1. FC Union : Die neuen Ansprüche

Union steht in der Zweiten Liga vor wichtigen Spielen – und setzt Reizpunkte. Am Montag spielen die Köpenicker gegen Kaiserslautern, bei einem Sieg würden sie zur Spitzengruppe aufschließen.

Matthias Koch,Katrin Schulze
1. FC Union Berlin - FSV Frankfurt
Bald wieder Grund zur Freude? Unions Hüzeyfe Dogan (r) und Michael Parensen.Foto: dpa

Fußballfans dürfen das! Sie dürfen unrealistische Träume haben und diese lautstark im Stadion verkünden. Auch die Anhänger des 1. FC Union durften in den vergangenen Wochen getrost vom Aufstieg in die Bundesliga schwärmen – schließlich hat sich ihre Mannschaft seit Saisonbeginn unter den besten Teams der Zweiten Liga getummelt. Derartige Träumereien sind im Klub selbst natürlich tabu. „Ich unterschreibe, dass wir vermutlich nicht mehr absteigen“, sagt Unions Trainer Uwe Neuhaus. „Zu mehr aber lassen wir uns nicht verführen.“

Es ist nicht auszuschließen, dass diese Worte bald auch durch die Tabellensituation untermauert werden, denn in den kommenden Wochen warten auf den 1. FC Union wichtige Begegnungen respektive „so genannte Sechs-Punkte- Spiele“ wie es Verteidiger Daniel Göhlert ausdrückt. Am Montag geht’s mit der Partie gegen den 1. FC Kaiserslautern los (20.15 Uhr, Alte Försterei, live im DSF) – mehr als 17 000 Tickets hat der Verein dafür bereits abgesetzt. Danach folgen der FC St. Pauli, Energie Cottbus, Arminia Bielefeld und 1860 München. Erst nach diesen Prüfungen wird sich zeigen, wo die Berliner tatsächlich anzusiedeln sind.

Dass den Unionern vor diesem straffen Programm nun der Ausfall wichtiger Spieler droht, passt nicht unbedingt in die Dramaturgie. In jedem Fall wird den Köpenickern John Jairo Mosquera fehlen, der sich eine Stauchung im rechten Kniegelenk zugezogen hat. Der Ausfall des besten Unioner Angreifers wiegt sicher schwer, noch gravierender könnte sich allerdings ein anderer potenzieller Verlust auswirken: Stammtorhüter Jan Glinker absolvierte unter der Woche wegen Adduktoren- und Rückenproblemen zunächst nur leichtes Lauftraining, zuletzt probierte er sich auch wieder im Bälle fangen. „Wenn es bei ihm nichts wird, steht Busch im Tor“, sagt Trainer Neuhaus. Ersatzmann Carsten Busch aber hat noch nicht gezeigt, dass er mit den Qualitäten seines starken Torwart-Kollegen Jan Glinker mithalten kann und in der Zweiten Liga wirklich wettbewerbsfähig ist.

Vielleicht hat der Coach zuletzt auch deshalb sogar öffentlich über Neuverpflichtungen nachgedacht. „Wir wollen im Winter einen Torhüter und einen oder sogar zwei Innenverteidiger holen“, sagte Neuhaus kürzlich. „Nach so vielen Gegentoren muss man sich darüber Gedanken machen.“ Nun ja, viele Gegentore sind relativ, wenn man bedenkt, dass Union in 12 Spielen bislang 16 Treffer kassiert hat und nur fünf Mannschaften der Zweiten Liga diesbezüglich besser dastehen als der Aufsteiger aus Berlin–Köpenick.

Dennoch. Mit dem Erfolg wachsen die Ansprüche. Das ist – bei aller Bescheidenheit – auch beim 1. FC Union nicht anders. Wie ist es sonst zu erklären, dass der Klub trotz guter Ergebnisse in der Winterpause finanzielle Mittel für neue Spieler locker machen wird? Nötig hätten es die Berliner wohl nicht unbedingt. Aber „Konkurrenz belebt das Geschäft“, glaubt Daniel Göhlert. Und: „Ich mache trotzdem weiter mein Ding.“ Auch Christian Stuff, der mit Göhlert zusammen die Innenverteidigung im Team von Uwe Neuhaus bildet, hält diesen Vorgang für „ganz normal. Wie ich den Verein kenne, wird er nichts überstürzen.“ Dass die betroffenen Profis auf die deutlichen Ansagen ihres Chefs und die geplanten Transfers so gelassen reagieren, zeugt zum einen von einem gesunden Selbstvertrauen und zum anderen von viel Harmonie im Team.

Am Montag könnten die Köpenicker davon profitieren. Sollten sie gegen Kaiserslautern gewinnen, würden sie wieder in die Nähe eines Aufstiegsplatzes rücken. Wenn nicht, wird sich der 1. FC Union demnächst im Mittelfeld der Zweiten Liga wiederfinden. Mehr hatte vor dieser Saison ja ohnehin niemand erwartet. Oder? „Unser Ziel ist es, so früh wie möglich den Klassenerhalt zu erreichen“, sagt Daniel Göhlert. „Das ist wirklich so.“

Zeit für Realismus?

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