Sport : 1. FC Union: Debüt im familiären Rahmen

Karsten Doneck

Sreto Ristic verband das Unangenehme gleich mit dem Nützlichen. Nun gibt es auch für ihn schönere Dinge im Leben, als auf einem Flughafen, und sei er noch so lichtdurchflutet wie der in Helsinki, auf die Reiseutensilien zu warten. Also nutzte Ristic die Zeit, stellte einen Fuß auf das Gepäcklaufband und begann seelenruhig mit Dehnübungen. Erst das rechte, dann das linke Bein. Der lange Stürmer weiß eben, wie wichtig eine gute Vorbereitung auf ein Fußballspiel ist. Sein 1. FC Union kickt heute (17.30 Uhr, live im ZDF) erstmals im Europapokal. Im Hinspiel der ersten Runde des Uefa-Cups spielen die Berliner beim FC Haka Valkeakoski, und der ist immerhin schon acht Mal Finnischer Meister geworden.

Die Reise über Helsinki nach Valkeakoski begann für Union ganz unaufgeregt. Dabei hatte morgens um kurz nach sieben Uhr ein falscher Bombenalarm auf dem Flughafen Tegel den Abfertigungsbetrieb und letztlich auch den Flugverkehr für eine Weile fast lahmgelegt. Als die Berliner Delegation zwei Stunden später eintraf, ging längst alles wieder seinen gewohnten Gang. Kaum ein Spieler erfuhr etwas von den vorangegangenen Turbulenzen.

Auch der sportliche Teil der Reise in den Norden Europas dürfte bei den Berlinern nicht allzu große Angst hervorrufen - zumindest, was die Atmosphäre angeht. Das Stadion Tehtaan kenttä fasst ganze 3510 Zuschauer, hinter dem einen Tor ist kein Platz für Fans, weil sich dort, einen Einwurf weit entfernt, bereits eine riesige Papierfabrik ausdehnt. Dass Unions Europapokal-Einstand im kleinen Rahmen über die Bühne geht, stört die Spieler nicht sonderlich. "Im San Siro vor 20 000 Zuschauern zu spielen, ist ja auch nicht so ein Erlebnis", sagt Torhüter Sven Beuckert. "Union ist nun mal nicht der Klub, der europäischen Spitzenmannschaften ein volles Haus bringt."

Union muss auf einen ausgesprochen ehrgeizigen Gegner gefasst sein. Keith Armstrong hebt einen Sieg über die Berliner in fast nationale Dimensionen: "Es ist sehr wichtig, dass wir die zweite Runde im Uefa-Cup erreichen, nicht nur für uns, sondern für den gesamten finnischen Fußball", sagt Hakas Trainer. Doch für so manchen Finnen ist Union auch die große Unbekannte. Ob er denn vor der Auslosung in Monaco überhaupt schon mal etwas vom 1. FC Union gehört habe, wurde Hakas Stürmer Ville Väisänen gefragt. Der 24-Jährige druckste nicht lange herum und antwortete: "No!"

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