Sport : 1. FC Union: Die Ästhetik des Psychologen

Karsten Doneck

Er hätte natürlich erst einmal in Ruhe überlegen können, was in der Situation zu tun wäre. Pro und Contra sorgfältig abwägen, um dann die richtige Entscheidung treffen. Nur: Für solch gründlich durchdachtes Handeln findet sich vielleicht in Bürostuben genügend Raum, nicht aber auf dem Fußballplatz. Dort sind schnelle Entschlüsse gefragt. Wie von Steffen Menze am Sonntagnachmittag im Spiel bei Waldhof Mannheim praktiziert.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Da erhielt der Kapitän des Zweitligisten 1. FC Union nach einer Ecke von Kostadin Widolow den Ball. "Der kam so ein bisschen über dem Boden angeflogen", erzählt Menze. "Erst wollte ich mit dem Kopf hingehen, habe aber gesehen, dass da einer vom Gegner ankommt, und ich bin dann gerade noch vorher mit dem Fuß rangekommen." Gut so für Union. Irgendwie auf dem Rasen herumkrabbelnd besorgte Steffen Menze in dieser Szene in der 59. Minute den 1:1-Ausgleich, zugleich den Endstand. Ein Resultat, das Union keineswegs unglücklich stimmte. "In Mannheim tut sich doch jeder ein bisschen schwer", urteilte Torschütze Menze, "da kann man auch mal mit einem Punkt zufrieden sein."

Unions Ausgleichstor versetzte die Mannheimer Fans in Rage. Schiedsrichter Hermann Albrecht musste sich die eine oder andere Beschimpfung anhören. Er soll ein Handspiel des Torschützen übersehen haben. "Hand?", fragte Steffen Menze ganz ahnungslos. "Also, das kann ich nicht sagen, ob da die Hand mit im Spiel war." Nur eine faule Ausrede? Menze beteuert: "Nein, wirklich, ich weiß es einfach nicht."

Menzes Treffer wird wohl nicht zur Auswahl zum "Tor des Monats" zugelassen. Wie der Ball da ins Netz gestochert wurde, das war eher Spiegelbild eines Zweitligaduells, das alles andere als ein ästhetischer Genuss war. Unions Trainer Georgi Wassilew verstieg sich hinterher tatsächlich und mit völlig ernstem Gesichtsausdruck zu der Ansicht, es sei ein "sehr gutes Spiel" gewesen. Bei dieser Aussage kam bei dem Bulgaren allzu deutlich der Psychologe durch. Wassilew entlarvte sich in dieser Hinsicht selbst, als er feststellte: "Wir haben jetzt eine schwere Woche mit zwei schweren Spielen vor uns. Da muss ich die Mannschaft immer wieder moralisch aufbauen." Union spielt am Donnerstag im Uefa-Pokal bei Haka Valkeakoski in Finnland und kämpft am Sonntag daheim gegen Schweinfurt 05.

Und dann soll auch Unions Leistung wieder besser sein. "Wir müssen unsere Konter einfach besser zu Ende bringen", mahnt Steffen Menze. Vielleicht dachte er da auch an die Schlussminute, als Stürmer Sreto Ristic nach Flanke von Tom Persich zu einem Kopfball ansetzte, der den Berlinern doch noch den Sieg zu bescheren schien. Aber mit allergrößter Mühe parierte Waldhofs Torwart Achim Hollerieth den Ball. Ristic war ein bisschen verzweifelt, wusste hinterher aber auch, wie man es besser machen kann. "Vielleicht", so sinnierte Ristic, "hätte ich es machen sollen wie Steffen Menze." Einfach, unkompliziert, nicht gerade schön anzusehen, aber effektiv.

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