand.

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Eigen, aber willig. Bobby Wood muss sich bei Union durchbeißen.
Eigen, aber willig. Bobby Wood muss sich bei Union durchbeißen.Foto: dpa/Stache

Bobby Wood wischte sich am Mittwoch beim Training in einer Übungspause mit dem Trikot den Schweiß aus dem Gesicht. Dabei kam beim Angreifer des Zweitligisten 1. FC Union ein Brustgurt zum Vorschein. Die Messung des Herzschlags bei Belastungen ist bei den Köpenickern schon lange Standard. Auch Woods Mitspieler werden vom Trainerstab kontrolliert. Allerdings haben derzeit fast alle Unioner bessere Werte als der Neuzugang von 1860 München. Vor dem heutigen Auswärtsspiel beim SV Sandhausen (15.30 Uhr, live im Ticker bei tagesspiegel.de) räumte Union-Trainer Norbert Düwel ein, dass Wood noch immer nicht bei 100 Prozent Leistungsfähigkeit sei. „Ihm fehlen drei Wochen Training. Bobby hat einen großen Teil der Vorbereitung verpasst, in der wir an der Grundlagen- und Schnelligkeitsausdauer gearbeitet haben“, sagte Düwel.

Dennoch spielte Wood zum Saison-Auftakt gegen Fortuna Düsseldorf (1:1) von Beginn an, und der Nationalspieler der USA kann auch in Sandhausen wieder auf einen Einsatz in der Startelf hoffen. Das ist bei einem Trainer wie Düwel, der großen Wert auf die Fitness legt, schon bemerkenswert. Es heißt, dass Wood intern die Vorgaben gegen Düsseldorf erfüllt habe. Im Spiel war von ihm bei seinem 61-minütigen Auftritt mit Ausnahme eines Pfostentreffers kurz nach dem Wechsel jedoch wenig zu sehen.

Wood ist der einzige der neun Zugänge, für den die Berliner eine Ablösesumme zahlen mussten. Die Höhe wird vom Verein nicht kommuniziert. Spekuliert wird über eine Summe von 800 000 bis 900 000 Euro, was so oder so dem Rekordtransfer der bald 50-jährigen Vereinsgeschichte gleichkäme. So einen Spieler, der im Zusammenwirken mit Sören Brandy und Collin Quaner auch den nach England abgewanderten Torjäger Sebastian Polter vergessen machen soll, setzt Düwel aber nicht nur deswegen ungern auf die Bank. „Bobby bekommt die Freiheiten nicht einfach so. Er ist ein außerordentlich guter Spieler. Wir haben uns schon vor dem Düsseldorf- Spiel viel von ihm versprochen“, sagte Düwel. „Hätte er bei seinem Pfostenschuss fünf Zentimeter weiter rechts gezielt, wäre er der Held des Spieltages. Dann würde niemand nachfragen.“

Wood ist der teuerste Transfer in Unions Vereinsgeschichte

Auch Verteidiger Denis Prychynenko sowie die Mittelfeldspieler Dennis Daube und Adrian Nikci weisen wie Wood noch Trainingsrückstand auf. „Für einzelne Spiele oder Momente kann es trotzdem so sein, dass es ausreicht“, sagte Düwel. Nikci und Prychynenko standen gegen Düsseldorf allerdings nicht im Kader. Daube blieb 90 Minuten auf der Bank.

Wood, der in der vergangenen Rückrunde an Erzgebirge Aue ausgeliehen war, ist mit seinen 22 Jahren noch jung. Dennoch sollte er wissen, dass man nach Ballverlusten im Training nicht stehen bleibt. Am Mittwoch war das gleich zweimal nacheinander der Fall. Wood, der kurz darauf bei Antritten förmlich explodierte, wurde dafür nicht kritisiert. Womöglich müssen sie bei Union akzeptieren, dass er sein eigenes Ding macht.

Während Düwel und die meisten Spieler am Mittwoch Kindern einer Fußballferienschule des SV Empor Autogramme gaben, ging Wood in die Kabine. Schon beim Testspiel gegen Hapoel Tel Aviv Mitte Juli wurde Wood geschont. Sechs andere Unioner betraf dies ebenfalls. Während diese zusammen auf der Tribüne hockten, saß Wood weit entfernt von ihnen. Vielleicht fehlt Wood einfach nur ein Erfolgserlebnis, damit er in der Union-Familie aufblühen kann.

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