1. FC Union Berlin : Unter Trainer Norbert Düwel fehlt eine klare Linie

Beim 1. FC Union Berlin ist die Euphorie nach dem Sieg gegen RB Leipzig schon wieder verflogen, weil die Mannschaft in Kaiserslautern viel zu mutlos agierte. Taktisch scheinen die Spieler mit den wechselnden Spielideen ihres Trainers weiterhin überfordert.

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Noch ein Roter Teufel? Trainer Düwel beim Spiel auf dem Betzenberg.
Noch ein Roter Teufel? Trainer Düwel beim Spiel auf dem Betzenberg.Foto: Imago

Präsident Dirk Zingler und Trainer Norbert Düwel wirkten nach der 0:1-Niederlage beim heimstarken 1. FC Kaiserslautern sehr nachdenklich, als sie gemeinsam aus dem Innenraum kamen. Die beiden Macher des Zweitligisten 1. FC Union dürften mit der Niederlage an sich keine Probleme gehabt haben, eher mit der Art und Weise. „Ich glaube nicht, dass diese Niederlage die Jungs vom Kopf her zurückwirft. Dass der FCK zu Hause eine Macht ist, war klar“, sagte Düwel. Aber Unions Trainer übte auch Kritik an seiner Mannschaft. Er warf ihr über weite Teile der Partie Mutlosigkeit im Spiel nach vorn vor.

In der Defensive ließ sich Union zudem zu häufig vom Gegner überraschen. Drei der vier Verteidiger sahen Gelb, Toni Leistner und Fabian Schönheim sogar schon in der ersten Viertelstunde. „Es half uns nicht, dass Toni und ich so früh eine Gelbe Karte gesehen haben. Dann kannst du nicht mehr so in die Zweikämpfe gehen, wie du es eigentlich machen willst“, sagte Schönheim.

Vor dem nächsten Heimspiel gegen Darmstadt 98 am Sonnabend hält Unions Findungsphase im Tabellenkeller weiter an. „Wir brauchen gar nicht auf die anderen zu schauen. Wir haben genug Probleme mit uns selbst“, sagte Mittelfeldmann Martin Dausch. „Wir müssen so viel laufen, wie wir können. Nur mit Kampf kommen wir in die Erfolgsspur zurück.“

Gegen Rasenballsport Leipzig reichten die Urtriebe am vergangenen Wochenende immerhin zum ersten Saisonsieg. Trainer Düwel sah gegen die Leipziger auch das eine oder andere spielerische Element, aber insgesamt fehlt der Mannschaft noch eine Linie, mit der die Konkurrenz wirklich zu beeindrucken ist. „Meine Vorstellung von Fußball ist sehr modern und taktisch sehr variabel“, hatte Düwel bei seinem Amtsantritt erklärt. Er setzt auf hohes Tempo, Aggressivität und Zielstrebigkeit.

Norbert Düwel hat schon einige taktische Systeme ausprobiert

Der Plan ging bisher nicht auf, auch wenn Düwel in taktischer Hinsicht schon einiges probierte. In den ersten acht Pflichtspielen waren drei Mal ein 3-5-2 mit Doppelsechs, zwei Mal ein 3-2-4-1, einmal ein 4-2-3-1 und zuletzt zwei Mal ein 4-4-2 mit Mittelfeldraute zu beobachten. Von der nicht so leicht umsetzbaren Dreierkette in der Abwehr, die in der Vorbereitung exzessiv trainiert worden war, scheint Düwel vorerst abgekommen zu sein. Die Viererkette ist den meisten Spielern seit Jahren geläufig. Die Raute im Mittelfeld wurde auch von Düwels Vorgänger Uwe Neuhaus favorisiert.

Trainer merken gern an, dass nicht das System entscheidend sei, sondern die Profis, die es ausfüllen müssen. Aktuell funktioniert beides noch nicht so richtig, auch mangels Alternativen im Kader. Vielleicht fühlt sich auch nicht jeder Fußballer an jedem Platz auf dem Feld wohl. Linksverteidiger Schönheim beispielsweise spielt lieber in der Innenverteidigung. Baris Özbek sieht sich nicht als der Typ, der bis zur Grundlinie vorstößt und Flanken schlägt. Auf der Position rechts in der Raute wie in Kaiserslautern wird aber genau das auch von ihm erwartet.

Neben spielerischer Klasse fehlen Union auch die Typen, die die Elf in kritischen Phasen mitreißen können. Am ehesten kommt dafür Schönheim in Frage. Er war es, nicht Kapitän Damir Kreilach oder dessen Vertreter Christopher Trimmel, der nach dem Sieg gegen Leipzig länger zur Mannschaft sprach.

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