Sport : 1. FC Union: Der Verein trennt sich von Jens Tschiedel

Karsten Doneck

Heiner Bertram schweigt. "Kein Kommentar", lautet seine Stellungnahme, Und die gibt er auch nicht selbst ab, sondern lässt sie durch die neue Medienbeauftragte Martina Schultz ausrichten. Dabei hätte Bertram sicher viel zu erzählen. Darüber nämlich, warum sich der Fußball-Zweitligist 1. FC Union gestern mit sofortiger Wirkung von seinem Abwehrspieler Jens Tschiedel getrennt hat - "im gegenseitigen Einvernehmen", wie es in einer offiziellen Pressemitteilung heißt. "Das stimmt auch so, wie es da steht", bestätigt Tschiedel.

Dennoch bleiben Zweifel, ob das Einvernehmen wirklich so gegenseitig war. Bertram, Präsident des 1. FC Union, hatte schon seit längerem - auch über die Medien - Druck gemacht auf die sportliche Leitung mit seiner Forderung, man müsse sich von Spielern trennen. Wen er im Kader für überzählig halte, verriet Bertram auch gleich, nämlich die Ersatzspieler Marko Tredup und Christian Fährmann sowie eben auch Jens Tschiedel. Der Zeitpunkt der Vertragsauflösung von Tschiedel kommt freilich überraschend und ist unmittelbar vor dem zweiten Saisonspiel heute (19 Uhr) bei RW Oberhausen auch nicht gerade geschickt gewählt, bringt eine solche Personalie doch Unruhe.

Tschiedel stand bei Union bis Juni 2002 unter Vertrag, es existierte da auch noch eine Option für ein weiteres Jahr. Der 32-Jährige wehrt sich entschieden gegen den Verdacht, er kneife vor der Konkurrenz auf dem Liberoposten. Dort sind für Trainer Georgi Wassilew im Moment Ivan Kozak und Steffen Menze erste Wahl. "Das ist aber nicht der Grund für die Trennung", sagt Tschiedel. "Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich in meiner Laufbahn Konkurrenten vor mir habe. Das ist völlig normal."

Am Tag vor der Vertragsauflösung hatte Tschiedel, der am Sonntag seinen 33. Geburtstag feiert, noch ein Gespräch mit dem Trainer. Wassilew bescheinigte ihm dabei erneut, dass er "gut gearbeitet" habe. Wenn dann also nichts an der Arbeitsweise Tschiedels auszusetzen gewesen ist, was dann? "Vielleicht", so gibt Tschiedel zu bedenken, "wäre das Ganze nicht so gekommen, wenn ich von Anfang an gespielt hätte." Klar, der Abwehrspieler, der früher bei Bayer Leverkusen schon Europapokal-Erfahrung gesammelt hat, will seine Karriere nicht auf der Ersatzbank beenden. Ein neuer Verein? "Das könnte man vermuten", sagt Tschiedel vage. Ihm soll angeblich ein recht lukratives Angebot eines anderen Klubs vorliegen, die Verhandlungen über einen Transfer ziehen sich noch hin.

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