1. FC Union : Das Duell der Artigen

Jan Glinker und Marcel Höttecke kämpfen um den Stammplatz im Tor des 1. FC Union.

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Berlin - Die Lautesten sind sie beide nicht. Jan Glinker und Marcel Höttecke gehören eher zu den Vertretern der neuen Torhütergeneration, zu den jungen Braven. „Ich glaube, Marcel ist ähnlich ruhig wie ich“, sagt Jan Glinker. Marcel Höttecke fügt artig hinzu: „Der Bessere von uns wird im Tor stehen.“ Es ist nicht davon auszugehen, dass die beiden verbal übereinander herfallen, wie es einst die Rivalen Toni Schumacher und Uli Stein bei der Weltmeisterschaft 1986 oder Oliver Kahn und Jens Lehmann vor der WM 2006 getan haben. Dass die Konkurrenten Jan Glinker und Marcel Höttecke auf dem Rasen trotzdem ähnlich erbittert und ehrgeizig um den Stammplatz im Tor des 1. FC Union kämpfen, lässt sich dagegen nicht verbergen.

Je näher für Union die ersten Pflichtaufgaben im DFB-Pokal und der Zweiten Liga rücken, desto mehr spitzt sich das Duell um die Nummer eins in Berlin-Köpenick zu. Im Training rackern die Torhüter jeden Tag, als ginge es um ihr Leben. Und in den bisherigen beiden Testspielen gegen den Chemnitzer FC (1:1) und den Köpenicker SC (4:1) streckten sie sich noch ein bisschen mehr als sonst: Konkurrenzkampf im positivsten aller Sinne. Zwar setzt Unions Chefetage nicht nur auf der Torwartposition auf den internen Wettbewerb, hier aber scheint er sich von allen Positionen im Kader am brisantesten zu gestalten.

So deutet es zumindest die Körpersprache beider Protagonisten an. Jan Glinker redet mit buchstäblich breiter Brust nach dem Training über seine Ambitionen. Und auch Marcel Höttecke plaudert recht ausgiebig über die Atmosphäre bei seinem neuen Arbeitgeber, „einem bodenständigen Verein mit guten Perspektiven“. Nur wenn es um den Gegner im eigenen Tor geht, dann gerät der Redefluss des blonden Schlacks ins Stocken. „Es war mir vorher klar, dass mich hier ein Konkurrenzkampf erwartet“, bringt Höttecke noch hervor, viel mehr möchte er über die Situation dann aber nicht sagen. Der 23 Jahre alte Torwart kam von Borussia Dortmund II aus der Dritten Liga zu den Köpenickern – natürlich mit dem Ziel, die Nummer eins zu werden. Dass er sich beim 1. FC Union hinten anstellen muss, dürften seine Planungen nicht vorgesehen haben. „Ich will spielen“, hat er von Beginn seines Engagements an gesagt.

Ob Trainer Uwe Neuhaus Höttecke oder doch Glinker präferiert – und wen er am Sonntag im internationalen Vergleich gegen Deportivo La Coruña aus der spanischen Primera Division (14 Uhr, Stadion An der Alten Försterei) einsetzt –, das will er momentan noch nicht sagen. Wer Neuhaus allerdings genau zuhört, kann schon eine Tendenz vernehmen. „Marcel beeindruckt durch seine Größe, hat aber koordinativ ein paar Defizite“, sagt Uwe Neuhaus. Tatsächlich präsentieren sich beide Keeper, so ähnlich sie sich auch abseits des Feldes sind, im Tor ganz unterschiedlich. Auf der einen Seite ist da der knapp zwei Meter große Höttecke, der schon dank seiner Statur Präsenz zeigt. Der rund 13 Zentimeter kleinere Jan Glinker steht auf der anderen Seite eher für Dynamik und überragende Reflexe auf der Linie. Auch sein Trainer hat aktuell nur Lob für ihn übrig: „Er hat sich in den zurückliegenden drei Jahren bewährt und arbeitet viel an sich. Sein bisheriges Auftreten in der Saisonvorbereitung ist sehr positiv.“

Selbstverständlich ist diese Entwicklung nicht, schließlich hatte nicht nur Trainer Uwe Neuhaus in der vergangenen Saison „ein paar Böcke“ bei seinem Torwart beobachtet. Doch der neue Impuls von außen beflügelt den 26-Jährigen augenscheinlich. „Es ist eine große Motivation für mich, dass ich einen starken Konkurrenten auf meiner Position habe“, sagt Jan Glinker, „das treibt mich richtig an und hat sich bisher ausgezahlt.“ So sieht es aus, denn während sich Marcel Höttecke in den Testspielen ein, zwei kleine Patzer leistete, zeigte sich sein Gegenüber erstaunlich locker und zuversichtlich.

Es ist kaum zu übersehen, wer aus dem Zweikampf, der auf Augenhöhe gestartet ist, mittlerweile als Zwischensieger hervorgegangen ist. Jan Glinker jedenfalls ist überzeugt: „Ich sehe mich momentan klar vorne.“ Manchmal wird er dann doch ein kleines bisschen lauter.

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