1. FC Union : Der Handwerks-Meister

Trainer Uwe Neuhaus hat sein Team in die Zweite Liga geführt – mit Fleiß und harter Arbeit.

Friedhard Teuffel
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Feuchte Freude. Trainer Uwe Neuhaus lässt sich von seinem Team feiern. Foto: dpa

Berlin - Ein weißes T-Shirt zwischen lauter roten. So hat sich der Trainer beim Feiern von seinen Spielern unterschieden. Das musste Uwe Neuhaus für die Party am Stadion An der Alten Försterei schon deshalb anziehen, weil sein rotes Aufstiegshemd klamm von einer Bierdusche war. Aber auch sonst war Neuhaus in der Festtagsgesellschaft gut auszumachen, denn immer wieder riefen die Fans des 1. FC Union seinen Namen. Von dem, der ihnen ihren Aufstiegswunsch erfüllt hatte, konnten sie nicht genug bekommen.

Dabei ist es noch gar nicht lange her, dass Neuhaus die wahre Geschichte der Köpenicker erfahren hat. Bei der Fahrt zum Auswärtsspiel nach Paderborn Anfang April hatten sich etwa hundert Fans in die traditionelle Kluft der ersten Unioner geworfen: die Blaumänner der Schlosserjungs aus Oberschöneweide. „Das mit den Schlosserjungs habe ich erst bei dieser Mottofahrt kennengelernt“, sagt Neuhaus. Seitdem müsste ihm sein Arbeitgeber noch sympathischer vorkommen. In seiner Ausbildung im Stahlwerk Henrichshütte bei Bochum hat auch er in der Schlosserei gearbeitet.

Als Handwerker sind sie jetzt zusammen in die Zweite Liga aufgestiegen, und es scheint, als habe der Köpenicker Klub nur auf einen wie Neuhaus gewartet. Auf einen Arbeiter. Einen, der sie versteht und den sie verstehen. „Die Menschen in Berlin sind nicht viel anders als im Ruhrgebiet“, sagt der 49-Jährige. „Ich habe mich von Anfang an mit den Menschen hier gut verstanden, weil die ein Gespür dafür haben, wie einer seine Arbeit angeht.“

Vor allem aber hat es Neuhaus geschafft, seine Spieler immer wieder zu überzeugen. Dass harte Arbeit an seinen Fähigkeiten wichtig ist, gerade wenn man ständig gewinnt. „Ich war auch kein begnadeter Fußballer und musste mir alles erarbeiten“, sagt er. Erst mit 29 Jahren spielte er zum ersten Mal in der Bundesliga, da war er mit Wattenscheid aufgestiegen. Union ist seine erste Trainerstation außerhalb von Nordrhein-Westfalen, 2007 kam er nach Berlin.

Um Union in die Zweite Liga zu führen, hat Neuhaus mit seinem Trainerteam einige Tricks angewendet. Sie haben das Training oft zum Wettkampf gemacht, und wer verlor, musste ein paar Euro zahlen, die Kabine fegen oder die La Ola vor seinen Mannschaftskollegen machen. Im Einzelgespräch mit seinen Spielern, will Neuhaus dagegen bewusst auf Tricks verzichten. Da zähle Ehrlichkeit. „Ich sage manchmal zu einem: Ich kann dir nicht genau sagen, warum ich dich nicht aufstelle, vielleicht ein Bauchgefühl, vielleicht liege ich auch falsch, aber ich habe mich für einen anderen entschieden.“, erzählt Neuhaus, „ich hätte ihm auch sagen können, du hast im Training aus drei Metern neben das Tor geschossen.“

Zwischendurch gibt sich Neuhaus selbstkritisch, er probiere zu wenig aus, wenn es um Training und Taktik geht, und seine Auftritte in der Öffentlichkeit gefielen ihm auch nicht immer. Da will er weiter an sich arbeiten. „Ich bin überzeugt, dass Fleiß irgendwann belohnt wird“, sagt er. Das jüngste Beispiel darf er gerade feiern.

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