Sport : 1. FC Union: Den Torjäger erreicht man in der Kneipe

Karsten Doneck

Freunde reden untereinander schon mal Tacheles. Man versteht sich halt, da wird nicht jede Kritik gleich übel genommen. Keith Armstrong, Trainer des FC Haka Valkeakoski, berichtete, er habe vorige Woche einen Anruf von einem Freund bekommen. Der habe das Uefa-Cup-Hinspiel gegen den 1. FC Union (1:1) im Fernsehen gesehen und, so Armstrong, "der konnte gar nicht glauben, wie schlecht wir gewesen sind". Was der Freund denn genau gesagt habe, wollte jemand wissen. Der englische Trainer druckste kurz herum, dann platzte er heraus. Als "fucking rubbish" habe der Freund die Vorstellung des FC Haka bezeichnet. Der Finnische Meister und sein Trainer werden sich heute im Rückspiel beim 1. FC Union (17.30, Jahnsportpark) um eine Leistung bemühen, die im Freundeskreis nicht gar so abfällig bewertet wird.

Allerdings: Der FC Haka hat seinen wertvollsten Mann gar nicht mitgebracht. Waleri Popowitsch, der Torjäger, leidet unter Flugangst. Und eine Überfahrt mit der Fähre nach Rostock wäre zu zeitaufwändig, zumal - laut Armstrong - am Wochenende schon wieder ein wichtiges Punktspiel für den FC Haka ansteht. Heiner Bertram, Unions Präsident, reagierte auf diese Meldung skeptisch. "Kommt der wirklich nicht?", hakte er nach. Armstrong beruhigte ihn: "Ich kann ihnen ja die Telefonnummer unserer Kneipe in Valkeakoski geben. Popowitsch hat nämlich frei - und vielleicht erwischen sie ihn ja dort."

1:1 endete das Hinspiel. "Noch ist alles offen", meint Unions Trainer Georgi Wassilew. Die medizinische Abteilung der Köpenicker hat am Wochenanfang ganze Arbeit geleistet, ehedem angeschlagene Spieler wie Menze, Ernemann, Balcarek und Persich sind wieder fit. Nicht auszuschließen, dass die Aussicht, im Uefa-Cup zu spielen, manchen Heilungsprozess beschleunigt hat.

Mit dem 1:1 in Finnland vor einer Woche hat Union eine solide Basis geschaffen zum Weiterkommen. Selbst ein 0:0 reicht heute zum Einzug in Runde zwei. Dort wären dann neben den sportlichen auch die wirtschaftlichen Belange von höchstem Interesse. Hinrich Brands, Geschäftsführer der mit Union vertraglich verbandelten Sportwelt, hat angekündigt, die Klubs künftig mehr zur Kasse zu bitten. Er dachte dabei in erster Linie an den Zugriff auf Unions Europacup-Einnahmen. Die Rede ist sogar davon, dass Union alles Geld aus der möglichen zweiten Uefa-Cup-Runde an die Sportwelt abführen muss. Heiner Bertram lässt sich von solchen Ankündigungen, die im Zusammenhang mit der Finanzmisere der Kinowelt stehen, nicht beunruhigen: "Priorität hat die Absicherung unseres Budgets. Über die Rückzahlung von Darlehen können wir uns mit der Sportwelt erst dann unterhalten, wenn eventuell mal Gewinn übrig bleibt."

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