Sport : 1.FC Union: Der Förster knipst das Licht aus

Karsten Doneck

Der Preis für die Bratwurst ist unlängst angehoben worden. Das lange Ende, gut gebräunt, sehr würzig, kostet keine drei Mark mehr, sondern dreifünfzig. Der Preis hat jetzt durchaus Zweitliga-Niveau. Genau wie die Mannschaft des seit zehn Spieltagen ungeschlagenen 1. FC Union, seines Zeichens Spitzenreiter der Fußball-Regionalliga Nord. Nur dem Stadion an der Alten Försterei fehlt in ein paar Punkten noch der geforderte Zweitliga-Standard.

Zum Thema Online Spezial: Schafft Union den Aufstieg? "Wird das Stadion ausgebaut?", erkundigte sich Frank Neubarth, der Trainer von Werder Bremens Amateuren, nachdem seine Mannschaft bei Union am Sonnabend ordentlich gespielt und trotzdem mit 0:1 verloren hatte. Als Antwort kam nur verwundertes Kopfschütteln. Am Fassungsvermögen von 18 200 wird vorerst nicht gerüttelt. Das Stadion, idyllisch mitten in der Wuhlheide gelegen, hat eine kleine Tribüne, es gibt Flutlicht, die Anzeigetafel mit dem aktuellen Spielergebnis wird noch von Hand bedient. So weit, so gut. Aber da sind ein paar andere Dinge, die in Angriff genommen werden müssen. Anfang März hatte die Sicherheitskommission des Deutschen Fußball-Bundes die Anlage in Augenschein genommen, am vorigen Freitag teilte der DFB dem 1. FC Union die Auflagen für den technisch-organisatorischen Bereich mit.

Die Erfüllung dieser Auflagen ist recht kostspielig. Rund 700 000 Mark, so die Schätzung von Unions Vizepräsident Bernd Hofmann, müssen dafür aufgebracht werden. Allein die gefordete Installation einer neuen Beschallungsanlage schlägt mit rund 200 000 Mark zu Buche. Auch beim Abgang der Spieler vom Spielfeld zu den Kabinen verlangt der DFB mehr Sicherheit. Der 1. FC Union hat da einen etwas verwegen anmutenden Plan: Die Spieler sollen in Zukunft über eine gesicherte Brücke auf der Tribünenseite über die Köpfe der Zuschauer hinweg zum Kabinentrakt gelangen. Kostenpunkt für die Umsetzung dieser Idee: wiederum 200 000 Mark.

Ein Problem bereiten auch die in Liga zwei unumgänglichen Abendspiele. Für die Fans, die nach dem Abpfiff noch auf ein Bier im Stadion verweilen, wird der Heimweg da schon mal schnell zum Abenteuer. Sie müssen dann durch ein stockfinsteres Waldstück irren, um zu Tram oder S-Bahn zu gelangen. Beim DFB-Pokal-Halbfinale gegen Mönchengladbach waren in der Wuhlheide zwar Lampen längs des Weges installiert worden, doch fleißige Helfer bauten die bereits 45 Minuten nach Spielende wieder ab.

Nicht ausgeschlossen übrigens, dass bei Abendspielen Stadionsprecher André Rolle die Zuschauer auch mal auffordert, dem Geschehen doch bitte schweigend zu lauschen. Es gibt Lärmschutzgesetze, und wenn der Förster in der Alten Försterei sich durch allzu viel Fußball-Atmosphäre beim feierabendlichen Fernsehen gestört fühlt oder Umweltschützer meinen, dass der Vogelbestand in der Wuhlheide vor lauter "Eisern-Union-Rufen" davonflattert, könnte die Polizei - zumindest theoretisch - dem Treiben auf dem Rasen schnell ein Ende machen.

Der DFB fordert auch eine elektronische Anzeigetafel im Stadion, spätestens in zwei, drei Jahren. Union-Fans, die an dem bisherigen handbetriebenen System hängen, brauchen deswegen jedoch nicht gleich zum BFC Dynamo überzulaufen. "Die alte Anzeigetafel bleibt auf jeden Fall", verspricht Bernd Hofmann, "das ist doch Kult bei uns."

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