Sport : 1. FC Union: Besser als Hertha

Karsten Doneck

Wer eingewechselt werden wollte, unterlag erst einmal einer peniblen Kontrolle. Der Beobachter des europäischen Fußballverbandes Uefa ließ keinen aufs Spielfeld, der noch Gold oder Silber um den Hals trug. Cristian Fiel und Harun Isa mussten ihre Kettchen erst abliefern, ehe sie an die Arbeit gehen durften. Doch Glücksbringer dieser Art hatte der 1. FC Union auch gar nicht nötig. Der Berliner Zweitligist konnte ganz und gar auf sein Können vertrauen. Gegen den Finnischen Meister FC Haka Valkeakoski trumpften die Köpenicker im Rückspiel des Uefa-Pokals mächtig auf und zogen mit einem 3:0 (2:0)-Sieg in die zweite Runde ein, die heute Mittag in Genf ausgelost wird. Im Hinspiel in Valkeakoski hatten sich beide Mannschaften noch 1:1 getrennt.

Einige Fans unter den 12 111 Zuschauern im Jahnsportpark konnten sich sogar einen Seitenhieb auf den großen Nachbarn Hertha BSC und dessen qualvoll anzusehenden Auftritt im gleichen Wettbewerb zwei Tage zuvor gegen Westerlo nicht verkneifen. Rund eine Stunde war gespielt, da sangen die Leute: "Siehst du, Hertha, so wird es gemacht." Union als Beispiel für guten Fußball. "Würden wir in einer Fantasiewelt leben, dann würde ich mir wünschen, dass bei unserem Gegner die Spieler mit den Trikotnummern 3, 8, 11 und 33 gefehlt hätten. Dann hätten wir gewonnen", sagte Valkeakoskis Trainer Keith Armstrong hinterher.

Und weil eben Nikol, Widolow, Ernemann und Persich, die Union-Spieler mit den betreffenden Nummern auf dem Rücken, dabei waren, die Abwehr dicht machten und - wie Widolow - nach vorne Impulse setzten, blieb den Finnen nur eine solide Anfangsphase. Nach dem 0:1 durch Djurkovic (36.) waren sie praktisch schon geschlagen, gerieten dann unter Druck und kassierten das 0:2 durch Chifon (43.). Fortan bestimmten die Gastgeber den Gang der Dinge. Kurz vor Schluss erhöhte Koilow sogar noch auf 3:0. "Wir sind restlos glücklich. Man konnte einfach nichts besser machen bei dem, was wir heute gesehen haben", schwärmte Unions Präsident Heiner Bertram.

Bertram fliegt nun heute um sechs Uhr früh in die Schweiz, um in Genf die Auslosung zur zweiten Runde mitzuerleben. Wunschgegner? "Glasgow wäre nicht schlecht", meinte Stürmer Sreto Ristic. Trainer Georgi Wassilew ist da vorsichtiger: "Vielleicht erwischen wir ja jemanden, gegen den wir auch noch die Chance haben in Runde drei zu kommen." Union verdient nun schon in Runde zwei wieder mindestens eine Million Mark durch den Pakt mit der Ufa. "Damit sind wir finanziell durch", sagt Bertram. Von Etatlücken dürfte für diese Saison keine Rede mehr sein. Aber da ist immer noch die Sportwelt, die in der zweiten Runde an den Einnahmen Unions nicht nur partizipieren will, sondern sie vollständig zur Deckung der an Union gegebenen Darlehen verwenden möchte. "Ich kenne die Verträge. Was mit dem Geld passiert, entscheiden wir", sagt Bertram indes ganz selbstbewusst. Es existieren auch schon Pläne für neue Investitionen. "Beim Trainer gibt es immer Begehrlichkeiten. Er meint, man könne die Mannschaft auf ein oder zwei Positionen verstärken", berichtet Bertram. Keiner kann Wassilew solche Wünsche verdenken: Wer in Runde zwei des Uefa-Cups steht, der muss gewappnet sein.

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