1. FC Union Berlin : Zwischen Spektakel und Katastrophe

Beim 3:3 gegen den 1. FC Nürnberg zeigt der 1. FC Union altbekannte Schwächen. Das Team dürfte kaum um personelle Nachbesserungen in der Defensive herumkommen.

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Toni Leistner klärt hier per Kopf, doch auch er ist kein wirklicher Stabilisator in Unions Abwehr. Foto: dpa
Toni Leistner klärt hier per Kopf, doch auch er ist kein wirklicher Stabilisator in Unions Abwehr.Foto: dpa

Die Situation des 1. FC Union fasste Alessandro Schöpf am besten zusammen. „Wir haben immer wieder Phasen, in denen wir richtig gut Fußball spielen und Phasen, wo wir einen Tick weniger machen und bestraft werden.“ Schöpf spielt für den 1. FC Nürnberg und hatte das auf seine Mannschaft bezogen, aber die Analyse passte auch treffend auf den Berliner Zweitligisten. Beim 3:3 am Sonnabend offenbarten die Gegner viele Gemeinsamkeiten. Mal ließen Nürnberger und Berliner ihr spielerisches Vermögen aufblitzen, nur um dann völlig rätselhaft, von einem Moment auf den anderen, in einen fußballerischen Tiefschlaf zu fallen. Verteidigt wurde oft sehr nachlässig, es fehlte die letzte Konsequenz. Beim 1. FC Union vor allem nach der 3:1-Führung. „Da waren wir zu passiv“, sagte Maximilian Thiel, der den Berliner Zweitligisten am Sonnabend zum ersten Mal als Kapitän aufs Feld führen durfte.

Trainer Sascha Lewandowski verwies zwar auf die offensiven Qualitäten des 1. FC Nürnberg, das Spiel dürfte in ihm aber die Erkenntnis reifen lassen haben, dass sich seine Mannschaft defensiv dringend verstärken muss, um sorgenfrei durch die Rückrunde zu kommen. Mit nur drei Siegen aus 14 Spielen befindet sich Union weiter im unteren Tabellendrittel. In der Winterpause wird mindestens ein erfahrener Innenverteidiger benötigt, der Gegentore wie das 2:3 verhindert. Alessandro Schöpf umdribbelte gleich mehrere Gegenspieler und schloss sein Solo erfolgreich ab. Kein Berliner hinderte ihn energisch, niemand wollte vor dem Strafraum im Notfall ein Foul begehen. Nürnberg fand mühelos ins Spiel zurück. Mit etwas mehr Glück im Abschluss hätten die Gäste am Ende nach einem 1:3-Rückstand fast noch gewonnen. „Es ist extrem, dass wir in Phasen, in denen richtig Druck auf uns zukommt, gar keinen Zugriff mehr finden“, sagt Lewandowski.

Union ist in der Saison 2015/16 eine Mannschaft der Extreme. Die 25 geschossenen Tore sind ein Spitzenwert in der Zweiten Liga, nur der SC Freiburg hat mehr. In Sachen Gegentore ist nur der Tabellenletzte MSV Duisburg schlechter. Das Unentschieden gegen Nürnberg war das zweite 3:3 in den vergangenen drei Spielen im Stadion an der Alten Försterei. Für die Zuschauer bieten Unions Heimspiele Spektakel, aber auch die Fans waren am Sonnabend ganz leise nach dem Schlusspfiff. Sie konnten das Ergebnis genau so wenig einordnen wie die Spieler. „Dass wir eine komfortable Führung aus der Hand geben ist ärgerlich, auf der anderen Seite haben wir nicht verloren“, sagte Thiel. Er fügte hinzu: „Wir sind nicht die Stabilsten dieses Jahr.“

Die Heimspiele bieten viel Spektakel, aber kaum Siege

Lewandowski hat in den vergangenen Wochen viel versucht, um das Defensivverhalten seiner Mannschaft zu verbessern. Im Training wurden spezielle Übungen abgehalten oder die Taktik wurde geändert. In Heidenheim verteidigte der 1. FC Union mit einer Fünferkette. Aber, sagte Lewandowski: „In jeder Grundordnung der Welt muss ich defensiv irgendwann einmal auch Zweikämpfe gewinnen.“ Das taten die Berliner gegen Nürnberg wie so oft in dieser Saison in den entscheidenden Szenen nicht.

Da half es auch nichts, dass die Offensivspieler im Spiel inzwischen mehr nach hinten arbeiten. Sie sollen ihre Gegenspieler auf Anweisung ihres Trainers früher und mit deutlich mehr Tempo anlaufen. In Heidenheim funktionierte das gut, gegen die spielstärkeren Nürnberger deutlich weniger. Als Konsequenz mussten die beiden Torschützen Steven Skrzybski und Bobby Wood nach etwas mehr als einer Stunde völlig entkräftet ausgewechselt werden.

Nach der Länderspielpause wird vermutlich der lange verletzte Fabian Schönheim zurückkehren, er könnte der Hintermannschaft bis zum Jahresende etwas mehr Stabilität verleihen. Um sich wirklich weiterzuentwickeln, benötigt Union im Defensivbereich aber neues Personal. Die vielen Gegentore sind auch ein Resultat der zuletzt verfehlten Transferpolitik.

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