Sport : 1. FC Union: Der Mann für Figos Schuh

Claus Vetter

Auf den ersten Blick fällt es schwer, Gemeinsamkeiten zwischen Luis Figo und Ronny Nikol zu entdecken. Da ist der Fußballweltstar aus Portugal, für den Real Madrid vergangenes Jahr sein ohnehin leeres Konto bis über alle Schmerzgrenzen strapaziert hat. Und dann ist da ein zwar guter, aber im schon auf nationaler Ebene eher als solide einzustufender Mittelfeldspieler in Diensten des künftigen Zweitligisten 1. FC Union Berlin. Ein Sportartikelhersteller sah diese Diskrepanz aber wohl nicht als so gravierend an und stattete Nikol Anfang der Woche mit dem gleichen Schuhwerk wie Figo aus.

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TED: Hat Union eine Chance, den DFB-Pokal zu gewinnen? Die Fußballstiefel sollen erst in der kommenden Saison in Serie gehen, sind ein Prototyp. Ronny Nikol ist nicht der Prototyp eines deutschen Fußball-Profis, daher wurde ihm wohl auch die Ehre mit den Schuhen zuteil. Gelbblond gefärbtes Haar, immer gut für einen lockeren Spruch. Nikol fällt auf, erst recht beim 1. FC Union, der sich vor dem Pokalfinale am Sonnabend im Olympiastadion gegen Schalke 04 momentan ohnehin großen öffentlichen Interesses erfreut. Natürlich sind sie in der Wuhlheide froh, dass sich das Thema Nikol erst einmal erledigt hat, zumindest für die kommenden zwei Jahre. Am 9. Mai hat der 26-Jährige seinen Vertrag in Köpenick verlängert. Nach langen, zähen Verhandlungen, die Geschäftsführer Bernd Hofmann manchmal Nerven kosteten. "Noch einmal so rumeiern wie im zurückliegenden Jahr? Das machen wir nicht mehr mit!", hatte Hofmann noch vor wenigen Wochen verlauten lassen. Nach der Vorsaison hatte Nikol nämlich lange zwischen LR Ahlen und Union hin und her überlegt. Ausgerechnet Ahlen hatte Union im entscheidenden Aufstiegsspiel zur Zweiten Bundesliga bezwungen.

Nikol wollte raus aus Liga drei, hatte damals in Berlin unterschrieben, hat diesmal wieder in Berlin unterschrieben - aber erst, als Unions Aufstieg perfekt war. "Die Unterschrift bereue ich nicht", sagt Nikol, "obwohl mir am vergangenen Wochenende doch so einiges durch den Kopf gegangen ist." Da hatte Energie Cottbus den Klassenerhalt geschafft, der 1. FC St. Pauli und Borussia Mönchengladbach den Aufstieg in die Erste Liga. Und alle drei Klubs haben eines gemeinsam: Sie wollten Ronny Nikol. Der aber wollte schließlich doch nicht. Warum zu einem Zweitligisten wechseln, wenn man das auch bei Union haben kann. "Na gut", sagt Nikol, "das ist schon komisch gelaufen. Aber an verpasste Chancen darf ich jetzt nicht mehr denken, sonst gehe ich mit der falschen Einstellung in die nächste Saison." Und überhaupt, bei Union sieht es doch auch nicht schlecht aus, immerhin stehen der Verein im kommenden Jahr im Uefa-Pokal. "Es ist doch so", sagt Nikol, "das Union im Vergleich zu den Klubs, die mit mir geredet haben, langfristig eine ganz andere, bessere Perspektive hat."

Diese Perspektive haben die Berliner auch kurzfristig, am Sonnabend im Pokalfinale gegen Schalke. Dabei könnte Nikol, der in dieser Saison kein Spiel verpasst hat, eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Schließlich war er Freistoßspezialist am Einzug ins Endspiel maßgeblich beteiligt, im Halbfinale gegen Mönchengladbach verwandelte Nikol im Elfmeterschießen den entscheidenden Elfmeter. Vielleicht hilft am Sonnabend ja das neue Schuhwerk. Überhaupt, ein Figo aus Berlin-Köpenick? Ronny Nikol lacht. "So weit sind wir vielleicht doch noch nicht."

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