1. FC Union : Das andere Berliner Erfolgsteam

Der 1. FC Union blickt nach dem Sieg über Kickers Emden auf eine überaus erfolgreiche Hinrunde in der Dritten Liga zurück.

Matthias Koch

Christian Beeck verglich die Spieler des Fußball-Drittligisten 1. FC Union am Sonntag mit Ausdauersportlern. „Wir befinden uns auf einem Marathonlauf, den wir bis zur Hälfte zufriedenstellend bestritten haben“, sagte Unions Manager und umschrieb die Chancen seines Vereins auf den Aufstieg in die Zweite Bundesliga. Während Beeck die Spieler nicht besonders loben wollte, hielt sich Dirk Zingler weniger mit Anerkennung zurück. „39 Punkte in der Hinrunde sind eine Klasseleistung der Mannschaft. So wollen wir in der Rückrunde weitermachen“, sagte Unions Präsident. „Wenn wir nächste Woche auch noch gegen Bayern München II Punkte holen, können wir in Ruhe in den Weihnachtsurlaub gehen.“

Die Aussichten auf die Rückkehr in die zweithöchste Spielklasse, in der der Verein zuletzt in der Saison 2003/04 spielte, stehen günstig. Zum dritten Mal in dieser Saison konnte Union im Jahn-Sportpark eine Spitzenmannschaft bezwingen. Nach Paderborn (3:2) und Düsseldorf (1:0) war am Sonnabend Kickers Emden dran. Beim 2:0 gegen die Norddeutschen beobachtete der Berliner Trainer Uwe Neuhaus „eine der besten Halbzeiten der Hinrunde“. Es spricht für die Köpenicker, dass sie in den ersten 19 Begegnungen nur bei der 0:1-Niederlage in Unterhaching spielerisch und kämpferisch unterlegen waren. „Wir sind gut durchgekommen und hatten nur zwei, drei schlechtere Spiele“, sagt Manager Beeck. Selbst als der Verein auf der Mitgliederversammlung Anfang November den Aufstieg als offizielles Saisonziel ausrief, hielt die Mannschaft dem Druck stand.

„Unsere Punkteausbeute ist besser, als sich jeder vorstellen konnte. Man war zu Saisonbeginn unsicher, wie sich die Dritte Liga überhaupt darstellt“, sagt Neuhaus. Doch dann habe seine Mannschaft gezeigt, dass sie zu jenen gehört, die den Aufstieg schaffen könnten. „Jetzt geht es darum, in der Rückrunde genauso gut zu spielen und nicht nachzulassen“, sagt der Trainer. Dass Union in der Rückrunde bei den drei Hauptkonkurrenten jeweils auswärts antreten muss, stört Neuhaus nicht: „Vielleicht sind diese Spiele gar nicht so entscheidend. Man kann auch gegen die vermeintlich kleinen Klubs Punkte abgeben, die am Ende fehlen.“

Uwe Neuhaus macht den Aufschwung vor allem an den Leistungen von Mittelfeldspieler Marco Gebhardt (18 Torvorlagen) sowie der beiden Angreifer Shergo Biran (5 Treffer) und Karim Benyamina (10) fest. Zudem besäße sein Team den unbedingten Siegeswillen, und habe viele Verletzungen problemlos kompensieren können. „Im Sturm haben wir allerdings großes Schwein gehabt“, sagt Manager Beeck. Zwei der vier Stürmer waren praktisch immer verletzt oder gesperrt. Kein Wunder, dass sich seit Sonntag in dem ehemaligen Rostocker Erstligaprofi Marco Vorbeck, der derzeit beim FC Augsburg unter Vertrag steht, ein 27-jähriger Angreifer im Probetraining befindet.

Dass die Mannschaft in Ruhe von Punkt zu Punkt eilte, hängt auch mit ihrem Umfeld zusammen. Von offenen Gehaltszahlungen war in der Wuhlheide nichts zu hören. Die Vertragsverhandlungen laufen hinter den Kulissen ab. Selbst der Stadionumbau sorgte kaum für Reibungspunkte. Im ungeliebten Jahn-Sportpark blieb die Mannschaft in allen zehn Heimspielen ungeschlagen. Da würde es fast gar nichts ausmachen, wenn sich die Modernisierung des Stadions „An der Alten Försterei“ doch noch ein bisschen hinziehen würde.

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