Sport : 1. FC Union: Der Präsident zeigt Flagge - Anspannung vor dem heutigen Spiel

Claus Vetter

Im ersten Versuch ist der 1. FC Union denkbar knapp an der Zweiten Liga vorbeigeschrammt. Und die Diskussionen um die - in Osnabrück im Elfmeterschießen - verpatzte Aufstiegschance waren auch gestern noch nicht verstummt. Irgendwo zwischen Frust, Trotz und Hoffnung. Die Situation ist bei den Köpenickern vor der zweiten Aufstiegsrunde nicht ohne Spannungen, wie aus den Worten des Präsidenten zu erkennen ist. Er habe mit den Spielern nach der Partie von Osnabrück bis in die frühen Morgenstunden diskutiert, erzählt Heiner Bertram. "Da habe ich Flagge gezeigt", meint der Union-Präsident, "vom Trainer war dagegen nichts zu sehen." Heute (19 Uhr) wird man Georgi Wassilew in jedem Fall an der Alten Försterei zu Gesicht bekommen, zumindest an der Seitenauslinie. Die Berliner empfangen den SC Pfullendorf, Vizemeister der Regionalliga Süd.

Sind die Ausführungen des Präsidenten unterschwellige Kritik an der Arbeit Wassilews oder illustrieren sie lediglich die angestrengte Situation in Köpenick? "Natürlich sind wir alle enttäuscht", sagt Bertram, "aber nun darf keiner den Kopf in den Sand stecken." Sein Trainer denkt keinesfalls daran. "Meine Mannschaft hat bereits das erste Ziel erreicht, ist Meister geworden", sagt Wassilew. Die Qualifikation für die zweigleisige Regionalliga habe man somit auf der Habenseite. "Und wenn wir das jetzt nicht schaffen, müssen wir auch keine Tragödie daraus machen." An ein abermaliges Scheitern glaubt Wassilew, nach dem Spiel von Osnabrück mehr als Psychologe denn als Trainer gefragt, natürlich nicht. "Die Spieler haben in den letzten Tagen mit großer Anspannung leben müssen. Aber sie sind alle davon überzeugt, dass sie aufgrund ihres Willens, ihrer Kampfkraft und spielerischen Mittel den Sprung nach oben schaffen."

Im Erfolgsfalle wäre die Euphorie in Köpenick sicherlich groß, vor dem Spiel gegen Pfullendorf hält sie sich in Grenzen. Eine ähnlich große Kulisse wie beim Heimspiel gegen Osnabrück wird es heute an der Wuhlheide kaum geben. "Die kurzfristige Ansetzung, dazu ein Wochentag, das ist für uns nicht günstig", sagt Geschäftsführer Bernd Hofmann. Der Vorverkauf hat gestern begonnen, heute öffnen die Kassen schon um 9 Uhr. Wer zu Hause bleibt, hat keine Chance, die Partie am Bildschirm zu verfolgen. Dem SFB war es nicht möglich, eine Live-Übertragung zu organisieren. Sehr zum Ärger von Bertram: "Das ist ein Schlag ins Gesicht aller Berliner Fußballfans."

Die Ausgangslage ist für die Berliner vor der heutigen Partie simpel. Verliert Union, kann man für die dritte Liga planen. Bei einem Unentschieden oder Sieg blieben den Berlinern für das Spiel in Ahlen am Freitag (Antrag auf Spielverlegung wurde abgelehnt) alle Chancen. Die heutige Aufgabe erscheint dabei als die leichtere. Zwar überzeugte Pfullendorf beim 1:1 gegen Ahlen durchaus, sah bis zum späten Ausgleichstreffer der Westfalen sogar wie der Sieger aus. Die Bilanz in der regulären Saison liest sich hingegen wenig spektakulär: Mit 26 Punkten hinter Meister SSV Reutlingen ist Pfullendorf in der Regionalliga Süd ins Ziel gekommen. Und wenn man Manager Krane glauben darf, dann ist damit das Soll erfüllt. "Die Vizemeisterschaft ist ein Ergebnis", sagt Krane, "das wir hier vielleicht in 50 Jahren nicht mehr erreichen werden."

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